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„Die Wahrheit ist, dass die Menschen nicht frei sind.“
Behrang Alavi, Sänger der Band Samavayo, spricht über seine iranischen Wurzeln und das Lied „Teheran Girl“.

SPIESSER.de: Behrang, du bist bist in Teheran geboren.
Behrang: Als ich neun Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir aus dem Iran geflüchtet. Sie waren politisch engagiert, aber eben nicht so, wie es die damalige Regierung gerne gehabt hätte. Wir konnten da nicht mehr sicher leben.
Und jetzt engagierst du dich mit der Band für die Demonstranten im Iran?
Bisher sind wir als Band eigentlich noch nie politisch aufgetreten. Wir haben immer versucht, die Musik nicht mit unseren politischen Ansichten zu vermischen. Aber in diesem Fall kämpfen da Leute um ihre Freiheit und das wollen wir unterstützen.
Was kann da Musik leisten?
Gerade touren sie auf verschiedenen Festivals und am 2. Oktober kommt ihre neue Platte raus.
Den Menschen Mut geben. Über facebook und twitter haben wir Kontakt zu vielen Iranern. Für die ist es einfach tröstlich zu wissen, dass da draußen Menschen sind, die an sie denken. Wir verbreiten unsere Musik, vor allem das Lied „Teheran Girl“ viel über Netzwerke, über die wir Iraner erreichen.
Auf der anderen Seite geht es uns darum, Menschen hier in Deutschland aufzurütteln, so dass sie vielleicht Petitionen einreichen oder sonst irgendwie aktiv werden. Vielleicht können wir mit der Musik über Umwege Druck machen. Der Iran hat die Menschenrechts-Charta akzeptiert, jetzt muss er sie auch achten.
Ihr wart sogar schon im iranischen Fernsehen zu sehen.
Wir waren im Februar in London beim persischen Sender von BBC. Die haben eine Art Dokumentation über unsere Band gemacht. Da haben wir auch das Lied „Teheran Girl“ gespielt. Genau am Tag der Wahl wurde die Sendung ausgestrahlt, zur Primetime. Das haben dann mehrere Millionen Menschen gesehen und dadurch bekamen wir viele Kontakte zu Iranern.
Dabei habt ihr „Teheran Girl“ gar nicht speziell im Blick auf die Wahl produziert.
Nein, den haben wir letztes Jahr im Mai geschrieben. Der hatte im Prinzip erst mal gar nichts mit der Situation jetzt zu tun, aber er passt nun besser denn je.
Was war denn damals ausschlaggebend für das Lied?
Ich wollte etwas über meine Wurzeln machen, der Song sollte orientalisch klingen. Ich dachte, wenn ich jetzt schreibe, dass das Wetter schön ist und ein iranisches Mädchen schöne Augen hat, dann trifft das nicht die Situation in meinem Herkunftsland. Die Wahrheit ist, dass die Menschen da nicht frei sind und unterdrückt werden.
Das ist wahrscheinlich der politischste Song, den wir jemals geschrieben haben.
Jetzt habt ihr das Stück mit Bildmaterial von youtube und anderen Portalen unterlegt. Wieso gibt es erst jetzt ein Video?
Wir hatten bisher nur Konzertszenen drunter gelegt. Aber dann haben wir gedacht, dass man mit so einem Video natürlich noch mehr Leute erreichen kann. Auch die BBC hat uns gefragt, ob wir nicht ein Video machen wollten. Wir haben ein paar Tage gezögert, uns aber dann dafür entscheiden.
Warum habt ihr gezögert?
Weil die Bilder einfach krass sind. Das ist harter Tobak, der geht direkt in die Magengrube. Aber die Bilder kommen nun mal aus dem Iran. Sie sind die Wahrheit. Das Video war einfach eine Reaktion auf die Situation. Wir wollten was tun.
Warst du in letzter Zeit überhaupt mal im Iran?
Das ist aufgrund der politischen Vergangenheit meiner Eltern mit vielen Komplikationen und Gefahren verbunden. Ich habe aber Kontakt zu vielen Iranern und spreche fließend persisch.
Wie geht es weiter mit eurem Engagement?
Wir versuchen gerade Kontakt zu anderen iranischen Künstlern aufzubauen, vielleicht kann man zusammen etwas auf die Beine stellen.
Was sagt ihr: Ist Kunst ein geeignetes Protestmittel? Kennt ihr vielleicht noch mehr Künstler, die sich für die Demontranten im Iran einsetzen?
Das neue Video zu „Teheran Girl“
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