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U20-WM: Angenehm wenige Vuvuzelas
Der großen WM folgt die kleine: Die Frauen unter 20 spielen derzeit in Deutschland um den Pokal. Gustav hat sich das mal angeschaut.
Das Rudolf-Harbig-Stadion ist nicht voll. Es ist aber auch nicht leer. Fast 10.000 Zuschauer sind da – und machen Lärm für 20.000. Ghana spielt gegen die USA im Achtelfinale, und die Ghanaerinnen haben eine Trommlergruppe mitgebracht. Die übertönt das vorsichtige Cheerleader-Gehabe der US-amerikanischen Fußballfreunde und heizt mit Pauken, afrikanischen Klanghölzern und angenehm wenigen Vuvuzelas dem kompletten Publikum ein.
Am Rande des Wahnsinns: WM-Spielerinnen aus nächster Nähe betrachten und ausfragen. Das ist bei der U-20-WM für alle Fans möglich. (Fotos: Gustav Beyer)
Mehr Kreischen, weniger Grölen
Die Stadionatmosphäre ist allgemein ganz anders, wenn Frauen am Ball sind. Die Stimmen sind höher, es wird mehr gekreischt, weniger gegrölt. Das Spiel kommt mir harmloser vor – nahezu foulfrei und freundlich. Als das Team der Schweiz allerdings im Spiel zuvor mit 0:4 gegen Korea verlor, gabs viele Tränen bei den am Boden zerstörten Schweizerinnen. Die Emotionen sind hier deutlicher.
Ich sitze ganz oben und beobachte das Geschehen aus der Distanz. Als Reporter wird man von der FIFA mit bequemen Sesseln, unbehinderter Sicht auf das ganze Spielfeld, kostenfreien Getränken und Pressekonferenzen verwöhnt. Bis man allerdings die Akkreditierung in den Pfoten hält, muss man eine ganz schöne Prozedur durchlaufen, sogar Passbilder machen lassen und warten, warten, warten. Dann aber sitze ich oben und schaue mir die USA gegen Ghana an.
SPIESSER im WM-Stadion - Die Menge bebt. (Foto: Gustav Beyer)
Findet das Spiel zum K... ?
28. Spielminute: Am gegenüberliegenden Spielfeldrand bricht eine ghanaische Spielerin zusammen. Sie hockt dort auf dem Boden und übergibt sich. Eine Meinungsäußerung zum Spiel? Oder vielleicht doch nur die Anstrengung? Sanitäterinnen eilen zur Hilfe. Die Schiedsrichterin wischt das Erbrochene kurzerhand – oder kurzen Fußes – mit den Schuhen weg und es geht weiter.
Dann das eindeutigste Abseitstor aller Zeiten in der 70. Minute, fabriziert durch Sydney Leroux aus dem US-Team. Die tschechische Schiedrichterin Dagmar Damkova lässt es trotzdem zählen. Plötzlich kippt die Stimmung: Pfiffe, aggressive Stimmung, Neid, Argwohn im Stadion. Es bleibt also spannend und am Ende trennen die Mannschaften sich 1:1.
Anschließend in der Pressekonferenz ist der ghanaische Trainer James Dadzie nur halb zufrieden. „Gott war heute wohl ein Amerikaner. Das ist schade, aber ich glaube, dass unsere Mannschaft ausgeglichen gespielt hat und wir weiterhin Chancen haben, unser Können unter Beweis zu stellen", sagt er in ghanaischem Englisch. Wesentlich besser gelaunt ist da Spielerin Florence Dadson, die ich am Ausgang des Stadions treffe. „Wir hatten ein prima Spiel. Das US-amerikanische Gegentor lässt sich verkraften."
Noch lockerer aber sehen das die US-Spielerinnen. Ich frage, ob sie nicht die in ihrem Land so typischen Cheerleader vermissen. Herrenfußball – weibliche Cheerleader, Frauenfußball – männliche Cheerleader? „Das wäre eine großartige Idee. Aber dann wären wir abgelenkt und könnten uns nicht mehr auf das Spiel konzentrieren", meint eine Spielerin. Dann kommt der Teambus, sie rennt los und ich kenne nicht mal ihren Namen.
Die Tatsache, dass es Zuschauerkarten bereits ab 2,50 Euro gibt, sogar noch an der Abendkasse, steigert die Freude auf die anstehenden Spiele in Augsburg, Bielefeld, Bochum und Dresden. Das Finale findet am 1. August in Bielefeld statt, die Austragung des Viertelfinales teilen sich zuvor alle vier Spielorte. Ob wir Ghana oder die USA dann wiedersehen, entscheidet sich an diesem Wochenende.
Teaserfoto: Gustav Beyer
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