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Anti-Konsum: Ein Selbstversuch - Teil 1

Von: Meentje
 
07.09.2010 - 18:36
Facebook:

SPIESSER.de-Autorin Annika wagt den Selbstversuch: einen Monat ohne Shoppen, Luxus und Genuss. Hier könnt ihr lesen, warum sie das macht und wie das Experiment aussehen soll.

Was passiert, wenn ich plane, mein Geld nicht mehr für kurzen Genuss (Lollis, Kaugummi), Schönheitswahn (Tücher, Taschen, Tiegel), einen Haufen mitunter lesenswertes Altpapier (Magazine, Zeitungen) oder Seelentröster, wie Kerzen oder Schmuck auszugeben? Werde ich ein besserer Mensch, ein erfüllenderes Leben führen? Oder habe ich einfach nur mehr Geld im Portemonnaie?

Labellosammlung und Lieblings-Kaffee

Sagt mal, haltet ihr es für Luxus, sich an einem Samstagnachmittag mit der besten Freundin einen großen Latte Macchiato zu gönnen? Oder die Kaugummis, die ganze drei Sekunden lang nach unverschämt leckerem Himbeeraroma schmecken und einem für diesen kurzen Genuss 2,98 Euro aus der Tasche zu ziehen? Was ist mit der Busfahrt, die dich quer durch die proppenvolle Innenstadt bugsiert?
Hast du etwa nicht auch zwei gesunde Füße, die die fünf Haltestellen locker laufen könnten? Die Klatsch-Zeitung, deren Lerneffekt und tieferer Sinn gleich null ist, aber dir Spaß bringt, weil du dich herrlich über unvorteilhaft abgelichtete Promis lustig machen kannst?

Shoppen = Spaß?
Lebensnotwendigkeiten sind erlaubt. Sind Zeitschriften eine Lebensnotwendigkeit?

Ich hätte meinen Text auch einfach: „Wie werde ich ein besserer Mensch - in 30 Tagen?“ nennen können. Das finde ich aber zu abgedroschen.
Trotzdem, etwas Ähnliches habe ich geplant. Ich mir werde all die oben erwähnten Lichtblicke verkneifen.
Ob ihr es genauso wenig glaubt wie ich, mein Plan ist es, mich den gesamten September dem Projekt: „No shopping / Anti – Konsum“ zu widmen. Was mich geritten hat, fragt ihr? Eine Erklärung wäre, wenn ich pausenlos in den roten Zahlen zu schwimmen hätte. Oder eine Weltreise in den Jahren 2011-2023 geplant hätte. Haue ich deswegen so in die Bremse?
Nein, nichts dergleichen. Ich habe nur das gemacht, was ich täglich zu tun pflege. Ich habe ein Buch gelesen. „No Shopping“ von Judith Levine.
Was soll ich sagen, es hat mich nicht mehr losgelassen. Die Autorin beschreibt ihr Leben, ihr Tun und Denken während eines kompletten Jahres (!) ohne Konsum, Kaufwahn und Kino. Kein Täschchen vom Künstlermarkt, keine CDs, dafür Fahrradausflüge und Spaziergänge in die Stadtbücherei.

Kein Kommerz und Konsum

Die Idee, sich dem Kommerz und Konsum zu entsagen, finde ich erst einmal ... interessant. Den Plan, dadurch ein einfaches, aber sinnvolles Leben zu führen, durch asketische Abstinenz zu Glück und Erfüllung zu finden, begeistert mich.
Aber am wichtigsten ist für mich: Was fühle ich, wenn ich mich selbst dazu verdonnert habe, auf den süßen Stift, der mir in der Buchhandlung „Kauf mich“ ins Gesicht schreit, zu verzichten? Wenn ich bei H&M dem „Sale“ trotze und auch keine weitere Postkarte für meine Sammlung erstehe. Werden es dann nächsten Monat doppelt so viele? Werde ich tatsächlich traurig, wenn ich keinen Glückstee mehr trinke?
Was steht denn eigentlich hinter dem Wunsch, das Armband mit dem Eulenanhänger mein Eigen nennen zu wollen?

Das herauszufinden ist in meinem Sinne und ich werde euch daran teilhaben lassen. Es wird wöchentlich ein Artikel von mir erscheinen, der euch auf dem Laufenden hält, ob und wie mein Plan aufgeht, was mein Geldbeutel spricht, ob ich vereinsame, verdumme, Laufmaschen auftrage oder sonst irgendeinen Schaden annehme.

Vielleicht aber werde ich auch glücklich, frei, beschwingt und unabhängig von SSV, CreditPoints und Mengenrabatt. Ich werde sehen, ich werde schreiben. Ihr werdet lesen.

Bild: Thommy Weiss, pixelio.de

Teaserbild: Rainer Sturm, pixelio.de

Kommentare

Bild von jugendlicher Rotzer Luke

Die ganze Nummer hat nur dann

Die ganze Nummer hat nur dann einen Sinn wenn du dich mit andern Sachen beschäftigst und dich nicht darauf konzentrierst nicht zu konsumieren. Obwohl ich´s auch dann noch für Quatsch halte.

Bild von asoXial

nee nee nee

das ganze ist ja schon fast unverantwortlich. ;)

Stell dir mal vor das würden andere Leute auch so machen :koppschüttel

Es geht doch nicht um dein eigenes Wohl.Nein, es geht hier um Weltwirtschaft!

Am besten du machst dich gleich auf um dein erspartes auszugeben.
Prinzipiell ist es nicht wichtig was du kaufst so lange der Rubel rollt.

Am liebsten sind mir eh die Kunden die mehr ausgeben als sie haben. Die passende Bank hätte ich auch zur Hand.

also auf auf im Dauerlauf

an sonsten: viel Glück bei deinem Experiment :gespanntseinich:

Bild von Lea.

interessant.

gute Idee, ich bin schon sehr gespannt und werde das auf jeden Fall verfolgen. Mal schauen nach wie vielen Tagen du Depressionen bekommst :D

Bild von klabautermann

in welchem rahmen befindet

in welchem rahmen befindet sich denn dein antikonsum??ich finde das sinnlos ohne konsum glücklcih zu sein...du wirst höchstens dann glücklich wenn du am 1. oktober wie ein verrückter durch die klamottenläden saust.denn wie schon mein lieblingsbuch sagt vergleiche machen unglücklich.glück ist ein ...daher muss man immer höheres glück erfahren um bei laune zu bleiben...deinen lebesnstandart aufgeben heißt auch deinen glücksstand aufzugeben...mal ehrlich...gut wir sind hier bei spießer...hier sollte eigentlihc keiner ein genussmensch sein...am besten solen hier alle kleine miniplatons sein....aber nichts destotrotz kann man in unserer welt mit erkenntnis nicht viel erreichen...aber zieh mal dein ding durch und genieß die leere im körper und die fülle im sparschwein...und wenn der monat(für dich wohl ein gefühlte jahr)dann vorbei ist...können wir uns ja auf einen kaffee treffen.ich würd dich auch einladen ;)

Bild von Meentje

Tag 1 - noch alle gut

hej..seht das ganze mal nicht ganz so negativ..versucht es wenigstens =)

@ asoxial: Dass ich mit meinem Experiment die Weltwirtschaft nicht rette, weiß ich. Nur, ganz ehrlich, habe ich das auch gar nicht vor. Ich sehe nicht ein, dass ich als "kleiner Verbraucher" ein System unterstütze, dass die Herren und Damen der Schöpfung (und der Millionen) kollektiv vergeigt haben. Da kann ich mit meinem Kaffe oder Buch mehr oder weniger auch nix retten..und wenn du es tatsächlich besser findest mehr geld auszugeben wie du zur verfügung hast, dann bin jetzt ich an der Reihe den Kopf zu schütteln.

@ klabautermann: Ich hoffe auf jeden Fall NICHT, dass ich am 1. Oktober in den Kaufrausch verfalle, weil genau das von dir erwähnte Glück, dass kommt, wenn ich durch Klamottenläden stürme etc. will ich ja versuchen auf anderem, einfacheren Weg zu finden.

Ob mir das gelingt, oder ob ich in Depressionen verfalle..wer weiß.

Bild von saire

ich glaube

asoxial hat seinen beitrag durch und durch ironisch gemeint ;)

Bild von M.I.N.A.

coole Idee

Nun, ich finde es ist mal eine gute Idee,
nicht nur damit man am Ende des onats weißt, was einem wichtig ist und was man wirklich braucht. Ich werde deswegen versuchen auch mitzumachen. Mal sehen wie lange ich aushalte.
Da ich fast jeden Tag bei der Elternküche was kaufe, werde somit auch einfah viel Geld sparen und dann für sinnvolleres einsetzen können.
Nun dann werde ich mal sehen , wie es morgen wird.

Mina

Bild von Aluni

Das Buch

hab ich auch gelesen. Die Tatsache, dass die Autorin in den USA wohnt, macht die Sache um einiges krasser. Ich glaube, in Deutschland konsumieren wir vergleichsweise freiwillig.

Bild von Meentje

Amerika toppt Deutschland

@ M.I.N.A
Na, super, dass ich schon Mitstreiter gefunden habe. Ich find es toll, dass du dich auch versuchst. Ich muss sagen, bei mir klappts zuweilen ganz gut, obwohl mein Besuch auf dem Flohmarkt nicht so einfach war. Da gibt es immer furchtbar hübsche, furchtbar unsinnige Dinge (wie eine Tasche aus einer alten Kokosnuss, is das'n Ding =) )
Aber, wir bleiben auf dem Laufenden, viel Glück =)

@ Aluni
Ja, ich glaube auch, dass Amerika einen Ticken härter ist, als Deutschland. Ich habe aber beim Lesen gemerkt, dass sie unter vereinfachten Bedingungen handelt. Für sie, als Journalistin, war das ja Arbeit. Ich denke, es ist einfacher, das durchzuziehen, wenn man nicht täglich 8 stunden im Büro sitzt. Sie konnte sich den TAg frei einteilen und hat viele Bekannschaften und Nachforschungen gemacht, die im normalen Bürgerleben nicht möglich wären.

Bild von M.I.N.A.

Tag 1

Nun ich muss sagen,
ich muss mir ein paar richtige Regeln aufstellen.
Also ich fahre jeden Tag mit dem Bus, da ich leider nicht Fahrrad fahren kann und essen darf ich auch kaufen, da das eigentlich zu den notwendigen Sachen gehört und somit nicht zum Konsum....also läuft es für mich NOCH gut.
Aber bin sowieso sparsam...

Mina