Bafana Bafana!
Die Fußball-Elf Südafrikas ist bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Als Hommage an das WM-Gastgeberland blickt Christoph noch einmal zurück auf deren letztes, aber erfolgreiches Spiel gegen Frankreich. Das erlebte er mit zwei Südafrikanern.
Mein suchender Blick gleitet über den Hildesheimer Hindenburgplatz. Offensichtlich lockt das schöne Wetter mehr Gäste an die frische Luft als zum Fußballspiel. Passanten sitzen in den Außenbereichen der vielen Kneipen und Bars. Hier soll ich zwei südafrikanische Fußballfans treffen. Da vor den zahllosen Bildschirmen nur wenige Zuschauer hängen, kann ich die beiden schon von Weitem ausmachen: Im Außenbereich des Irish Pubs hängt eine große südafrikanische Flagge über eine Stuhllehne. Das müssen sie sein.
Gastgeber außerhalb des Gasgeberlandes
„Was möchtest du trinken?“, fragt mich Joe Couve direkt bei der Begrüßung freundlich. „Du bist heute unser Gast.“ Verwundert blicke ich ihn an. Ok, Südafrika ist zwar Gastgeberland, aber in Deutschland hab ich das nicht erwartet. Ich nehme dankend an.
Ich mustere Joe, seine deutsche Frau Steffi und deren südafrikanische Begleiterin Nadine Zölle. Mal ehrlich: Südafrikanisch sehen Joe und Nadine, die sich erst seit einer Woche WM-Schauen kennen, wirklich nicht aus. Die beiden könnten genauso gut von hier sein. Aber die Fanausstattung verrät sie: Joe trägt ein knallgelbes T-Shirt mit der Aufschrift „Bafana Bafana“ („die Jungs, die Jungs“ - Spitzname der südafrikanischen Nationalelf). Der gleiche Aufdruck ziert Nadines Cap. Unter ihrer olivgrünen Weste schimmert zudem ein Südafrika-Trikot hervor. Außerdem unverkennbar: Die Vuvuzela in den südafrikanischen Nationalfarben, die die beiden mitgebracht haben.
Siehe unten!
Wie schauen auf Südafrika, das Land der Fußball-WM: Leben mit Schwarz und Weiß und viel dazwischen. Zum SPIESSER-Spezial über Südafrikal!
Das Leben spielt mit
Bei einem hohen Sieg Südafrikas gegen Frankreich und einer gleichzeitigen Niederlage Mexikos gegen Uruguay würde sich Südafrika noch für das Achtelfinale qualifizieren. Doch von Anspannung ist bei Joe und Nadine keine Spur. Unverkrampft plaudern sie miteinander in einem Mix aus Englisch und Deutsch. Immer wieder binden sie mich in ihre Unterhaltung ein, erzählen mir von ihrer Lebensgeschichte. Schon nach zehn Minuten habe ich genug Infos, um eine gesamte Zeitung zu füllen. Zum Beispiel über den Namen der Südafrikanerin - Nadine Zölle klingt wie ein deutscher Allerweltsname. Auch spricht sie keinen Akzent. Wie das kommt, frage ich sie. „Ich habe einen Ausländer geheiratet“, lacht Nadine. Vor fast 12 Jahren kam sie aus beruflichen Gründen nach Deutschland, lernte hier ihren Mann kennen und blieb hier. Und Joe? „Mich hat auch die Liebe nach Deutschland gebracht.“ Während eines Südafrika-Aufenthalts seiner heutigen Frau Steffi lernten sich die beiden kennen – seit September 2009 wohnen die beiden in Hildesheim.
Das Spiel geht weiter
Nach einer guten Viertelstunde geht Südafrika in Führung. Ausgelassen springen Joe und Nadine von ihren Stühlen auf, jubeln, klatschen und freuen sich wie kleine Kinder. Nadine greift umgehend zu ihrer Vuvuzela und bläst kräftig hinein – das ist zwar in Hildesheim verboten, aber wen interessiert das in dem Moment schon? Der frenetische Jubel lockt zahlreiche deutsche Besucher zu unserem Tisch. Neugierig beobachten sie die Jubelzeremonie der Südafrikaner. Wenig später fällt das 2:0. Erneut springen die beiden enthusiastisch auf und trommeln diesmal auf dem Tisch. Die Gläser darauf wankten schon beim ersten Tor beträchtlich – nun drohen sie erneut umzukippen. Joe und Nadine stört das wenig. „Wenn das so weitergeht, wird es morgen einen Feiertag in Südafrika geben“, freut sich Joe. Bis zur Pause ändert sich nichts mehr am Spielstand. Joe und Nadine sitzen wieder seelenruhig auf ihren Plätzen und genießen die Sonne. Keine Frage, das gesellige Miteinander steht bei ihnen klar im Vordergrund. Daran ändert sich nach dem Seitenwechsel erstmal wenig. Munter plaudert Joe mit anderen deutschen Gästen an den Nachbartischen.
Das findet abrupt ein Ende, als Südafrika offensiver auf das dritte Tor drängt. Südafrika fehlen noch zwei Tore zum Achtelfinale. Joes Anspannung steigt von Minute zu Minute. Lautstark feuert er seine „Bafana Bafana“ bei jedem Ballbesitz an, sein Blick weicht nun nicht mehr vom Bildschirm. „Heute Abend bin ich absolut geschafft“, sagt Joe grinsend. Nadine hingegen sitzt gelassen in ihrem Stuhl. Am Ende war alle Unterstützung umsonst: Frankreich erzielt den Anschlusstreffer, der gleichzeitig das Endergebnis markiert. Der Sieg Südafrikas reicht nicht aus.
„Wenigstens haben wir die Revanche für das 0:3 bei der WM 1998 geschafft“, freut sich Joe. „Und wir können nach dieser Leistung mächtig stolz auf unser Land sein.“ Nadine sieht es ähnlich: „Es ist wichtiger, dass alles glatt läuft bei der WM und alle Zuschauer zufrieden sind.“
Text und Fotos: Christoph Käfer
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