Brief an... Google Street View
SPIESSER.de-Autoren schreiben Briefe. Dieses Mal schreibt schneewibchen an Google Street View.
Noch Fragen?
Mit Google Streetview befasst sich zurzeit auch Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für Datenschutz. Wenn ihr ihn etwas zu Streetview oder auch zu anderen Datenschutzthemen fragen wollt, dann könnt ihr das hier machen. Wir treffen ihn nämlich bald zum Videointerview und nehmen eure Fragen mit. Foto: BfDI
Liebes Google Street View,
ich hab erst überlegt, diesen Brief auf Englisch zu verfassen, denn schließlich bist Du in Deutschland noch gar nicht zu finden. Trotzdem diskutiert man in unserem Land gerade tagtäglich über Dich – Du bist Thema Nummer 1 der Umfragen, kommst in den Nachrichten weit vorn und mein Opa ließ sich auf dem letzten Geburtstag auch schon über Dich aus. Super, Du hast es in dem Mittelpunkt unserer Gesellschaft geschafft – herzlichen Glückwunsch! Paris Hilton versucht das schon seit Jahren.
Die will allerdings auch keine Bilder von deutschen Häusern machen. Dafür hast Du eins von ihrem Haus gemacht. Wenn man Paris Hiltons Adresse ansehen möchte, kann man das ganz einfach mit Deiner Hilfe tun. Man sucht sich im Internet ihre Autogrammadresse heraus, kopiert sie und fügt sie ganz einfach bei Dir oben in die Suchfunktion ein. Und siehe da: Man steht vor einem großen Bürogebäude. Der Mann, der gerade vorbeigeht, trägt ein blaugestreiftes Hemd, vor dem Haus stehen ein paar Autos und die drei Bäumchen vor der Treppe sind akkurat geschnitten.
Toll ist das, Du bringst die Welt zusammen. Ich bin gerade 9.000 Kilometer entfernt und kann mit Deiner Hilfe nach Los Angeles reisen, mir Häuser angucken und mir sogar ein Stückchen Strand gönnen, wenn ich mag. Alles ganz easy.
Wenn Paris Hilton allerdings mal gucken will, wie ich so wohne, wird das schon schwieriger. Da müsste sie schon in einen ihrer Privatjets steigen und herfliegen, denn Du hast noch kein Bild von meinem Haus gemacht. Wieso nicht? Datenschützer und alle anderen Deutschen streiten sich noch, ob man dich in Deutschland einführen soll. Du willst erst einmal klein anfangen und nur die Häuser in den 20 größten Städten fotografieren.
Doch da geht die Diskutiererei schon los. Kritiker meinen, die Verpixelung der Gesichter würde nicht ausreichen, die Privatsphäre sei dann aufgehoben und jeder sollte selbst entscheiden dürfen, ob er sein Haus öffentlich im Internet zeigen möchte oder nicht. Tatsächlich kann man bei Dir beantragen, dass Du das Foto des eigenen Hauses unkenntlioch machst. Andersherum ginge es ja auch schlecht: Du kannst schließlich nicht bei jedem Grundbesitzer einzeln nachfragen, ob es okay für ihn wäre, wenn du sein Haus fotografierst.
Eine deutsche Boulevardzeitung hat dieses Wochenende eine Umfrage gemacht. Demnach wollen Dich 52 Prozent nicht haben, 47 Prozent finden Dich ganz akzeptabel und würden ihre Häuser von dir fotografieren lassen. Mein Opa hat übrigens auch etwas gegen Dich.
Er stand auf unserer letzten Familienfete vor unserem Tisch und sagte, es wäre eine Unverschämtheit, dass Du einfach ein Bild von seinem Haus machen wolltest. „Was ist denn mit den Leuten, die kein Internet haben? Die können Google Streetview doch dann gar nicht nutzen!“, empörte er sich.
Fragend sah er mich an. „Ehm, Opa, wer hat denn heutzutage kein Internet?“ Dann fiel mir ein, dass er und seine Rentnerfreunde dazugehören und dich bestimmt nicht verstehen können. In ihrer Welt existiert eben nur ihre eigene Kleinstadt.
Ich allerdings fliege bald nach Amerika, übrigens ganz in die Nähe von Paris Hilton. Das Haus meiner Gastfamilie hab ich mir auch schon angeschaut. Sieht ganz nett aus und wenn ich mich die Straße herunterklicke, bin ich fast an meiner High School angelangt. So habe ich schonmal einen groben Überblick und weiß ein bisschen, wie es in meiner neuen Umgebung aussehen wird.
Durch Dich wird die Welt irgendwie kleiner und ich finde, Deutschland sollte sich dazugesellen. Dann könnte Paris Hilton sich auch mal mein Haus angucken und feststellen, dass ich fast den gleichen Baum vorm Haus stehen habe wie sie vor ihrem Bürogebäude. Meinen Segen hast du. Ich habe zwar nur vier Fenster, aber die darfst du gerne fotografieren.
Weltenbummlerische Grüße,
Dein Schneewibchen
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Kommentare
super text
super text
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Text
Ein dummer Text. Hört sich an wie von Google gesponsert.
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Perfekt !
Perfekt !
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glückwunsch zum tollen
glückwunsch zum tollen artikel.
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weiß nicht...
an und für sich gut formuliert,aber diese DU schreibweise find ich sonderbar :D
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darf man duzen.
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Endlich
Endlich mal kein Beschwerdebrief :) Nette Abwechslung.
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sehr gut
Also ich weiß nicht was ihr an euren Häusern habt, meins kann man rühig sehen, genau so gut könnte man sagen das Telefonbuch verstöße gegen den Datenschutz...
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ja das stimmt!
ich finde mein haus kann man auch sehen...ob man nur herfährt und sich dann anschaut oder über internet-ist bohne...
für hoch prominente leute hingegen ist es besser,wenn man ihr haus nicht bis ins detail erkennen kann,als schutzmaßnahme.
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Ein toller Brief ...
... den du geschrieben hast.
Ich find's gut, dass nicht alle immer gegen Street-View sind.
Persönlich kann ich mir nicht vorstellen es zu nutzen. Wenn ich die Welt sehen will, dann fahr ich dort hin. Niemals würde ich mir im Internet angucken, welche Straße ich zum schönsten Café laufen müssten. Sowas will ich doch real vor Ort entdecken.
In so fern muss jeder selber wissen, ob er den Dienst dann auch nutzt.
Ob die Buden nun im Internet stehen oder nicht, darüber kann man viel diskutieren. Bei einem Mehrfamilienhaus - Platte, Block oder sowas - ist es doch anonymer als bei einer schönen Villa im grünen mit großem Vorgarten und allem. Was geht denn die Welt an, wie die Leute dort wohnen? Sollen sie doch hinfahren und sich die Stadt angucken. :)
Wegen der "Boulevardzeitung" (mit vier Buchstaben?) - viele Bürger wissen doch gar ni, was StreetView ist. Die denken es gäbe Livebilder im Netz. Dann ist doch klar, dass so viele dagegen sind.
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