Brief an... das iPhone

Von: Aluni
 
07.08.2010 - 11:33
Facebook:

SPIESSER.de-Autoren schreiben Briefe. Diesmal schreibt Aluni dem iPhone, warum es ihr völlig egal ist.

Hallo iPhone,
vielleicht kannst du diesen Text mittlerweile selbst lesen und verstehen. Mit Sicherheit kannst du ihn übersetzen oder um die Welt schicken. Deine Herstellung kostet 188 Dollar, dafür erwartet man einiges.

Du wirst für dein Aussehen gelobt – du hast keine Ecken, keine Kanten, keine Falten. Schön für dich. Ich finde dich langweilig. Leuchtet dein Display nicht, bist du nicht mehr als ein verschmiertes Kästchen. Dein Bruder iPod ist wenigstens bunt. Du passt nicht in die Hosentasche einer Mädchenjeans. Wer mit dir telefoniert, hat ein Gerät von der Größe einer Waffel am Ohr. Und trotzdem gibt es Menschen, für die bist du das wichtigste Gerät ihres Lebens. Menschen, die dir ihr ganzes Leben anvertrauen.


So sieht es aus, das iPhone.
Foto: pixelio.de/Lars Mikloweit und Danny König

Liebes iPhone, ich brauch' dich nicht. Ich habe einen MP3-Player, ein Handy, einen Laptop, ein Diktiergerät. Ich muss nicht alles in einem haben. Ist dein Akku mal leer, hätte ich nichts davon. Ich trage Bücher gern in meiner Tasche herum, auch wenn sie schwer sind. Scrabble spiele ich mit Freuden am Tisch, nicht auf ein paar Quadratzentimetern Sicherheitsglas. Ich muss nicht im Bus E-Mails lesen und Rasenmäher kaufen. Ich muss auch nicht von dir gesagt bekommen, wann die Eier hart gekocht sind und welche Weihnachtsgeschenke ich noch kaufen muss. Das weiß ich selber.

Wenn ich in ganzseitigen Zeitungsannoncen deine unzähligen Apps sehe, frage ich mich: Wie haben deine Besitzer überlebt, als es dich noch nicht gab? Warum geben sie Geld aus, anstatt ihren Kopf zu benutzen?

Aber das ist ihre Entscheidung. Was mich stört: Deine Familie rückt mit so viel Tamtam an wie die Queen. Als SPIESSER-Grafiker Maik sein iPad bekam, stand die Redaktion um den Tisch herum und bewunderte es wie einen propperen Säugling. Ah. Oh. Darf ich mal anfassen?

iPhone, ich glaube, du bist gar nicht für Jugendliche gemacht. Sondern für kreative Mittdreißiger, die Karriere machen wollen oder Karrieremenschen, die kreativ wirken wollen. Die in den Metropolen der Welt unterwegs sind, dabei twittern, bloggen, bei Facebook und Myspace angemeldet, für meinVZ und Stayfriends aber zu cool sind. Eben für Leute, die jugendlich/jung/junggeblieben sind. Für sie bist du unverzichtbar.

Aber hast du es nicht langsam satt, für 50 Millionen Menschen Statussymbol zu sein? Willst du nicht manchmal auf der Couch liegen und nichts tun? Einfach mal abschalten?

Oder hast du dann Angst, ersetzt zu werden? Durch begabtere, leistungsstärkere, schönere Apfelprodukte? Das wird sowieso passieren. Aber sei nicht traurig: Wir werden dich in Erinnerung behalten.

Bis später vielleicht.
Aluni

Kommentare

Bild von redqueen

Nur mal vorne weg: ich weiß

Nur mal vorne weg: ich weiß ja nicht, welche Jeans du trägst, aber mein iPhone passt wunderbar in meine Hosentasche - ganz ohne sie so fett auszubeulen wie meine vorherigen Handys ;)

Aber ich versteh, was du meinst. Ich hab das iPhone früher auch für unnötige Spielerei gehalten, die nur zu viel Geld kostet. Allerdings wurde ich eines besseren belehrt. Die Möglichkeit so mobil Online zu sein, Emails zu checken, twitter zu aktualisieren oder einfach die neusten Beiträge auf Spiesser zu lesen ;) ich kann und möchte mir dieses "Handy" nicht mehr wegdenken - und "Handy" ist hier auch das richtige Stichwort. Ein iPhone ist kein Handy und wer nur ein Handy sucht, braucht auch dieses Apple Produkt nicht - oder irgendein anderes Smartphone. 

Ps: dieser Beitrag wurde auch auf meinem iPhone unterwegs verfasst :D

Bild von Aluni

Also ich finde

es ganz schön nicht ständig in der Versuchung zu sein, E-Mails zu lesen usw. Ich hab bei mir selbst beobachtet und kenne es auch von meinen Freuden, dass man mit der Zeit richtig nervös wird, wenn man mal einen Tag lang keine Nachrichten bekommt. Für dieses Phänomen, bezogen auf SMS, gibt's auch nen Namen.
Mittlerweile genieße ich es, beim Busfahren einfach nur aus dem Fenster zu schauen. Und wenn mir doch mal arg langweilig ist, dann... spiel ich Tetris. Aufm Handy.

Bild von sjoe

bin voll dieser Meinung

vielleicht als Ergänzung:
Den Spiegelartikel
"Ich bin dann mal off
Über die Kunst des Müßiggangs im digitalen Zeitalter" Heft 29/2010
lesen wer die Möglichkeit hat

Bild von KönICH

wo steht der?

genau, im inet. und wer jetzt abwechslung im lesen dieses artikels sucht, braucht eben entsprechende funktionen.

ach ja, ich find das motorola flipout viel cooler. ist auch neuer. und hat ne tastatur. da weis man was man hat im gegesatz zu so nem drück-bildschirm.

Bild von Paula I.

mh.

... schon wieder so ein Früherwarallesbesser-/ Ichhabdasnichtnötig-/ SchlimmwiedieKulturverkommt- Text.
Nett.

Aber! Ich mag Bücher auch dolle und ich möchte ebenfalls nur zu Hause online sein, sonst würde ich durchdrehen. Aber so bin eben nur ich. Und manche ticken halt anders. Es hat definitiv Vorteile und ich find die Idee des Allesineinem echt dufte. Müsste eben nur aufpassen, dass ich dem nicht zu sehr verfalle. Oder so.

Bild von Robatt

Die Paula hat's raus. :)

Das war nämlich auch mein Gedanke. Wieder so ein "Du-bist-doof"-Text. Grob zurückgeschaut, waren die letzten "Briefe an" alle "dagegen" ... ist die Jugend denn echt so negativ eingestellt? So Pessimistisch?
Warum schreibt keiner einen Brief ans Leben und lobt es, wie toll es doch ist? Versteh ich nicht.

Zum Text: geschrieben ist der natürlich toll. Schönes Bild, das da im Kopf gezeichnet wird.

Ich brauch auch kein iPhone. Aber ablehnen würde ich es auch nicht.

Bild von Holm Kräusche

So kenne ich meinen Robatt

So kenne ich meinen Robatt :)
Immer nörgeln und quengeln, aber selbst nicht besser machen *lach*
Schreib doch n Brief ans Leben! Ich würd mich freuen^^

Bild von Robatt

Ich nörgle nicht,

ich übe Kritik, die ich ja auch immer selbst erwarte.
Denn ohne Kritik gibt es keine Verbesserung.

Selbst nicht besser machen? Ich hoffe der Christoph schafft es heute noch meinen Woodstockartikel auf die Startseite zu schieben. Mehr Liebe, positive Energie und Freude in einem Text ist schon fast unmöglich. ;)

Ich soll einen Brief ans Leben schreiben?
Nun gut.
Wenn ich Zeit habe, dann setz ich mich mal hin und mache das.
Versprochen. Für dich Holm.

Bild von Vanessa.

Ich find iPhones ja schon fürchterlich praktisch.

Wie oft ich schon unterwegs war und dachte "jetzt ein iPhone!". Als ich mich auf einem Kate Nash Konzert zum Beispiel fragte was "cunt" bedeutet. Hm... :D
Wer's nicht braucht, der solls halt nich kaufen. Ich fänd, dass es für mich eine gute Sache wäre. Gar nicht um immer und überall online zu sein. Aber es ist doch praktisch ständig soeinen Alleskönner dabei zu haben.

Bild von denkMal

Gut getroffen!

Du hast es echt gut getroffen mit deinen Beobachtungen.
Ich seh´s genauso.

Vor allem was die eigentliche Zielgruppe oder wohl eher Gruppe mit der stärksten Kaufkraft angeht: Der Abschnitt über die kreativen Mittdreißiger oder Karrieremenschen, die kreativ sein wollen, trifft´s sehr gut.

Ist wirklich schön, wenn jemand auch mal was kritisch sieht.
Bin zufrieden ohne iPhone und selbst wenn ich das Geld hätte, ich würd´s nicht kaufen. Bin da irgendwie old-school.
Und all die anderen, die hibbelig und kribbelig werden, wenn keine "messages" eingetroffen sind oder man nicht chatten oder twittern oder wasweißichnicht kann, die haben wohl irgendwie verlernt, um was es geht im Leben. Es gibt da nämlich auch noch ein "real life". (Ohne jedem iPhone-Besitzer das unterstellen zu wollen, es gibt sicher auch andere).

Internet ist super, aber das Ganze wird immer abgefahrener. Schön, wenn jemand noch ein bisschen bodenständiger bleibt und nicht jeden Trend mitmacht.

Gruß
denkMal

Offline
Beigetreten: 26.04.2009
Punkte: 4752054

Anzeige

Anzeige

Socialvernetzwerkungsdings

Anzeige

Anzeige