Medien im Ausland: Das bewegt Norwegen
Die Tagesschau und die BILD – typisch Deutsch? Nein, beides findet sich auch in Norwegen. Ob Kristin trotz Sprachbarriere verstanden hat, was in der Welt passiert?
„Dong – Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“
Das Internet macht es möglich, dass ich auch aus weiter Ferne immer darüber auf dem Laufenden bleiben kann, was in der deutschen Heimat alles passiert. Dabei ist mir aufgefallen, dass eigentlich die Hälfte der Nachrichten gar nicht Deutschland, sondern das internationale Geschehen betreffen. Ist es nun die Freilassung von Aung San Suu Kyi in Myanmar, die Schuldenkrise in Irland oder die Regierungsumbildung in Frankreich. Wie ist das, wenn man am nördlichsten Rand Europas wohnt, in einem Land, das kein EU-Mitglied ist, mit mehr Meer als Nachbarländer um sich herum?
Dagsrevyen – die norwegische Tagesschau
Auch in Norwegen gibt es so etwas wie die Tagesschau. Nennt sich hier nur Dagsrevyen, kommt schon 19 statt 20 Uhr und dauert eine geschlagene Dreiviertelstunde! Und auch Dagsrevyen kann man im Internet schauen, also hab ich mal einen neugierigen Blick gewagt. Verstanden hab ich mit meinem Anfängernorwegisch nichts. Das war aber auch nicht nötig, um herauszufinden, dass Thema Nummer Eins auch in Norwegen die Freilassung von Aung San Suu Kyi ist. Alles Weitere benötigt dann schon mehr mühselige Übersetzung, weil es wirklich nur noch um norwegische Themen ging: Pelztiergewerbe, Demonstrationen in Oslo, Familienpolitik, mehr Geld für die Altersvorsorge und am Ende jede Menge Sport. Nicht verwunderlich – Ich verweise auf meinen letzten Blogeintrag.
Norwegische Tageszeitungen
Gut, wenn das mit dem verstehenden Hören nicht so klappt, dachte ich, versuche ich es mal mit einer Tageszeitung. Norwegisch lesen und verstehen ist sehr viel leichter. Gesagt, getan — einen Zeitungsstand gibts in jedem Supermarkt und schon stehe ich vor überdimensionalen Titelbildern mit reißerischen und dramatischen Überschriften („Ein neuer Mann für mich!“, „Frau tot im Bach gefunden“). Auch wenn ich sie nicht alle verstehe, vermittelt mir die Aufmachung der Zeitungen einen Eindruck: Die norwegische Variante der Bild-Zeitung. Keine einzige ist unter ihnen, die etwas seriöser wirkt. Aus Angst sie in der Mehrzahl der Zeitungen vermutlich wirklich zu finden, suche ich lieber nicht nach der leichtbekleideten Dame auf Seite 1.
Eine Auswahl norwegischer Tageszeitungen.Erfolglose Kommunikationsversuche
Am Einfachsten ist es wohl, mal mit einem waschechten Norweger darüber zu reden, wie er die Welt so sieht, und dabei denke ich an meine Mitbewohnerin im Studentenwohnheim. Bis auf ein paar wenige einheimische Studenten in meinen Vorlesungen und meiner Norwegischlehrerin, ist sie die einzige Norwegerin in meinem Leben. Und das mitten in Norwegen! Als Erasmus-Student lebt man doch unter seinesgleichen, aber das ist ein anderes Thema.
Vorherige Artikel von Kristin und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Katharina in Mexiko, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.
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Jedenfalls stehe ich da gleich vor dem nächsten Problem, denn zu meiner Mitbewohnerin finde ich einfach nicht so den Draht. Sie ist nett, keine Frage – hat keine nervtötenden Angewohnheiten und hält sich an den Putzplan (meist sogar besser als ich mich). Aber meine Versuche, sie in ein Gespräch zu verwickeln, musste ich alle aufgeben, denn nach vielen Jas, Neins und Ein-Satz-Antworten wusste ich bald auch nicht mehr, was ich noch sagen sollte.
Norweger – die vermutlich schüchternsten Mitbewohner der Welt
Nachdem ich schon an mir selbst zweifelte, hab ich mir Expertenrat von meinem Buddy Laura und ihrer Mitbewohnerin geholt. Beide haben schon WG-Erfahrung mit Norwegern und versicherten mir, dass das völlig normal sei und sie hätten beide schon dasselbe erlebt. Norweger seien in der Hinsicht etwas schüchtern und wortkarg, aber wenn man einmal was mit ihnen gemeinsam unternommen habe, würde sich das schlagartig ändern und – zack – hat man einen neuen besten Freund. In der Hoffnung, dass die beiden Recht behalten, werde ich also mal fragen, ob wir nächstes Wochenende zusammen kochen wollen. Drückt mir die Daumen!
Text und Fotos: Kristin Hirte
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Kommentare
Elch auf Sauerkraut?
Also ich drück' dir die Daumen für den gemeinsamen Kochabend!
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