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Nix verpassen
Das grüne und das schwarze Gesicht Malaysia
oder mit welchen Problemen Südostasiens Tiger wirklich straucheln und Europaer aufhoeren sollten mit dem nackten Finger auf andere zu zeigen.

Aufstehen, die Wasservorraete des Koerpers wieder auffüllen und Duschen. So und nicht anders startet man den Tag nach einer schwülen Nacht in Kuala Lumpur, der Haupstadt von Malaysia – "truly Asia" wie der Jingle titelt. Das Frühstueck ist zwar nicht im Hostelpreis mitinbegriffen, dafür gibt es aber viel zu viele Möglichkeiten ausserhalb: Indische Standwagen, Chinesische Strassenrestaurants und etliche kleine Shops und Läden, die mit kuriosen Leckereien glänzen. Und meistens kein Schwein, weil der Grossteil muslimisch ist. Die Chinesischen Restaurants werben deshalb ganz besonders damit, wenn sie das Fleisch der rosa Ferkel anbieten. Heute steht aber nicht die Haute cuisine auf dem Programm, sondern etwas viel Spezielleres: Die lokale Umweltorganisation CETDEM und Anthony Tan, mit dem ich mich schon vorher in Verbindung gesetzt hatte. Besonders urbane Themen, wie Wasserversorgung, Transport und ein öklogischeres Leben in der Stadt stehen auf der Tagesordnung.
Ganz verwundert allerdings bin ich, als ich nach Zugfahrt und Taxi vor einem verschlossen Tor und einem kleinen Haus mit Sträuchern im Vorgarten stehe. Ich rufe Anthony auf seinem Handy and und unmgehend er öffnet mir das Tor. Viel zu früh sei ich dran, denn eine Studentin aus Italien, die sich bei ihrem Master mit Energiefragen in Asien beschäftigt, sitzt ihm, ihn mit Fragen löchernd gegenueber. "Malaysia wird bis 2014 wahrscheinlich das Öl ausgehen. Weswegen Petronas schon über 50% ihrer Geschäfte ins Ausland verlegt haben. Gas haben wir aber noch!", lässt er sie mitschreiben. Und so zeigt es auch ein T-shirt an der Wand hinter ihm: Lieber den Gaskocher als den elektrischen Wasserkocher benutzen. Ich bin ein bisschen verdutzt: "Bei uns sagt man immer, nimm den Wasserkocher, weil der verbraucht weniger Energie?". Nun, in Malaysia sei es aber so, dass die Energie aus Kohle, Öl oder Gas erzeugt wird. Daher wird durch die Verbrennung der Brennstoffe Wasser erhitzt und zum Dampfen gerbacht. Der fächert Turbinen an, die dann wiederum Generatoren antreiben und dann Strom erzeugen. Folglich ist der Effizienzgrad sehr gering. Man erreicht also mehr, wenn man das Gas selbst zum Erhitzen des Wasserkessles benutzt. Die Pläne in Malaysia bis 2020 Atomkraftwerke zu errichten hat man nach der Katastrophe in Japan wieder ganz schnell unter den Tisch gekehrt. Deswegen suchen sie auch nach Lösungen und Möglichkeiten, Leute zum Energiesparen anzuregen. Beispielsweise das Haus kühl halten. Überall in Kuala Lumpur sind etliche Klimaanlagen und Ventilatoren im Einsatz. Wieso aber nicht einfach mal die Fenster und Vorhänge zu machen, wenn die Sonne vom Himmel brennt und im Vorgarten Bäume als natürliche Schatten- und Kühlspender pflanzen? Das muss man den Leuten erst einmal klar machen. Beiehungsweise sie wieder an diese Traditionen erinnern.

Und dann ist da noch das Wasserproblem. Die am meisten industrialisierten Staaten Kuala Lumpur und Selangor, werden eigentlich schon als Industrienationen anerkannt. Malaysia selbst bleibt aber Schwellenland. Denn an der Ostküste, wo strahlend weisse Straende die perfekte Kulisse für Hollywoodromanzen bieten, leben auch die ärmsten Menschen in Malaysia. “Wir haben zwar mindestens 200 Tage Regen im Jahr, aber der Verbauch ist in den letzten Jahren enorm gestiegen!”, meint Anthony. Die Pläne das Wasser nun aus den wasserreichen und nicht so stark entwickelten Gebieten zu extrahieren, sind so kühn wie, eine Pipeline ins Landesinnere, das noch unberührtere Malaysia zu bauen.

"Malaysia is one of the richest Countries in the world. We have Oil, Gold, timber, … . But the government is fucking corrupt. Every state its own "demoratic" monarchy," meinte dazu ein älterer Herr auf dem chinesischen Friedhof in Malacca, dem groessten ausserhalb Chinas. Das einzige worum es ihnen ging sei das Geld und Projekte, die solches bringen. Das sei ihre Art der Zukunftsvorsorge. Und dabei zeigt er auf einen leer stehenden Gebäude komplex, beschuldigt die Spekulationen und sinnlosigkeit vieler Projekte, die Mensch und Natur weitaus mehr Schaden als Nutzen zufügen würden. Ich musste ihm zumindest in soweit zustimmen: Die Strände in Mallaca sind vollgemüllt und vollgeschlammt, sodass der Traum, vom an Strand liegen und Baden ins Wasser fallen musste und ich nur ein Lächeln von den Einheimischen bekam: “Baden in Malacca? Wie kommst du denn auf sowas? Das war mal!”

Dabei ist es so einfach mit dem nackten Finger auf diese Leute zu zeigen. John, den ich auf Tioman als Vater des Juara Turtle Projects kennengelernt habe, hat das so ausgedrückt: "Actually they are just more honest. You Europeans waste much more and you throw it in the bin without knowing where it goes to!" Wisst ihr, wo euer Müll landet? Ob er recycled oder für Energie verbrannt wird? Ebenso wird das das Müllproblem vor unserer Haustür in der Ostsee kaum wahrgenommen. Und natürlich will man die anderen Länder vor unseren eigenen Fehlern während der Industrialisierung bewahren. Aber als Fremder und Neunmalkulger in eine fremde Gegen zu kommen und die gute Nachricht zu verbreiten, hat noch nie reibungslos funktioniert. Und sie selbst haben dazu auch das Recht. Aber zu Erwarten, dass mit dem beliebten Schlagwort "Ecotourismn" das problem mit finanziellen und sozialen Verbesserungen einhergeht, bleibt Utopie. John fasst das so zusammen: "Hier auf Tioman wurden die Leute während des 2.Weltkrieges angesiedelt, ihnen fehlt also, wie vielerorts heute in Malaysia, diese traditionelle, auch religiöse Verbundenheit zur Natur. Die Sprache des Geldes verstehen sie allerdings. Schliesslich will ja jeder seine Lebenssituation verbessern. Seit hier Straßen gebaut wurden und Roller und Autos eingeschifft wurden, leiden die ersten an Diabetes und Fettleibigkeit. Und da die Straßen nicht vermerkt sind, kann jeder ohne Führerschein fahren. Es geht also allen besser. Also es ist zumindest bequemer. Aber wer sieht heute schon, dass es einem deswegen morgen schlechter geht?"

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