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Das grüne und das schwarze Gesicht Malaysias (2)
oder mit welchen Problemen Südostasiens Tiger wirklich straucheln und wir Europäer Hilfe zur Selbsthilfe leisten können.
Große Torflandschaften sind wirtschaftlich unggenutzte Flächen, die deswegen oftmals trockengelegt und für Ackerbau und Plantagen genutzt werden. In Weiten Teilen Südostasiens kommt es deswegen zu Waldbränden und der Freisetzung von Unmengen an CO2. Denn die Torflandschaften sind ebenfalls die grössten Speicher des gefährlichen Treibhausgases. Lösungsansätze für diese Problematikfindet man im Sektor Jalan SS2/72. Ja, Kuala Lumpur City ist zwar überschaubar, aber irgendwo müssen 1,6 Millionen Menschen auch leben. Und da gehen Stadtplaner dann schon mal die Namen aus und eine abstrakte Numeralsystematik muss dafür herhalten. Sehr unesthetisch gegenüber all unseren Goethe-, Schiller- und Mozartstraßen, könnte man meinen. “Das Land hat keine Kultur. Hier findest du nirgends altehrwürdige Gemäuer oder Kirchen wie in Europa. Alles was du hier siehst wurde im letzten Jahrhundert gebaut. Und das sind dann schon die ältesten Gebäude,” meint Norman, der als Gebürtiger Bamberger in Kuala Lumpur seinen Master ablegt. Des Weiteren scheinen ihm alle seine malayischen Kommolitonen zuzustimmen, wenn er Organisatorisches in der Uni anzukreiden hat, aber keiner stellt sich mit ihm in die Phalanx. Kulturelle Unterschiede und Missverständnisse vorprogrammiert.
In jenem Jalan SS2/72., genauer gesagt im Global Environment Centre ist auch Balu Perumal mit diesem Problem gut vertraut. Seine Bemühungen sind vor allem in Indonesien, weil dort ein Großteil von Asiens Torflandschaften liegt. Daher muss er die Leute dort koordinieren und einstimmen. Für viele andere Projekte braucht er aber dringend Freiwillige, die einfach nur grundlegende Dinge herausfinden muessten, um andere Projekte ins Rollen zu bringen. Meistens geht es dabei um das Leben in Dörfern in etwas abgelegeneren Gebieten. Und zu denen haben Nichteinheimische gerade wegen der kulturellen Unterschiede mehr Bezug, wenn sie sich den Gemeinden mit Respekt und Interesse begegnen.
Es geht wirklich um banal Dinge, möchte man meinen. Zur Integration in das Internetzeitalter hatte die Regierung sich ein Patentrezept ausgedacht. Wir investieren Geld in Bildung und schicken diese “Leute vom Land” in die Stadt zu Computerkursen. Zurück im Dorf sollten sie so Anschluss finden und die lokale Wirtschaft stärken und, Wohlstand und Lebensstandart steigern. Allerdings sahen die meisten, laut Herrn Perumal, diese Fortbildung eher als Kurzurlaub, von dem sie dann in eine hardware- oder softwarefreie Zone bzw. ohne Geschaeftsideen wieder in ihren alten Rhythmus zurückfanden.

“Es geht darum herauszufinden, wie diese Menschen leben, wie ihr Alltag aussieht und wie sie mit neuen Dingen umgehen. Damit muss man einfache eine Zeit lang mit ihnen leben, um die Dorfstrukturen und Organisationsformen, Bräuche und Gewohnheiten kennen zu lernen. Erst dann macht es Sinn, über infrastrukturelle Projekte und der gleichen nachzudenken.”
Wie Anthony Tan sieht auch er das Problem teilweise im Bildungssystem und dem Schwarz-weiss denken, das dort gelehrt würde. Dem ist auch Norman begegnet ist: “In der Schule gibt es entweder richtig oder falsch. Wenn man dann einen Malayen nach seiner Meinung fragt, kommt so mancher leicht ins Straucheln.” Dem vorgezeichneten Karriereweg zu folgen scheint deswegen am Sinnvollsten. Aber da gibt es ja auch viele Fälle in Europa, wo Karriere über alles andere gestellt wird. Von den Westlern hat man hier aber einen äusserst positiven Eindruck, wie Antohny Tan meint: “Die Europaer und Amerikaner haben diese Wertvorstellung, dass sie ein Jahr im Ausland mit Work und Travel, anderen Kulturen oder Freiwilligenarbeit verbringen wollen. Das fehlt uns hier noch”
Ein ausserst positives Beispiel, das auch vom GEC unterstuetzt wurde, ist die Arbeit des Holländers Antony van der Ent in den Cameron Highlands. Hier blühen eine Vielzahl von Orchideen. Zahlreiche unentdeckte oder nicht regional gelistete Arten kann man bei einer Wanderung entecken. Ein riesen Durcheinander für einen Laien. Fuer van der Ent war das auch eine Möglichkeit seinen Master zu beenden und er verbrachte uber drei Jahre mit diesem Projekt. Das ist wahres Commitment. Und am Ende steht die erste Version eines Buches über diese seltenen Gewächse: Durch den Verkauf des REACH Orchid Book werden wiederum neue Spenden für die Organisation REACH gesammelt.

Man muss aber gar nicht so spezialisiert sein, um Etwas zu bewegen. In den Cameron Highlands zum Beispiel kann jeder, ob Fotograf, Techniker, Computerchecker, Biologe, Ornitologe, Entwicklungshelfer oder was auch immer mitanpacken. Das heißt man muss natürlich nicht darin ausgebildet sein. Mitzubringen sind Zeit und Engagement. Zu letzt wird an vielen Orten einfach Englischunterricht benötigt und Englischlehrer händeringend gesucht. Denn die Jugend spricht nicht gerade das flüssigste Englisch (Kann ja in Deutschland auch nicht jeder). Ganz verwundert war ich deshalb als ich eines morgens ins Taxi stieg und einen perfekt englisch sprechenden Taxifahrer neben mir hatte. Nicht die üblichen Floskeln wie “Where ya froam...?” und der Gleichen sondern ein äußerst interessantes Gespräch über Land, Politik und Leute stand uns bevor. Da war ich dann doch neugierig, woher seine Sprachgewandtheit herkam. Er sei im letzten Jahrgang gewesen, als Englisch noch Pflichtfach in der Grundschule war und noch nicht als Besatztersprache angesehen wurde. Es tue ihm sehr Leid, dass deswegen manche Malayen kein Wort Englisch sprechen würden. “Ich spreche ja auch nur ein paar Worte Bahasa Malayu”, entgegnete ich. Wir lachten beide und ich erkannte wie schnell sich Dinge von Generation zu Generation ändern können. Ich fasste das auf meinem Weg nach Borneo als positiv auf. Dass man vielleicht wirklich mehr bewegen kann, als man denkt.
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