Rentner-Kompetenz-Team: Rentner-Zen-trum
Das Rentner-Kompetenz-Team möchte bei „Fist of Zen“ am liebsten selber mitmischen.
Das Rentner-Kompetenz-Team möchte bei „Fist of Zen“ am liebsten selber mitmischen.
Von wegen Senioren haben keine Ahnung von moderner Technik! Im Wohnzimmer von Martin und Ilse bedeckt ein überdimensionaler Flachbildfernseher die halbe Wand. Ilse scheint sich auch mit dem Programm bestens auszukennen.
Ilse, 85
"Ich will das mal an meinem Martin ausprobieren."
Ilse: Die nackten Frauen heutzutage, das muss nicht sein. Das ist nicht sehr interessant.
Wie schaut’s denn mit den eigenen Lieblingssendungen aus?
Georg: Meine Frau und ich sehen gern was mit Natur. Ich mag auch alles, was mit Geschichte zu tun hat. Da macht meine Frau aber meistens gleich wieder aus.
Der Ärmste! Jetzt geht‘s trotzdem los: Die Warnung, die gezeigten Übungen nicht nachzumachen, flimmert über den Schirm. Dann stürzt man in die erste Prüfung.
Ilse: Bäh, das ist ja wie im Dschungel.
„Fist Of Zen“ funktioniert so: Fünf Freunde müssen zehn schmerzhafte Prüfungen bestehen. Pro durchgehaltener Aufgabe bekommen sie 100 britische Pfund. Bedingung: Die Kandidaten dürfen keinen Mucks von sich geben – kein Schreien, kein Lachen. Auf dem Bildschirm wird einem der Teilnehmer ein durchsichtiger Kasten über den Kopf gestülpt, darunter vergammeltes Fleisch oder stinkender Fisch.
Inge, 70
"Das ist nichts für unsere Enkelin."
Ilse: Jetzt auch noch stinkende Windeln!
Georg: Ganz schön hart.
Martin: Der ist mein Held.
Ritual Nummer zwei: Doppelter Brustwarzensauger. Der Prüfling entledigt sich seines T-Shirts. Seine Mitstreiter halten ihm zwei Staubsaugerdüsen an die Brustwarzen. Autsch!
Georg: Auf was für Einfälle die Menschen kommen... Wenn die das ‘ne Stunde machen, wird der noch schwanger.
Wenn man sich mal überlegt, dass die Enkel unserer Senioren ungefähr in dem selben Alter sind... Ilse Unsere Enkel würden da bestimmt
mitmachen. Aber wir haben nur Mädchen. Wie geht das denn dann?
Georg, 74
"Das ist absolut gesellschaftsfähig."
Inge: Unsere Linda nicht. Auf keinen Fall!
Zwei knallrote Brustwarzen später kommt das „Elektrische Baby“, das stromdurchflutet im Arm gehalten werden will. Doch diese Prüfung ist zu fies. Der Kandidat wirft es fluchend weg.
Georg: Man kann doch kein Baby wegschmeißen! Allgemein wären das aber schon geeignete Ferienspiele, wenn die Kinder ins Ferienlager fahren.
Wie bitte? Als ob wir da mit elektrischen Kleinkindern hantieren würden! Georg setzt sogar noch einen drauf.
Georg: Das ist doch was für die nächste Familienfeier. Mittlerweile ist Kandidat Will bereits zum vierten Mal mit Prüfung dran. Er wird mit Taucherflossen verkloppt.
Georg: (lacht) Man kann da noch mitgehen. Das ist absolut gesellschaftstauglich.
Martin: Da liegt der ganze Sinn des Lebens drin.
Martin, 88
"Wir mussten damals mit der Nagelschere Gras schneiden."
Richtig schockiert scheinen unsere Vier nicht zu sein. Oder doch?
Inge: Wenn Jugendliche das sehen, die ein bisschen radikal sind, dann kann das schon auf die falsche Fährte führen.
Georg: Es steht ja extra da: „Nicht nachmachen!“
Inge: Gerade dann ist es ja nachahmenswert.
Martin: Ich frag‘ mich, wozu das überhaupt nützlich ist.
Ilse: Bei den Soldaten, da müssen sie ja auch solche Sachen machen.
Martin: Aber bei den Soldaten müssen die doch keine Windeln riechen!
Ilse: Na, woher weißt du bitte, was die Soldaten heute alles machen müssen?
Martin: Wenn ich überlege, was wir damals so machen mussten... Mit Nagelscheren Gras schneiden und so.
Und die Herrschaften, selber mal ausprobieren?
Georg: Ich würde da nicht mitmachen!
Ilse: Du bist ja auch kein Jugendlicher mehr. Man sieht‘s an deinem Haar.
Georg: Entscheidend ist ja, dass die Sendung inspirierend für Jugendliche ist. Und sie zeigt, dass man im Leben auch mal körperliche Härte zeigen muss.
Weise Worte. Ilse schmiedet derweil eifrig Zukunftspläne.
Ilse: Ob wir den Sender bei uns auch reinkriegen? Ich will das mal an meinem Martin ausprobieren. Nach 65 Jahren Ehe...
Fleißig wird in der Fernsehzeitung nach MTV geforscht.
Georg: So was gab‘s ja früher auch schon: Mutproben. Wir mussten durch dunkle Höhlen klettern oder von einer bestimmten Höhe aus springen.
Na dann – vielleicht sehen wir die beiden irgendwann auf MTV eklige Mutproben ablegen und gegen den Zen-Meister kämpfen.
Text: Nadja Krüger, 15 Fotos: Frank Grätz
@rkt
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