SPIESSER Beschäftigungstherapie

Der Bachelor of Faith

SPIESSER-Autorin Deborah berichtet von einer etwas anderen Art des Poetry-Slam, die Geschichten, Geselligkeit und Glaube miteinander verbindet: Bei „Church goes Pub“ zeigen jungen Christen, dass Glauben weder langweilig noch trocken sein muss.

17. July 2014 - 14:28
SPIESSER-Autorin debi schmiedet.
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debi schmiedet Offline
Beigetreten: 09.11.2012

Von draußen brennt die Sonne durch die Glasfront auf das obere Stockwerk eines Cafés in Magdeburg. 120 junge Menschen sitzen dort, nippen an ihren Getränken und blicken gebannt in eine Richtung. „Macht euch auf die langweiligste Story ever gefasst“, beginnt Jan, der vorne auf einem Barhocker sitzt, seine Geschichte zu erzählen. „Ich habe keine Drogen genommen, bin nicht der Punkszene verfallen oder war krank, als ich Gott gesucht habe. Ich habe nicht aus einer Not heraus zum Glauben gefunden.“

„Church goes Pub"

Glaubensfragen und gute Stimmung

Es ist Sonntagabend, 19 Uhr, als in Magdeburg „Church goes Pub“ (CgP) stattfindet. Bei CgP wird in gemütlicher Atmosphäre in einem Café oder einer Kneipe eine Lebensgeschichte erzählt, die etwas mit Gott zu tun hat. Danach können mit Freunden und bei Live-Musik Fragen gestellt oder diskutiert werden. „Ich bin gerne hier wegen der Stimmung und der Musik. Ich bin katholisch aufgewachsen und war früher oft in der Kirche. Das war total langweilig. Hier sind die Geschichten interessant und lebensnah. Ich will verstehen, warum sich Menschen dem Glauben zuwenden, wo sich doch auch so viele von ihm abwenden“, sagt Anna, die nicht zum ersten Mal bei CgP ist.

2012 haben sich zehn Studierende in Magdeburg für CgP zusammengeschlossen. Sie kommen aus unterschiedlichen Gemeinden und Freikirchen, haben aber eine Sache gemeinsam: Ihre Leidenschaft für ihren Glauben. Sie wünschten sich einen Ort, wo sie mit ihren Kommilitonen unverkrampft darüber reden konnten. Die Idee von CgP war geboren und inzwischen gibt es „Church goes Pub“ auch schon an vier weiteren Orten in Deutschland.

Glaube finden und fiese Fragen stellen

Jans Abend ist die 14. CgP-Veranstaltung in Magdeburg. Auch ich gehöre zum Veranstaltungsteam und manchmal fragen einen die Leute: „Komisch, ihr seid so jung und euch geht es gut. Warum beschäftigt ihr euch so viel mit Religion? Warum braucht ihr das?“ Diese Frage hat sich Jan vor zwei Jahren auch gestellt und tatsächlich eine Antwort darauf gefunden.


Glaube live erfahren statt nur dicke Bücher zu lesen.

Der damals 24-Jährige fand Christen schon immer langweilig, glaubte ans Schicksal und betete höchstens Notgebete. Bis er vor zwei Jahren während seines Bachelors of Arts einem Mädchen begegnete, die an Dinge wie Sündenvergebung, ewiges Leben und an eine persönliche Beziehung mit Gott glaubte. Jan mochte und schätzte dieses Mädchen und darum wollte er diesen Glauben prüfen. Er begann in der Bibel zu lesen, Gottesdienste zu besuchen und Christen fiese Fragen zu stellen. Nie hätte er geglaubt, dass Glaube auch logisch sein kann und trotzdem wurde ihm bewusst, dass es keine Wissenschaft ist, denn Glaube glaubt und Wissenschaft weiß. Jan musste sich überwinden zu beten, aber er wollte Gott erfahren, so wie Christen immer davon erzählten. „Was ich dann erlebt habe ist schwer zu beschreiben, aber es war ungefähr so: Ich wurde unglaublich dankbar, weil ich plötzlich wusste, woher alles kam. Ich vertraute in meine Zukunft und erkannte auf einmal, was bedingungslose Liebe bedeutet und dass es sie bei Gott gibt.“

Es hallt lange nach

Jan wollte diese Erkenntnis jetzt mit anderen teilen, so wie es die Idee des CgP-Teams ist. „Ich möchte euch nichts einreden oder aufdrängen. Es ist jedem selbst überlassen, sich zu entscheiden. Aber ich möchte, dass ihr euch wenigstens einmal gründlich mit diesem Thema auseinandersetzt und traut euch mal zu beten!“

Ann hat sich Jans Geschichte auch angehört. Sie ist sich nicht sicher, ob es Gott gibt, aber das Thema hat sie bewegt: „Ich gehe jetzt nicht sofort heim und bete. Aber nach dieser Geschichte möchte ich mich jetzt gerne mehr mit diesem Thema auseinandersetzen.

Am Ende des Abends spielt die Band ein selbstgeschriebenes Lied: „Figure out“ – Liebe verstehen. Gerade im Studium versuchen viele junge Leute, so viel wie möglich zu verstehen. Warum nicht einmal den Bachelor of Faith machen?

Text: Deborah Schmieg
Fotos: Pascal Funk, Lukas Moselewski
, Flickr-User 76Winger (CC BY-SA 2.0)

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