Der kompromisslose Wasserkocher

 
16.02.2012 - 16:56
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Im Erstsemesterblog berichtet Julia von ihrem neuen Leben als Studentin. Diese Woche: Ich gehe auf WG-Suche.

Kopf leer. Uni leer. Stadt leer. Wenn hier keine böse Verschwörungstheorie im Gange ist, bleibt nur eine Möglichkeit: es sind Semesterferien. Genau genommen haben Studenten keine Ferien. In der vorlesungsfreien Zeit sollen sie Prüfungen und Hausarbeiten schreiben. Da sich meine Prüfungen alle auf einen Haufen in den letzten beiden Wochen der Vorlesungszeit getürmt haben, freue ich mich über meinen Erstsemesterwelpenschutz, der mir zwei Monate Freizeit beschert.


Der Stress ist vorbei, jetzt bloß keine
Langeweile aufkommen lassen!

Damit die große Leere in meinem Semesterplaner aber keine noch größerere Langeweile produziert, mache ich mich auf die Suche nach einem kreativen Ausgleich – der WG-Suche. Nachdem ich mir ein halbes Jahr mit meiner 34-jährigen Mitbewohnerin und ihrer zweijährigen Tochter Bad, Kühlschrank und Klingelschild geteilt habe, fühle ich mich gefestigt genug, es nun mit dem zünftigen Stereotyp eines Studenten aufnehmen zu können. Schließlich weiß ich dank umfangreicher Milieustudien mit diesem Typ umzugehen und verbringe ohnehin die meiste Zeit fernab der heimischen Küche.

Tausche volle Windeln gegen leere Kühlschränke

Kühlschrankfachaufteilung und gemeinsames Klopapier, Kochabende und Partypflicht – all diese Eigenheiten studentischer Wohngemeinschaften sind mir lange bekannt, Neulich stand ich in einer WG. Das ist erstmal nicht verwunderlich in Anbetracht der Tatsache, dass ich eventuell dort meine Teesammlung bunkern möchte. Nach einer kurzen Vorstellung „Mein Zimmer – sein Zimmer (sie zeigt auf den Mitbewohner) – Bad – dein Zimmer“, kommt Michaela zum Clue des Zusammenlebens: „Jeden Mittwoch ist bei uns Tag der offenen WG. Da muss jeder mitmachen.“ Und Tschüss, durchgefallen, ich stehe nicht auf Partypflicht.


Grundausstatung einer WG: vorhanden

Zugegeben, „neulich“ war vor vier Monaten, diente aber zu Beweiszwecken, denn ich habe gelernt. Nur wer gut vorbereitet zu einem Casting geht, kann Erfolg haben. Idealerweise wirkt man genau so anziehend auf potenzielle Mitbewohner, dass diese zwar beruhigt den Kühlschrank, aber nicht ihr Bett teilen wollen. Pluspunkte bringt außerdem der Besitz von Waschmaschinen, Mikrowellen und Co. Ich habe einen Wasserkocher. Mein Wasserkocher ist super, er macht blaues Licht, wenn man ihn einschaltet. Ich nenne ihn liebevoll den Disco-Wasserkocher.

Ich ziehe nun mit Werbeplakaten meines Lieblingselektrogeräts durch Halles WGs, nicke artig, wenn es um Putzpläne und Kochabende geht und hoffe auf einen Konsens zwischen meinen Heimeligkeitsbedürfnissen und einem hohen Grad an Sexiness, der künftige Mitbewohner dazu veranlasst, mir ein „Bitte zieh bei uns ein!“ ins Ohr zu brüllen. Der Wasserkocher und ich würden uns freuen, bald wieder ein Bild unseres leeren Kühlschrankfachs ans Klingelschild kleben zu können.


Nächste Woche gibt es hier wieder mehr von Gustav und dem Abenteuer Abi...

Text: Julia Weise, Fotos: Michaela Zimmermann, Victor Höller jugendfotos.de

Kommentare

Bild von HyateRedet

Schön geschrieben...

MAL WIEDER :)

Bild von grünstern

Haha, der "Disco-Wasserkocher" !

Wie geil :D
Sehr schön geschrieben... ich muss immernoch über den Wasserkocher lachen ;)

Bild von holzschwein

oh ja, ich auch :-D

oh ja, ich auch :-D

Bild von miinchen

eben ;)

wer würde den nicht in seiner wohnung haben wollen :D !?

Bild von KönICH

bild bitte

kannst du ein nettes bild von dem wasserkocher auf ner disko machen? wär bestimmt lustig....

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