Die Container-Bar: Müll lohnt sich
Containern – gefährlich oder eine gute Sache? Lisa macht für uns den Test. Lest, was sie auf ihrer Tour erlebt hat und was es mit der „Container-Bar“ auf sich hat...
„Containern ist an sich keine große Sache. Ich weiß gar nicht, worüber du da schreiben willst. Man geht zu den Mülltonnen hinter einem Supermarkt, holt sich raus, was man haben will und verschwindet wieder. Das ist alles.“, hat mir der gemütliche Punker-Hippie Wani letzte Woche gesagt. Trotzdem habe ich mich mit ihm verabredet, um zu sehen, ob es nicht doch aufregend ist. Dabei erlebte ich die erste Überraschung: In meiner Vorstellung ziehen die Mülltaucher immer nachts los. Ich treffe mich jedoch um zwölf Uhr mittags mit Wani. „Sonst sieht man doch gar nichts!“, begründet er.
Kopfüber im Müll, Foto: Lisa HoffmannWas die Mülltaucher immer wieder betonen, ist, dass es ihnen nicht nur um kostenloses Essen geht. Aus Interviews und Berichten ist bekannt, dass die Container-Leute protestieren, gegen die westliche Verschwendungssucht, die Unsinnigkeiten des Warenkreislaufes, Vermüllung, das kapitalistische System überhaupt.
Jeden Tag ein bisschen besser (REWE)
Das Besondere an den Leuten rund um Wani ist, dass sie nicht für sich selbst containern, sondern betreiben eine „Container-Bar“. Gegen eine geringe Spende darf sich jeder so viel Container-Gut mitnehmen, wie er mag. Ein ganzer Raum steht dann voller Nahrungsmittel. Und so haben auch Menschen, die körperlich nicht in der Lage sind zu containern oder deren Ding es einfach nicht ist, Zugang dazu. Inmitten des Raumes steht sogar ein kleiner Junge mit einem Einkaufskorb. Die Containerbar sieht aus wie eine Mischung aus selbstgebautem kleinen Club und Spätshop. In der Ecke steht ein Kickertisch, Leute sitzen und unterhalten sich. Ein großer Teil des Essens ist schon mitgenommen worden, als ich eintreffe. Aber auch der Rest sieht nicht unbedingt schlecht oder vergammelt aus: Von Rhabarber und Salat, über Nudeln und Joghurt bis zu Brotaufstrichen und Trinkflaschen ist alles vorhanden. Bei vielem kann ich nicht verstehen, warum es vom Supermarkt weggeworfen wurde, manches ist noch nicht einmal abgelaufen. Fünf Tage überfälligen, braunen Salat, wie ich ihn in einer Kiste finde, würde ich aber wohl auch nicht mehr verkaufen.
Gutes kann so billig sein (Kaufland)
Eine Woche später sitze ich mit Wani und einem Mensch namens „Pommes“ in einem alten, rostigen VW-Transporter, bei dem fraglich ist, ob er noch eine TÜV-Zulassung hat. Wani erklärt mir, dass einfach zu viel weggeworfen werde: „Oft reicht es schon, wenn bei noch nicht abgelaufener Ware die Verpackung ein wenig verschmutzt ist oder neue Ware eingetroffen und im Lager kein Platz ist.“ Dass das stimmt, erfahre ich gleich beim ersten Halt. Ich staune, als ich eine komplette Tonne voller Lebensmittel sehe. Meine Begleiter fangen emsig an, die vielen Joghurtbecher, Brotaufstriche, Möhren und was nicht noch alles herauszufischen.
Wani ist ganz verzückt von Tofu-Würstchen und fängt gleich an, zu essen. „Ich ernähre mich sehr gesund, meist nur vegan. Deshalb gehe ich seit ein paar Jahren auch wieder einkaufen, denn alles findet man im Container nicht. Aber früher habe ich jahrelang gelebt, ohne mir Lebensmittel zu kaufen“, erzählt er. Tatsächlich bekomme ich beim Anblick des vor mir aufgetürmten Essens auch ein bisschen Hunger. Der vergeht allerdings wieder, als ich mir die nächste Tonne ansehe, aus der vergammeltes Gemüse mächtig stinkt. Nun weiß ich auch, warum die Container-Bar in den warmen Sommermonaten eine Pause einlegt.
Lidl lohnt sich (Lidl)
„Lidl lohnt sich nicht“, kommentiert Wani beim Blick in eine leere Tonne. Denn enttäuschend ist die Ausbeute der nächsten Stationen . Die Container sind leer oder wir werden von frustrierten Angestellten vertrieben. „Sucht euch Arbeit“, wirft uns eine Verkäuferin an den Kopf. Ruhige Erklärungsversuche schlagen fehl. „Ich rufe gleich die Polizei!“, ruft die Frau noch. „Da kann man nichts machen. Das letzte Mal hat sie uns Obst hinterher geschmissen!“, erzählt Pommes. „Viele machen das Containergut auch extra kaputt, schütten Milch oder Waschpulver darüber“. Unterwegs zeigen die beiden immer wieder auf Märkte und meinen, dort hätte es früher auch etwas zu holen gegeben. Heute sind die Mülleimer hinter Schloss und Riegel.
Nach drei Stunden ist es aber doch vollbracht, der Bus ächtzt unter dem Gewicht von Nahrungsmitteln. „Manchmal ist es wie Weihnachten!“, freut sich Pommes. Die Containerbar kann wieder öffnen.
Mehr Bilder von Lisas Containerreportage gibt es auf youpodia.de
;)
Interessant die Sache mal aus der Sicht zu lesen!
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Ich würd das auch so gerne
Ich würd das auch so gerne mal ausprobieren... Ich find's total interessant und verständlich, aber ich glaube mein Ekel, es aus einer Mülltonne zu holen könnte zu groß sein. Aber ich kann's gut nachvollziehen. Super Aktion mit'm super Artikel!
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toller artikel
beim anblick der vollen mülltonnen schnürt sich mir aber der magen zu. nicht weil das essen schlecht ist. sonder weil solche mengen an GUTEM essen weggeschmissen werden. mein vater arbeitet in der hotelgestronomie und muss immer mit ansehen wie stundenlang mit liebe zubereitetes essen weggeschmissen wird, wenn z.b. nicht alle gäste kommen die sich zu einem kongress angemeldet haben.
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Mit tut es ind er Seele weh...
... wenn ich sehe, wie noch gutes Essen weggeschmissen wrid. Und dass die meisten Menschen Vorurteile haben ist auch unberechtigt. Letzte Ferien war ich mit meiner Familie All-inclusiv-Urlaub - was die alles weggeschmissen wird, weil der Sohn staat einem Eis sich ein Eis und noch ein zweites und ein drittes holen musste. Wir sind es nicht mehr gewöhnt uns Gedanken über die Herkunft udn Zukunft unserer Lebensmittel zu machen. Genauso wie über die Menschen in den Industrieländern die nichts zu essen haben.
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Mit tut es ind er Seele weh...
... wenn ich sehe, wie noch gutes Essen weggeschmissen wrid. Und dass die meisten Menschen Vorurteile haben ist auch unberechtigt. Letzte Ferien war ich mit meiner Familie All-inclusiv-Urlaub - was die alles weggeschmissen wird, weil der Sohn staat einem Eis sich ein Eis und noch ein zweites und ein drittes holen musste. Wir sind es nicht mehr gewöhnt uns Gedanken über die Herkunft udn Zukunft unserer Lebensmittel zu machen. Genauso wie über die Menschen in den Industrieländern die nichts zu essen haben.
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find ich gut
Ich finde das eine sehr gute idee..
ich könte mir sogar vorstellen das auch zu machen, wenn ich nicht mehr zuhause wohnen würde..
Bei uns gibt es jedoch nur geschäfte, die mit der tafel zusammenarbeiten.. das bedeutet soviel wie: nichts zu holen...
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