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"Die erste CD sollte man im Kinderzimmer aufnehmen"
Teufel spielt bei Corvus Corax Dudelsack und Schalmei. Die Band wird dieses Jahr 20, die Schalmei ungefähr 600. Zeit zum Rückblick auf ersten musikalischen Gehversuche.
Anne und Claudia haben den Musiker für SPIESSER.de über seinen Musikunterricht ausgefragt.
Wie war denn dein Musikunterricht?
Der war deutsch und demokratisch (lacht). Wir haben noch Arbeiterkampflieder gelernt und russische Partisanenlieder.
Habt ihr auch Noten lesen und schreiben gelernt?
Wir haben im Musikunterricht gar nicht so viel Theorie gelernt. Das Thema Noten haben wir angeschnitten, aber richtig gelernt hat man das auf der Musikschule. Da waren auch alle Bandmitglieder. Aber unsere Eltern wollten eigentlich gar nicht, dass wir Musik machen. Sie sagten: „Geh arbeiten, so wie wir, und schlag dir diese Flausen aus dem Kopf.“
Teufel und Anne. Foto: Claudia Flach
Und seit wann interessierst du dich für die historischen Instrumente?
Das kam erst nach der Schule. Ich hab mit Kollegen Straßenmusik gemacht, obwohl das verboten war. Wenn die Spielleute im Mittelalter so rumgezogen sind, dachten wir, schaffen wir das heute auch. Und es hat irgendwie funktioniert.
Also alles Eigeninitiative?
Du konntest dich damals auch nicht einfach auf 'ne Bühne stellen. Du musstest regelmäßig vor eine Einstufungskomission. Die schaute, ob irgendwas politisch verwerfliches in deinen Texten drin ist. Wenn du da durch warst, durfte deine Band als Amateurmusiker für insgesamt dreißig Mark irgendwo spielen. Das war meist die erste Gage, mehr gab's nicht. Dann konnte man sich bis zum Profi steigern. Aber dann kam schon die Wende.
Und welche Instrumente kannst du spielen?
Dudelsack, ein bisschen Gitarre und Klavier. Wenn du Dudelsack spielst, kannst du auch Flöte spielen, Schalmei oder Drehleier.
Hast du schon mal selbst ein Instrument gebaut?
Dafür ist bei uns Wim zuständig. Der war in England auf der Instrumentenbauschule, das ist natürlich ein großer Vorteil, gerade bei historischen Instrumenten. Instrumente selbst zu bauen ist aber auch so ein bisschen aus der Not heraus entstanden, früher konnte man ja nicht einfach Dudelsäcke kaufen. In der ganzen DDR gab's zwei Dudelsackbauer. Da hatte man die Nase voll von der ewigen Warterei und dann klingt's nicht mal so, wie man das will.
Welches Werk aus der Musikgeschichte sollte man denn kennen?
Bach, Beethoven, Brahms, die sollte man schon behandelt haben, aber Musik darf man nie nur in eine Richtung hören. Da gibt's überall großartige Sachen.
Kannst du nachvollziehen, dass Anne sich nicht für klassische Musik interessiert?
Na klar. Mit 18 hab ich mich auch nicht hingesetzt und Wagner gehört. Viel zu anstrengend. In dem Alter will man Texte haben die man versteht, einen Refrain zum Mitsingen und -tanzen.
Wir hören im Unterricht Rock und Metal. Wir mussten sogar in der Leistungskontrolle rappen.
Das kenne ich von meinem Sohn, der ist jetzt 14. Der musste in der Schule den Zauberlehrling rappen. Zum Üben hat er sich zu Hause mit seinem Kumpel und dem Rekorder hingesetzt. Das ist doch cool.

Teufel und Bandkollege Ardor Foto: PR
Wir wissen alle, dass Raubkopien sowohl den Plattenfirmen als auch den Bands schaden. Habt ihr trotzdem welche?
Wir doch nicht, wie kommst du darauf? - Doch klar, macht doch jeder. Es ist ja auch nur verboten, das illegal aus dem Internet zu ziehen. Unsere CDs werden ja auch geklaut. Da können wir uns drüber aufregen oder wir lassen es bleiben. Ich glaube, das wird sich sowieso ändern. Die Leute gehen zu Konzerten, und die CDs sind nur noch Werbung. Dafür werden auch die CDs nicht mehr so teuer produziert wie vor zehn Jahren. Damals hat ein Tag im Studio 5.000 Mark gekostet, heute kannst du die komplette CD am Laptop produzieren.
Wie habt ihr das ganz am Anfang gemacht?
Wir haben uns mit dem Kassettendeck hingesetzt und gedoppelt. Die Cover mussten wir ausschneiden, und wenn 20 Kassetten fertig waren, sind wir losgezogen, um sie zu verkaufen. Später waren wir bei einem Majorlabel, aber dann haben wir unsere eigene Plattenfirma gegründet.
Ihr seid also eurer eigener Chef. Ist ja sicherlich sehr entspannend.
Ja klar. Bei den Großen wird einem ja viel reingeredet. Es sei denn man gehört zu den Bands, die es sich aufgrund ihrer Status leisten können, eine Plattenfirma abzulehnen. Helge Schneider hat zum Beispiel die EMI verarscht. Damals war er mit „Katzenklo“ sehr erfolgreich. Die EMI legte ihm einen Vertrag vor, Helge sagte: „Ihr putzt mein Auto und ich unterschreibe den Vertrag.“ Da sind die Plattenbosse runter und haben das Auto saubergemacht. Das war so ein alter amerikanischer Siebziger-Jahre-Wagen, mit Moos drin. Den hatte Helge vom Schrottplatz geholt.
Aber um die jungen Bands reißen sich die Plattenfirmen ja nicht gerade...
Ich würde jeder jungen Band raten, ein eigenes Label aufzumachen, ein bisschen Beratung ranzuholen, und viele Infos findet man auch im Internet. Heute kann man soviel selber machen. Wenn man im Kinderzimmer die erste Platte aufnimmt, kommt man am besten weg.
Und wie fand Anne das Konzert "Cantus Buranus"? Hier steht's.
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