Die jährliche Schlammorgie am Chiemsee
Superticket-Gewinner Niklas war für SPIESSER.de beim Chiemsee Reggae Summer und stellte fest: Gummistiefel sind auch dieses Jahr das wichtigste Utensil.
Der Start ins Reggae-Wochenende
Vergangene Woche startete das jährliche Camping-Vergnügen in eine neue Runde. Wer nicht im Besitz eines Supertickets war und sich schon am Mittwoch seinen Platz auf dem Campinggelände sicherte, musste früh anreisen, um beim Einlass um 12:00 noch einen guten Platz für sich zu erobern. Anmerkung: Ich hatte ein Superticket!
Die Anreise gestaltete sich dieses Jahr leider als nicht ganz so chillig. Die Shuttlebusse, die einen immer vom Bahnhof zum Festival brachten, fielen dieses Jahr wegen Umbauarbeiten am Bahnhof Übersee flach. Sehr ärgerlich, denn der Fußmarsch ist mit dem ganzen Proviant nicht ohne. Doch das Wetter spielte vorerst mit und lud nach erfolgreichem Domizil-Aufbau direkt zum ausgiebigen Baden in der Tiroler Arche, zum Grillen und Musikhören auf dem Grillplatz oder einfach zum Schlendern über die vielen Stände ein.
Am späten Abend trat dann Gentleman als erster Headliner auf und auch in der Zeltbühne ging es gewohnt „heiss“ zur Sache. Bis in die frühen Morgenstunden konnten sich die Ausdauernden unter den Festivalbesuchern bei Shantel tänzerisch verausgaben. Bis 4 Uhr konnte man dort auch mal feine Zigeunermugge á la „Disko Partizani“ genießen.
Und auch zu so später Stunde hallten noch die gewohnten „Helga“-Rufe über den Platz. Wer eine allzu große Phobie vor Lärm und Müll hat, an den haben die Veranstalter dieses Jahr ganz besonders gedacht. Mit dem neuen Konzept „Grüner Wohnen“ wurde den Besuchern ein extra Zeltplatz geboten, auf dem Ruhe und Harmonie groß geschrieben wurde. Zutritt gabs nur gegen Anmeldung und so konnte sich jeder Gast sicher sein, einen angenehmen Aufenthalt zu genießen.
Augen auf beim Schlammlauf!
Die kleinen Freuden des Lebens
Doch auch gegen die Kälte gab es für die fündigen Chiemsee-Besucher ein Hilfsmittel: ein Haufen voll frischen Rindenmulch. Der eigentlich zur Wegbefestigung gedachte Haufen entwickelte eine ungeheure Wärme, und zwar durch mir nicht näher bekannte biologische Vorgänge. Und so sammelte sich immer eine Hand voll Wärmebedürftiger auf dem dampfenden Haufen und grinste den vorbeimarschierenden Leuten einladend zu.
Als musikalische Leckerbissen und Publikumsmagnet traten dann am späten Abend Fettes Brot auf. Selten habe ich das Festivalgelände so gut gefüllt erleben dürfen. Von der Bühne bis zu den kulinarischen Buden reihte sich die Menschenmenge ein, um den Hamburger Jungs zu lauschen. Am Samstagabend war dann schon ein leichter Hauch von Aufbruchsstimmung zu spüren. Die Ersten zogen mit vollgepackten Rucksäcken und matschigen Zeltbahnen von dannen. Ob die Absage des umstrittenen Sizzla-Auftritts für Sonntag oder eher der Dauerregen schuld daran war?
Abschied mit einem lachendem Auge
Doch die Geduldigen wurden belohnt. Schon am nächsten Tag, dem letzten Festivaltag, erbarmte sich das Wetter noch mal. Die letzten Sonnenstrahlen versüßten einem den Morgen. Und ein großes Dankeschön geht an der Stelle auch an die vielen mobilen Kaffeeverkäufer auf dem Platz, die sich durch den zähen Schlammbatz kämpften, um uns Besucher mit einem frischen koffeeinhaltigen Getränk zu begrüßen. Hier ist der Kunde noch König! Die letzte Dosenmahlzeit wurde nun verzehrt, das letzte warme Dosenbier genossen und ein letztes Mal zum Festivalgelände gepilgert, um die letzten Acts des Festivals zu erleben. Und egal, ob man den ganzen Schlamm nun ertragen konnte oder nicht, vielen werden die Musik, die Stimmung und die Leute einfach fehlen. So trifft man sich dann im nächsten Jahr, wenn der Chiemsee wieder ruft.

Text und Fotos: Niklas Werner
Noch mehr Chiemsee Reggae Summer
Auch Tilman und Laura waren auf dem CRS: Lest hier von Lauras Blick auf die Jugendkultur Reggae und von Tilmans Erlebnis mit dem Dubstep-Duo Kernobst. SPIESSER.de war auf anderen Festivals unterwegs: Alle Beiträge findet ihr auf der Festival-Übersichtsseite.
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