Ein feuchtfröhliches Willkommensprogramm

 
25.08.2010 - 14:36
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Kristin hat ihre erste Bergen-Woche mit Bienen und Supermännern in Kneipen verbracht. Und das nennen die Norweger dann Vorspiel.

„Grüppe tu, grüppe tu, grüppe tu!“ Singend laufe ich durch die Innenstadt von Bergen, ohne wirklich zu wissen, wie man „Gruppe zwei“ auf norwegisch ausspricht. Vor, hinter und neben mir sind weitere Erasmus-Studenten und Erstsemester, die Chemie oder Umweltwissenschaften studieren, und natürlich die Mentoren unserer Gruppe. Lautstark machen wir der Gruppe auf der anderen Straßenseite klar, dass wir die beste Gruppe, die Gewinnergruppe sind.

Die beste Verkleidung zählt
Kristin in NorwegenDie Sonne scheint in Bergen.

Denn es ist „Fadderveke“ – Mentorwoche oder Patenwoche, wenn man es genau übersetzt. Es ist Tradition in allen Fakultäten, dass neue Studenten auf diese Art willkommen geheißen werden und ihnen das Universitätsleben näher gebracht wird. Es werden kleine Gruppen gebildet, meistens nach Studienrichtungen, und ältere Studenten übernehmen die Rolle der Mentoren. Jeden Tag steht ein anderes Programm auf dem Plan.

Darunter ein Besuch ausgewählter Plätze in Bergen, mit anderen Worten: eine Tour, die uns von Kneipe zu Kneipe führt. In jeder wartet eine neue Aufgabe auf uns. Es muss eine Lobrede auf die Veranstalter gehalten werden. Beim Flaschendrehen muss jemand so schnell wie möglich einen BH besorgen und – schwupps – hält er auch schon einen in der Hand. Ich mache mit, als es darum geht, zwei Kekse zu essen, danach ein Lied zu singen und dann einen Ballon so weit aufzupusten, bis er platzt. Um die Bestzeit zu erreichen, wird auch schon mal zum ein oder anderen Trick gegriffen und klammheimlich ein Teelicht unter den Ballon geschoben.

Denn es ist auch ein Wettkampf zwischen den Gruppen. Jede Aufgabe bringt Punkte und auch die beste Verkleidung wird bewertet. Ich laufe ja nicht umsonst als Blume verkleidet durch Bergen. Auch die anderen Mädchen der Gruppe sind Blumen und die Jungs sind in ihren schwarzen Klamotten und den gelben Klebeband-Streifen wirklich überzeugende Bienen. Die anderen Gruppen begegnen uns als Schlümpfe, als Supermänner und -frauen sowie mit Outfits, die von der letzten Bad-Taste-Party zu stammen scheinen.

Vorspiel? – Nicht das, was ihr denkt!

Jeden Abend steht eine Party in einem anderen Lokal an. Mir wird das bei einer so vollgepackten Woche etwas zu viel. Den Norwegern scheinbar nicht. Aufgrund der hohen Alkoholpreise hat sich hier eine ganz eigene Trinkkultur entwickelt. Jeden Abend gehts in den Supermarkt zum Bierkaufen (aber pünktlich muss man sein, denn nach 20 Uhr wird kein Alkohol mehr verkauft) und von dort in irgendeine Studenten-WG zum „vorspiel“ oder „forspill“. Dann gehts auf zur Party. Man könnte meinen, die Norweger würden dort auf den noch teureren Alkohol verzichten, aber weit gefehlt: Vielmehr tanzen, hüpfen, rennen sie damit zur Tanzfläche, um es einige Minuten später dort fallen zu lassen oder in die Menge zu schütten. Meiner Meinung nach ein sehr teurer Volkssport.

Kein Regen in Bergen

Am nächsten Tag steht ein Wanderausflug an, der uns auf einen der sieben Berge um Bergen führt: auf den Løvstakken. Der beschwerliche Weg lohnt sich bei der Aussicht von oben allemal. Zudem zeigt sich uns Bergen ganz anders als erwartet. Statt Dauerregen genießen wir in der ersten Woche Sonne pur und wo immer man in der Stadt ein Stück Wiese findet, kann man sicher sein, dass jemand sonnend darauf liegt. Die ganze Stadt ist auf den Beinen, denn lange wird das gute Wetter sicher nicht anhalten.

Auf Bergen in Bergen.In Bergen auf Bergen: der Løvstakken.
Weltenbummelei auf SPIESSER.de
Vorherige Artikel von Kristin und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Katharina in Mexiko, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.

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Im Mentorprogramm folgen eine Schnitzeljagd und weitere Sportwettkämpfe. Ich gebe zu, dass ich bei letzteren meine Gruppe nicht mit Herz und Seele unterstützt habe. Gilt es als Ausrede, dass ich meine Sportschuhe in Deutschland vergessen hab? Samstag ist dann die große Abschlussparty der Mentorwoche in der Mensa der Fakultät. Punkt Mitternacht wird die Siegergruppe verkündet, aber da ich bis dahin noch niemanden aus meiner Gruppe gesehen hab, denke ich, dass sie sich genausowenig Siegchancen erhoffen wie ich. Letztendlich gewinnen die Mathematiker und ein bisschen neidisch bin ich ja schon, dass sie jetzt mit der ganzen Gruppe einen Ausflug nach Dänemark machen dürfen.

Die Registrierung für die Registrierung

Neben der ganzen Feierei darf aber nicht das offizielle Einführungsprogramm vergessen werden. Das hätte fatale Folgen, denn obwohl wir so viele Informationen bekommen haben, dass sie meinen Kopf zum Überlaufen gebracht haben, habe ich doch geschafft am Ende der Woche offiziell Studentin der Uni Bergen zu sein. Das ist gar nicht so einfach, da man sich hier für alles im Internet anmelden muss (und das ohne Internetzugang im Wohnheim, denn den bekommt man erst, wenn man sich nach der Online-Registrierung nochmal irgendwo registriert). Jetzt muss ich nur noch meine Studenten-Karte abholen, damit ich auch im Fakultätsgebäude auf Toilette gehen kann (Kein Witz – da kommt man nur mit Karte rein!)

Beim nächsten Mal beginnt dann aber das Studium – ihr hört von mir!

Text und Fotos: Kristin Hirte

Beigetreten: 17.07.2010
Punkte: 396002

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