Südafrika: Ein Traum wird wahr
Der Streik in Südafrika ist vorbei und Claudia kann sich jetzt in aller Ruhe ihrem — nicht weniger aufregenden — Alltag widmen.
07.00 - 07.30 Uhr
Jeden Montag bis Freitag reißt mich mein Wecker aus meinen Träumen. Kein Problem: Ein realer Traum darf weiter gelebt werden. Nach dem Frühstück machen mein Mitbewohner Simon und ich uns auf den Weg in die Schule, die gerade mal 200 Meter von unserem Haus entfernt ist.
Kaum betreten wir das Schulgelände, hat jeder von uns auch schon mindestens zwei Kinder im Arm und ein fröhliches Lächeln auf den Lippen. Und eine der ersten Fragen, die man hört, ist: „Me, skills today?“ Was es damit auf sich hat? Dazu komme ich später.
Nervenaufreibend mit sofortiger Seelentherapie
07.45 - 10.30 Uhr
Bevor der Unterricht beginnt, halten wir noch einen kurzen Plausch mit den Lehrerinnen im Lehrerzimmer. In der Zeit wird in den Klassen gebetet, gesungen und Englisch gelesen. Dann beginnen die Schulstunden. In ihnen setzen wir uns zu einzelnen Kindern. Wir helfen ihnen bei den zu erledigenden Aufgaben und versuchen zu erklären, was sie nicht verstanden haben. Das macht teilweise sehr viel Spaß.

Es kann allerdings auch sehr nervenaufreibend sein, wenn Kinder aus der vierten Klasse nach zehn unterschiedlichen Erklärungsversuchen immer noch nicht darauf kommen, dass 70 - 1 = 69 ist. Aber dann atme ich tief durch und denke daran, wie geduldig mein Papa und mein Bruder früher waren, wenn sie versucht haben, mir Mathe beizubringen. Ich gebe mir einen Ruck, gehe mit ihnen zur nächsten Aufgabe. „What is 69 - 1?“ „60.“ Ich atme zweimal tief durch und freue mich auf die Musikstunde. Die ist nämlich Balsam für meine Seele. Spätestens wenn die Kinder anfangen, ihre Zulu-Lieder zu singen, ist der Frust aus der Mathestunde Vergangenheit und mir geht das Herz auf.
10.30 - 13.00 Uhr
Erstmal eine halbe Stunde Pause. In dieser Zeit kann ich entweder an einen Computer im Lehrerzimmer gehen, um meine E-Mails zu lesen oder ich trinke mit den Lehrerinnen einen Tee. Von elf bis ein Uhr ist entweder nochmal Unterricht oder Simon und ich helfen abwechselnd bei der Physiotherapie mit.
Nicht einfach, aber schön
16.00 - 18.00 Uhr
Nach der Mittagspause geht es mit neuer Energie und Lust wieder in die Schule. Der Teil der Arbeit beginnt, der der Schule am meisten bedeutet: Die Nachmittagsgestaltung. Etwa 130 Schüler gehen auf die Harding Special School. Fast alle wohnen dort. Für diese 130 Kinder und Jugendlichen ist nachmittags niemand da, außer uns zwei Freiwilligen und den Hausmüttern. Sie haben allerdings genug in den Boys- und Girlshostels zu tun.

Die Kids freuen sich riesig, dass nachmittags jemand da ist, der sich für sie Zeit nimmt, der mit ihnen spielt oder ihnen einfach mal zuhört. Hier kommt der oben genannte „Skills Room“ ins Spiel. Der Skills Room ist ein Raum, in dem es viele verschiedene Bastelmaterialien, Puzzles, Spiele, einen Tischkicker, und andere tolle Sachen gibt. Und auf diesen Raum fahren die Kids wie wahnsinnig ab. Deshalb ist meistens einer von uns beiden mit einer kleinen Gruppe Kinder im Skills Room – alle anderen sind dann erst mal böse, weil sie nicht rein durften.
Der andere ist mit dem Rest draußen und spielt beispielsweise Rollstuhlbasketball oder Fußball oder setzt sich zu den Kindern und redet mit ihnen.
Wir haben meistens unheimlich viel Spaß mit den Kindern, vor allem an den Nachmittagen.
Lächeln auf allen Gesichtern
Vorherige Artikel von Claudia und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Kristin in Norwegen, Katharina in Mexiko und Maria in Estland, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.
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Ich hatte damals in meinen Bewerbungsfragebogen geschrieben, dass mein Ziel ist, möglichst vielen Kindern ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Damals hätte ich niemals gedacht, dass die Kinder mich ebenfalls so unglaublich oft zum Lachen bringen werden. Natürlich ist es eine unmögliche Aufgabe, jeden Nachmittag 130 Kindern gerecht zu werden. Damit muss ich mich aber abfinden. Ich muss akzeptieren, dass es mehr Sinn macht, sich jeden Tag intensiv um ein paar Kinder zu kümmern, als sehr oberflächlich um möglichst alle. Dann macht die Arbeit sowohl uns als auch den Kindern definitiv mehr Spaß.
Text & Bilder: Claudia Bergmann
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