SPIESSER Beschäftigungstherapie

Erstsemester-Blog: Unikratie, geplante Verspätung, keine Feier

Ersti sein ist gar nicht so einfach, hat Claudia inzwischen festgestellt. Vor allem frühmorgens.

22. October 2010 - 09:50
von SPIESSER-Autorin Aluni.
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Aluni Offline
Beigetreten: 26.04.2009

Manchmal ist Uni genau wie Schule. 7.30 Uhr geht’s los, das heißt um sechs aufstehen, aus dem Bett quälen, in den Mantel einmummeln, während es draußen noch dunkel ist, in der Straßenbahn sitzen. Diese Vorlesung gehört zum Pflichtprogramm. Mit den Erstis kann mans ja machen. Und wer zu spät kommt, muss auf dem Fensterbrett sitzen. Aber selbst wer zeitig kommt, sitzt nicht unbedingt an einem Tisch. Jeder Dritte schreibt auf den Knien mit. Sogar die Tür steht offen, damit alle zuhören können. Ob sie von da hinten allerdings wirklich was verstehen – keine Ahnung. Mittwochmorgens muss man sich nicht alles merken.

Lost in Dresden

Letztes Jahr hat SPIESSER-Autorin Lisa in Dresden angefangen zu studieren. Ihren Blog über die Irrungen und Wirrungen des ersten Semester in Produktdesign könnt ihr nachlesen.

Die Dozentin redet wie meine ehemalige Mathelehrerin. Aber die hätte nicht gesagt, dass wir unseren eurozentristischen Standpunkt verlassen müssen.

Und dann gehe ich doch nicht zur Immatrikulationsfeier. Denn gleichzeitig ist das Seminar zu dieser Vorlesung. Sie könne, sagt die Dozentin, uns nicht verbieten zur Immatrikulation zu gehen, aber es wäre schön wenn wir es nicht täten. Na toll. Ich fühle mich willkommen.

Mit Oma und Opa im Hörsaal

In der Vorlesung „Ethnografie des Nahen und Mittleren Ostens“ sitzen zwei Herren jenseits der 60 hinter mir. Während wir auf den Professor warten, unterhalten sie sich über eine anstehende Beerdigung. Bis Vorlesungsbeginn finden 21 Senioren den Weg in den Hörsaal. Damit stellen sie ein Fünftel aller Anwesenden. Aber im Gegensatz zu uns sind sie freiwillig hier.

Um fünf nach ist vom Dozenten immer noch nichts zu sehen. Offensichtlich habe ich es zum ersten Mal mit dem akademischen Viertel zu tun, also einer geplanten Verspätung von 15 Minuten. Auch wenn im Vorlesungsverzeichnis nichts von „cum tempore“ steht. Die meisten sind mit Block und Stift bewaffnet, aber der Typ neben mir packt iPad und Netbook aus. Und spielt erst mal ne Runde Sudoku.

Zwanzig nach – immer noch nichts. Dafür gehen einige wieder.

Tafeldienst!

Nach 25 Minuten betritt der Prof mit Aktentasche unterm Arm den Hörsaal. Gullygerüche seien schuld an seiner Verspätung, er habe sich an der Wand entlangtasten müssen, um nicht vom Weg abzukommen. Sein Büro liegt offenbar ungünstig.

Die Tafel ist noch mit kryptischem, aber sicher völlig logischem mathematischen Kreidegekritzel übersät. Einer muss sich erbarmen. Der Prof wird keinen Schwamm in die Hand nehmen.

Wir verbringen über eine Viertelstunde damit, Listen auszufüllen. Anmeldung zur Prüfung, Kernfach oder Wahlbereich, Anwesenheit. Das machen wir in fast jeder Veranstaltung. Hat schon jemand das Wort Unikratie erfunden?

Immerhin: Von diesen anderthalb Stunden habe ich dreieinhalb Seiten Mitschrift. Wenn das so weiter geht, soll bitte nie Sommer werden. Denn im Juli wird der Stoff des Winter- und Sommersemesters geprüft.

Claudia studiert Arabistik an der Uni Leipzig. Nächste Woche gibts mehr aus dem Leben eines Erstsemesters.

Letzte Woche hat sie erzählt, was alles ansteht, bevor man sich Student nennen darf.

Text: Claudia Flach
Teaserfoto: Sebastian Dorn, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • Aller zwei Wochen gibt's eine neue Folge. Momentan stapelt sich das Material, wahrscheinlich könnte ich auch noch bis zur Bachelorarbeit weiterschreiben ;)

  • Bin echt froh über deine Texte! Sind gut geschrieben und ich frage mich schon länger, wie Studium eigentlich genau abläuft... Google ist mir zu umständlich, also ist dein Blog genau das Richtige. Dankeschön!

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