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Ruhr 2010: Essen ist fertig

 
09.03.2010 - 14:33
Facebook:

Das Ruhrgebiet verzehrt sich nach Kultur. Dieses Jahr ist Essen neben Istanbul und Pécs europäische Kulturhauptstadt. Deshalb war SPIESSER.de-Autorin Tina im Pott unterwegs.

Ruhrpott-Impressionen

Tina war für SPIESSER.de im Ruhrgebiet unterwegs und hat sich angeschaut, was dort im Kulturhauptstadt-Jahr so los ist. Hier sind die Bilder dazu.

Nicht selten stoßen Ruhrpottler auf Mitleid, wenn sie verraten, wo sie herkommen. Grau soll es da sein. Und wie es erst stinkt. Im Zentrum des Industriegebiets hängt seit einigen Monaten eine große Leuchtschrift mit den bettelnden Worten „Essen für’s Ruhrgebiet“. Anstatt aber nach Almosen zu fragen, bewarb sich die Stadt Essen mit diesem Slogan um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2010. Und setzte sich im Rennen gegen 15 weitere deutsche Städte durch. Neben Essen dürfen sich das ungarische Pécs das türkische Istanbul Kulturhauptstadt Europas 2010 nennen.

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Grau, nebelig, stinkend – so stellen sich die meisten das Ruhrgebiet vor. Foto: Tina Gebler
Nicht allein die Stadt mit den tollen Wortspielmöglichkeiten soll dabei im Rampenlicht stehen, sondern der gesamte Pott mit seinen 53 Städten und 5,3 Millionen Einwohnern. Ein Jahr lang wollen sie zeigen, wie sich die einstige „Kohlenzeche“ zu einer Kulturmetropole entwickelt. „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“, schreibt sich „RUHR.2010“ aufs Programm und präsentiert rund 300 Projekte wie Ausstellungen, Fußballturniere oder auch Konzerte. 60 davon richten sich an Kinder und Jugendliche.

Industrie-Romantik

Die alte Industriekultur hat Charme. Während sich die Yuppies in Berlin-Mitte um alte Lofts prügeln, sehen wir auch im Ruhrgebiet nicht mehr nur grau. Zwar erinnern die meisten Bauten weniger an Schlösser, als viel eher an Schlosser und andere Stahlwerker. Aber vielen steht ihre Geschichte auf die Fassade geschrieben. Industrialisierung, Bauboom, die schlechten sozialen Bedingungen – als würde im nächsten Moment ein graumelierter Industriearbeiter vorbeiziehen und sich den Ruß vom Gesicht wischen. Außerdem bieten sie Platz. Viele der alten Bauten werden zu Veranstaltungshallen, Museen – oder sogar zum Weltkulturerbe. Wie die Anlage der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen, die damals als eine der modernsten Schachtanlagen der Bergbaugeschichte galt.

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Die Zeche Zollverein ist ein ehemaliges Steinkohlebergwerk und seit 2001 Weltkulturerbe. Foto: Tina Gebler

Keine Beschönigungen

„Ach, das sind doch alles nur kalte Klötze.“ Ein Vorurteil, dass auch den Bewohnern gern nachgesagt wird. Die dagegen nennen das lieber direkt. Ihren Absacker kaufen sie auch nicht im Spätkauf, sondern in der Trinkhalle. Nichts mit irgendwelchen Beschönigungen. Auch Liebeserklärungen werden hier nicht mehr mühevoll in die Bank geritzt, auf der man zusammengekommen ist. Nein, lieber gravieren Melanie und Johannes ihre Namen in ein Schloss und befestigen es auf der Aussichtsplattform des ehemaligen Gasometers in Oberhausen. Das ist wahre Industrie-Romantik. Und hält vermutlich sogar länger.

Es brummt zwischen Autofriedhof und Drogenumschlagplatz – Tinas Reportage über das Theaterprojekt „Next Generation“ und das Zukunftshaus Altendorf.