Essen, wo der Pfeffer wächst
Melanie isst sich durch die ghanaische Küche und kommt dabei ganz schön ins Schwitzen. Warum erfahrt ihr hier.
Wer glaubt, im äquatorialen Ghana seien heiße Sonnenstrahlen für Schweißperlen auf der Stirn verantwortlich, der kennt die zehn verschiedenen Pfeffersorten des Landes nicht. Die verstecken sich eimerweise in jedem Essen. Jedoch verdirbt viel Pfeffer nicht gleich den Brei. Denn seitdem sich Zunge, Magen und Darm erst einmal an die Extraportion Schärfe gewöhnt haben, kann ich gar nicht mehr die Finger davon lassen. Das geht auch gar nicht anders. In Ghana wird nämlich mit den Händen gegessen. Jedenfalls mit der rechten. Die linke Hand hat bei Tisch nichts zu suchen, weil – theoretisch – ganz andere Geschäfte mit links erledigt werden. Wenn die wüssten… Diese Hand ist es auch, die zufällig Dazustoßende mit einer winkenden Bewegung zum spontanen Mitessen einlädt. „Wa bu le“, sagen die Menschen in meinem Dorf, stellen einen Hocker bereit und halten mir ihre Schüssel entgegen. Das heißt soviel wie: „Setz dich und iss. Du bist eingeladen.“
Grün, grün, grün sind alle Orangen
Als ich in Ghana zum ersten Mal in ein Stück Papaya biss, fühlte ich mich wie damals mit sechseinhalb, als ich erfuhr, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Verarscht. All die „exotischen“ Früchte, die ich in Deutschland so gern aß, sind eine Lüge gegen die wahren Geschmackswunder von Ananas, Melone & Co.
Noch dazu sehen sie anders aus: Das gelbe Fruchtfleisch und die grüne Schale lassen fragen, wie die Orange zu ihrem Namen kam. Selbst grüne Bananen gibt es. Das sind dann allerdings Plantain – Kochbananen. Die schmecken gekocht wie Kartoffeln und frittiert wie Kartoffelpuffer.

Eine Pampe namens Fufu
Ich halte nicht viel davon, jedem Land sein Nationalgericht zuzuschreiben. Da allerdings fast jeder Straßen-Small-Talk einen augenzwinkernden Heiratsantrag und die Frage enthält, ob ich Fufu möge, glaube ich, dass schon ein gewisser Stolz mit dem wohl typischsten ghanaischen Essen verbunden ist.

Und in der Tat ist Fufu mehr als des Ghanaers Sauerkraut, das Gerüchten zufolge in den meisten deutschen Küchen brodelt. Oft genug ist das markante, rhythmische Pochen zu hören, das erklingt, wenn lange hölzerne Mörser gekochte Maniokwurzeln und Kochbananen zu Brei stampfen. Pampe, Paste, Kloß – die Konsistenz von Fufu ist so schwer zu beschreiben wie sein Geschmack. Der kommt im Übrigen erst dann zur Geltung, wenn Fufu mit einer der vielen leckeren Soßen und Suppen gegessen wird.
Zum Beispiel mit Palmkernsuppe. Ihre charakteristische Orangefärbung geben ihr die feuerroten Palmfrüchte, die gekocht, gestampft und dann wieder gekocht werden. Fufubereit ist die Palmkernsuppe allerdings erst, wenn Gemüse wie Tomaten und Zwiebeln und natürlich reichlich Pfeffer darin schwimmen. An besonderen Tagen darfs dann auch Fisch oder Fleisch sein.

Die Ghanaer trinken während des Essens selten. Davor und danach allerdings umso mehr. Der Pfeffer im Essen zeigt seine Wirkung. Jeder schwitzt vor sich hin, jeder füllt gleichzeitig Flüssigkeit nach. Die gibts in Form von purem, in Plastikbeuteln hygienisch abgepacktem Wasser oder in einem der zahlreichen Drinking Spots. Das sind gemütliche, holzverkleidete und fröhlich bunt gestrichene Bars, die neben den sechs in Ghana gebrauten Bieren auch Zuckerrohrschnaps und Palmwein anbieten.
Streetfood to go
Wenn Kaffee und Bockwurst „zum Mitnehmen“ verkauft werden, dann sind sie „to go“. Wie heißt es aber, wenn das Essen bereits vor dem Kauf durch die Straßen läuft? Streetfood. Mit einer beneidenswerten Grazie balancieren die Verkäuferinnen ihre Waren in Blechschüsseln, die so groß wie Autoreifen sind, auf ihren Köpfen. Drin befinden sich zum Beispiel Gurken, Karotten, Brot und Backwaren. Eine Frau bietet frittierte Yamswurzeln an. Das sind nichts anderes als Pommes. Eine andere schält hart gekochte Eier, spaltet sie mit dem Messer und streicht eine feurige Zwiebel-Chili-Paste darauf. Auf ihrer mobilen Küchentheke auf dem Kopf hat sie alles dabei. In der Schüssel eines Mannes liegen ovale, frische Kokosnüsse. Mit kräftigen, geübten Machetenhieben schlägt er ein Loch in die Nuss und fertig ist der Kokosdrink im Naturglas. Anschließend kann das glibberige weiße Fruchtfleisch mit einem Stück Kokosschale herausgeschabt werden.

Derweil lässt mir ein längst bekanntes Hupen schon das Wasser im Mund zusammenlaufen: Fahrradfahrer verkaufen Eis. Vanille, Schoko, Erdbeer und Mango – die Kühlbox am Lenker machts möglich. Dazu gibt es in Blätterteig gebackene Zwiebelfleischpastete. Erschreckende Kombination, die aber wider Erwarten verblüffend gut schmeckt. Essen auf Köpfen, Eis auf Rädern – in Ghana wird gegessen, was einem vor die Nase läuft. Food to go eben.
Teaserfoto: BirgitH / pixelio.de
Textfotos: privat
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Kommentare
Sweet Ghana oo
Ghana ye de!
Ghana ist heeeeerrlich! Genieße deine Zeit dort in vollen Zügen!
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