Frau Holle, ich hasse dich!
Ich hasse den Winter! Nicht auf diese charmante Weise, mit der kulleräugige Mädchen im Stepp-Parka fröstelnd die Schultern hochziehen und beinahe entschuldigend „Ich hasse den Winter...“ kichern. Nein, ich hasse ihn – blutrünstig, bösartig, abgrundtief.
Alles Gute, das ich tue, unterliegt prinzipiell der hinterhältigen Absicht, in den Himmel zu kommen, um Fräulein Holle dort lebenslang berufsunfähig zu machen. Sie hat es verdient!
Denn generell habe ich gar nichts gegen Schnee und Eis und Glätte. Aber dafür sehr viel gegen ungefragte Annäherungsversuche. Und alle Jahre wieder hetzt mir diese Frau t r o t z d e m besagte Wintersymptome auf den Hals, als wären sie ihr schwer vermittelbarer, jüngster Sohn.
Mit Pinguin auf glatten Pfaden
Mit Grauen erinnere ich mich an den vergangenen Winter: Ich wollte meinen Eltern einen Überraschungsbesuch abstatten – natürlich waren sie nicht da. Also befand ich mich schnell wieder auf dem Heimweg und war froh, die Pampa, die im verschneiten Modus einfach furchtbar ist, ohne Zwischenfälle wieder hinter mir lassen zu können.
Mit Carl, dem Transporter meines Freundes, fuhr ich einigermaßen adäquat Richtung Ortsausgang. Ich liebe dieses Auto, nur im Winter... etwas weniger. Denn es hat Heckantrieb, was bedeutet, dass es beim geringsten Anzeichen von Glätte anfängt, zu schwimmen wie ein angeschossener Pinguin. Auf gerader Strecke ist das durchaus kompensierbar. Im Kreisverkehr mitten in der Wildnis aber nicht. Etwas zu beherzt gelenkt, und ich hatte mich mit Schmackes in der sogenannten weißen Pracht festgefahren.
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Ohne Sand und ohne Plan
Da stand ich dann bei wohligen minus acht Grad Celsius. Weit und breit kein Mensch. Kaum ein halber Strich auf der Empfangsanzeige meines Handys. Zunächst hatte ich einen wahnwitzigen Adrenalinkick und war hochmotiviert: Gut, sonst war ich in solchen Situationen immer nur die etwas nachlässige Sand-vor-die-Räder-Werferin gewesen, während mein Freund unter meinen äußerst fachmännischen Ratschlägen schweigend dafür sorgte, Carl freizuschaufeln. Jetzt also auf sich selbst gestellter Frauenpower-Modus.
Nur eben ohne Sand, wie ich nach einem Blick in den Kofferraum feststellte. Und ohne Schaufel. Und genaugenommen leider auch ohne Ahnung. Wie war das gleich nochmal – niedrige Drehzahl, hoher Gang... oder andersrum?
Ich will in mein Fahrschulauto!
Anderthalb Stunden und unzählige Aufschaukelversuche später war meine Motivation dem Tod nah. Zum ersten Mal in meinem Leben wünschte ich mir nichts sehnlicher als meinen spießigen Fahrschul-Golf mit Vorderradantrieb. Das Rumgeschaukel hatte nämlich lediglich immer neue Schneeberge vor Carls Rädern angehäuft, die ich dann wie ein Maulwurf mit den bloßen Händen weg schaufelte.
Die Reifen drehten nur noch durch, und ich gleich mit. Heulend und wutschnaubend stampfte ich herum und verfluchte lautstark die Sinnlosigkeit des Winters, der gesamten Welt und überhaupt allem vor und nach Christi Geburt. Mein einziger, wenn auch emanzipatorisch wenig wertvoller Tipp für ähnliche Situationen in der Zukunft ist deshalb: Es ist höchst legitim und kein bisschen peinlich, die Rettung der Lage dem Abschleppdienst oder einem Trupp Männer zu überlassen. Und sich stattdessen mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, dem Winter vehement aus dem Weg zu fahren!
Text: Anne Fischer @fahrschule
Fotos: pixelio/Rike, M.E., Ilse Dunkel, Rainer Sturm, Günther Havlena, joujou
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sorry
muß schmunzeln :-)
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