Diskussion: Gehts schon ohne Atom und Kohle?

 
28.10.2010 - 09:40
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Wird in Deutschland über den richtigen Energiemix gestritten, landet die Diskussion schnell bei Kohle und Atomstrom. Brauchen wir den schnellen Ausstieg? Oder können wir noch gar nicht auf die beiden Energiearten verzichten? Student Berhan, 21, und RWE-Mitarbeiter Jan, 29, tauschen Argumente aus.

 

Berhan: Ich sag es gleich ganz deutlich: Atomkraftwerke sollten nicht ausgebaut werden. Sie stellen ein zu großes Risiko für unsere Gesundheit dar. Die Strahlung schadet uns.

Jan: Ja, das ist richtig, in Kraftwerken entsteht Strahlung. Doch sie unterliegen strengsten nationalen und internationalen Normen. Ein Supergau wie in Tschernobyl kann bei uns nicht passieren, da wir eine komplett andere Sicherungstechnik haben.

Berhan: Und was ist mit den neusten Vorkommnissen in Biblis?
Student Berhan (rechts) und RWE-Mitarbeiter Jan diskutieren. Foto: Benny Ulmer

Jan: Immer wieder kommt es zu meldepflichtigen Ereignissen. Doch in der Öffentlichkeit wird häufig nicht zwischen den zwei Kreisläufen im Kraftwerk unterschieden. Es gibt einen Kreislauf, in dem die Brennstäbe, also die Atomkerne stecken. In einem zweiten, eigenständigen Kreislauf wird Wasser zu Dampf erhitzt, der schließlich die Turbinen antreibt. Der größere Teil der Ereignisse findet in diesem vollkommen ungefährlichen Teil statt. Wenn dort eine Schweißnaht marode ist, geht die Meldung durch die Medien, während man bei einem gleichen Vorfall in einem Kohlekraftwerk nichts mitbekommt.

Berhan: Es stimmt schon, dass es in Deutschland vergleichsweise gute Technik gibt. Aber der Müll, der produziert wird, bleibt trotzdem. Und die Transporte in verschiedene Zwischenlager machen das Ganze nicht besser.

Jan: Deutschland ist verpflichtet, ein Endlager zu bauen. Da kommen wir nicht drumherum. Die Energieunternehmen sind gemeinsam mit dem Bundesumweltamt auf der Suche. Da aber keiner Atommüll unter oder neben sich haben möchte, gestaltet sich die äußerst schwierig.

Berhan: Da sieht man doch, dass die komplette Sparte keine dauerhafte Lösung sein kann. Regenerative Energien kann man bereits jetzt stärker ausbauen.

Jan: Es werden jährlich mehrere Milliarden Euro in Modernisierung und Ausbau des Netzes und regenerativer Energien gesteckt. Zum Beispiel in Biomasse-Kraftwerke, On- und Offshore-Windparks. Wir können nicht von jetzt auf gleich die Atomkraftwerke vom Netz nehmen.

Die Fakten zu Atom und Das Energiekonzept der Bundesregierungsorgt für Diskussionsstoff. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien, sollen 17 Atomkraftwerke zwölf Jahre länger am Netz bleiben. Auch mit Kohlekraftwerken wird es weitergehen. Vorteile von Atomkraft sind das Vermeiden von CO2 und die flexible Absicherung des Strombedarfs, gleichzeitig sprechen zwei Gründe hauptsächlich gegen sie: die gefährliche Strahlenbelastung des radioaktiven Materials und dementsprechend hochgiftiger Müll, für den noch ein Lager in Deutschland gesucht werden muss. Foto: Kurt F. Domnik/Pixelio
Mit Kohle kann ebenfalls grundlastfähiger, also schnell zur Verfügung stehender Strom erzeugt werden, die nötigen Rohstoffe sind vorhanden.Nachteil: Bei der Verbrennung entstehen riesige Mengen CO2. Daher will die Regierung den Neubau von Kohlekraftwerken fördern, wenn sie fähig sind, das umweltschädliche CO2 abzuscheiden und unter der Erde zu lagern. Foto: siepmannH/Pixelio
Berhan: Es ist doch genug Strom verfügbar. Wir verkaufen ihn ja sogar ins Ausland.

Jan: Es geht nicht nur um die Menge, sondern um die Verteilung. Man kann sich das Ganze wie ein großes Fischernetz vorstellen. In der Mitte sind die Hauptverbraucher wie industrielle Anlagen oder größere Städte, außen stehen die Einspeiser der Energie, die Kraftwerke. Würde man an dieses Netz die neuen Anlagen anschließen, ohne die Verknotungen vorher auf die neuen Einspeiseorte vorzubereiten, würde es reißen. Und es geht um die zeitliche Verfügbarkeit. Wenn wir mit dem jetzigen technischen Stand eine windlose Woche hätten, gäbe es nicht genug Möglichkeiten, Strom zu produzieren, um das Land ohne Kern- und Kohlekraftwerke zu versorgen.

Berhan: Falls es mal eine Woche gibt, in der es nicht windet, wird dennoch die Sonne scheinen und Wasser fließen.

Jan: Das Jahr hat 8.760 Stunden, wir haben davon in Deutschland nur 1.000 verwertbare Stunden Sonnenschein, an der Küste haben wir 3.500 Stunden Wind, an Land um die 2.400. Was machen wir den Rest der Zeit? Der derzeitige Energiemix, inklusive Atom- und Kohlestrom, ermöglicht uns eine gute Steuerung. Bei regenerativen Energien müssen wir erst dafür sorgen, dass sich die Technologien im Mix ergänzen und nicht behindern. Deshalb arbeitet unsere Entwicklungsabteilung daran, sogenannte Pumpkraftwerke zu bauen, um Energie speichern zu können.

Berhan: Man kann Biomassekraftwerke doch so auslegen, dass die Stromversorgung steuerbar ist.

Jan: Auch daran arbeiten Entwicklungsabteilungen. Bei Atomkraftwerken lässt sich die Leistung in sehr kurzer Zeit um bis zu 50 Prozent hoch- und runterfahren. Bei Biomassekraftwerken geht das bis zu einem bestimmten Grad auch. Nur gibt es eben noch nicht so viele Biomassekraftwerke, um die Menge an Strom zu erzeugen, die wir brauchen.

Berhan: Es gibt also die Möglichkeit aus der Atomenergie auszusteigen. Dann sollten wir das doch so regeln, dass das möglichst schon vor 2030 geschieht.

Jan: Die Technologien werden bis dahin gerade gut genug sein, um auszusteigen. Zur Zeit erreichen die Atomkraftwerke eine Leistung von 20.000 Megawatt, während Wasserkraftwerke nur 6.500 Megawatt erzeugen können. Wenn die Leistung der Atommeiler von regenerativen Methoden übernommen werden können, steht einem Ausstieg nichts im Wege. Bis dahin ist Atomenergie aber die einzige Möglichkeit, um nicht ohne Strom da zu stehen.

Welche Meinung habt ihr zum Thema Atom- und Kohlekraft? Laufzeiten verlängern? Oder Kraftwerke sofort abschalten? Diskutiert mit, schreibt unten eure Kommentare!
Mehr Infos rund um Energie bekommt ihr auch auf www.jahr-der-energie.de, www.energiesparmeister.de und www.rweinnogy.com 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit RWE.


 Teasergrafik: Ronny Pietsch
@energie

Bild von KönICH

laufen lassen

solange auch nur ein kohlekraftwerk läuft dürfen wir gar nicht darüber nachdenken die akws abzuschalten.
diese müssen jedoch auf stromproduktion und sicherheit ausgelegt sein und nicht auf profit des investors. man muss sie also verstaatlichen, dann ist es auch gerecht, wenn der staat sich um die abfälle kümmert. es kann nicht sein, dass eine kleine minderheit aus dem billigen atomstrom profitiert und der rest, der schon für eine extrem hohe dividende sorgt auch noch deren müll beseitigen darf.
es muss vor allem nahezu unbegrentz geld zur sicherung da sein, und das geht nur im staatlichen verbund, da sonst die sicherheitskosten zu gunsten des gewinns gerring gehalten werden.

Bild von Archon

Abschalten!

Es gibt kein Argument für Atomkraft. Ich probier hier mal die standart Argumente der Atombefürworter zu wiederlegen.

1. "Atomstrom ist billiger"
Schlichtweg falsch, denn Atomkraft wird/wurde immer subventioniert(die geplante Brennelemtsteuer ist damit auch keine Steuer sondern eine kürzung der Subventionen). Dazu kommt das Atomkraftwerke nicht versichert werden können, schließlich könnte keine Versicherung auf der Welt die Schäden eines "SuperGAUs" zu bezahlen. Hinzu kommt noch das für die Entlagerung des Atommülls der Steuerzahler, und nicht die Stromkonzern aufkommt.

2."Atomstrom ist Umweltfreundlich"
Das Atomstrom kaum Co2 ausstößt mag ja sein, aber der Abfall verseucht Gebiete für Millionen Jahre, ist schwer Schädlich für die Umwelt (als auch für die Gesundheit des Menschen). C02 Einsparen geht durch Windkraft, Wasserkraft usw. besser.

3."Wir brauchen den Atomstrom um unabhängig zu bleiben"
Zur Zeit hat Deutschland einen Stromüberschuss der ins Aussland verkauft wird. Es wäre also durchaus möglich den Atomaustieg durchzu führen.

4."Atomkraftwerke sind sicher"
In den letzten Jahren gab es etliche Störfälle. Außerdem dachte man damals auch das die AKWs sicher sind. Das ist immer nur eine Frage der momentanen technischen Entwicklung.

Als letztes möchte ich noch hinzufügen, dass Uran oftmals unter Menschenunwürdigen bedingungen abgebaut wird.

Ich frage mich außerdem, warum keiner der großen Stromkonzernbosse einfach neben einem AKW wohnt und somit die Sicherheit demonstriert? Vielleicht liegt es ja daran, dass die Chance das sein kleines Kind Krebs bekommt deutlich höher ist?!(Ist nur so ne Vermutung...^^)

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