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Generation Alkohol

 
12.11.2011 - 16:17
Facebook:

Wir haben viele Namen: Generation doof, Generation sorglos, Generation Internet, Generation dick. Diese Bezeichnungen mögen alle ihre Berechtigung haben. Dabei gerät jedoch in den Hintergrund, dass wir, die Jugend von heute, vor allem die Generation Alkohol sind.

Für viele Jugendliche meines Alters gehört es mittlerweile zu einem gelungenen Wochenende dazu, sich hemmungslos zu betrinken, bis sie im Graben liegen. Saufgelage, Komasaufen, Flatratepartys, wer kennt diese Begriffe nicht. Wenn ich zu einer Feier eingeladen werde, werde ich meist gefragt: "Bock zu saufen?" Falls ich nein sage, bin ich ein Spießer, ein Außenseiter, der nicht cool genug ist, sich die Kante zu geben. Man gilt unter den meisten Jugendlichen als Sonderfall, wenn man sich noch nie wegen zu starkem Alkoholkonsums übergeben musste – oder schonmal mit einer Intoxikation im Krankenhaus lag.

Ob das meiner Generation peinlich ist? Mitnichten. Auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken werden Fotos veröffentlicht, auf denen betrunkene Kinder auf dem Boden liegen und mit Filzstift angemalt wurden. Und ein jeder posted fröhlich, weil er ja zeigen will, dass er dazugehört, ein Teil des Ganzen ist, dass er gestern "wieder so was von besoffen war".

Die traurige Wahrheit ist, dass sich in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren die Zahl der Jugendlichen, die wegen Alkoholmissbrauchs in eine Klinik eingewiesen werden, verdoppelt hat; das liegt freilich nicht daran, dass es heute mehr Alkohol als früher gibt. Unsere Gesellschaft hat sich gewandelt. Zu viele Eltern geben ihren Kindern zu wenig Grenzen. Zu leicht gelangen Jugendliche an harten Alkohol. Dabei sei eines gesagt: Alkohol ist eine in der Gesellschaft anerkannte Droge, die gerade bei jungen Menschen verheerende Folgen haben kann. Denn sie greift das sich noch in der Entwicklung befindende zentrale Nervensystem an und verursacht lebenslange Schäden. Was sagen die Eltern? "So ist die Jugend nunmal." Dieser Satz ist ihr Opium, ihr Glas Wodka.

Warum greifen Jugendliche heutzutage überhaupt so gerne zur Flasche? Weil sie dazugehören, sich vom Elternhaus lösen und die Schwierigkeiten und Probleme des Alltags für kurze Zeit vergessen wollen. Weil auch ihre besten Freunde trinken. Weil sie sich beweisen wollen, dass auch sie viel vertragen. Weil sie dem schulischen Leistungsdruck nicht gewachsen sind. Weil Saufen hip ist, trendy, geil. Alkohol als Treibstoff des Spaß, der Sorglosigkeit.

Und es wird schlimmer: Studien belegen, dass die Zahl der Jugendlichen, die Alkohol konsumieren, weiter ansteigt; schon mit 14 Jahren trinkt jeder vierte Jugendliche wöchentlich.

Das muss ein Ende haben. Der Umgang mit der Gesellschaftsdroge muss gelernt sein. Es braucht wirksamere Kontrollen und strengere, konsequentere Eltern, die ihren Kindern früh weismachen, wie gefährlich ein starker Alkoholkonsum sein kann und mit gutem Beispiel vorangehen. Schöne neue Welt. Willkommen in der Generation Alkohol.

Kommentare

Bild von Nachwuchsmisanthrop

Was sind das denn für

Was sind das denn für Gruppenzwang-Verhältnisse?! o.O
Hier sind auch meist alle am trinken. Aber zu Beleidigungen kommt es auf keinen Fall, wenn sich mal wer dazu entscheidet nichts zu trinken, oder nur ein oder zwei Bier.
Und wirklich "krasse" Sachen sind hier auch noch nicht passiert, also, dass einer halbtot kotzend am Boden liegt, hinfällt und sich sonstwas tut.
Und deinen Gründen, wieso sie "zur Flasche" greifen kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Begünstigt wird sowas denke ich mal durch das soziale Umfeld, wie es in der Familie zu geht, was die Kinder alles dürfen. Es wundert nicht, wenn das Kind den ganzen hat RLTII AssiTV schaut, dann später mit den Kumpels draußen am Spielplatz gammelt und dann sowas anfängt.
Hier müssen vorallem Eltern, Lehrer eingreifen und darauf achten. Es fängt nicht damit an, nur zu sagen, dass Alkohol scheiße ist, es muss sich grundlegen ein wenig verändern, dass die Kinder eine Perspektive aben und man aufpasst, was die Kinder so machen.
Aber bevor ich die Generation "Generation Alkohol" nennen würde, würde ich noch ein paar Jährchen abwarten. 15 vielleicht oder so. Dann weiß man, was wirklich ist. Als ob man die Relevanz einer geschichtlichen Entwicklung erkennt, schon während sie statt findet. Man begreift erst im Nachhinein, was wirklich passiert ist.

Bild von Amadeus Ulrich

Tut mir leid,

das zu sagen, aber ich finde Deine Kritik doch selbst auch etwas unverständlich, aber das liegt wohl daran, dass wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Was meinst du denn bitte mit "hier"? Deutschland? Und warum Du meine Gründe, warum Jugendliche zur Flasche greifen, nicht nachvollziehen kannst, kann ich wiederum nicht nachvollziehen. Natürlich ist starker Alkoholkonsum ein Eskapismus, natürlich liegt das auch am sozialen Umfeld; aber es liegt auch an dem starken Leistungsdruck, der auf der Jugend lastet. G8, Bologna-Prozess, wir haben immer weniger Zeit für eine größere Anzahl an Aufgaben. Wir sollen so schnell wie möglich Abitur machen, dann studieren, indes Praktika machen. Damit kommen viele eben nicht zurecht! Und das ist verständlich, wenn man schon mit Dreizehn bis sechs Uhr abends in der Schule hocken muss.

Und doch, unsere Generation Generation Alkohol zu nennen, ist durchaus berechtigt, das habe ich doch allein mit den Fakten bewiesen. Und es sind nicht nur die Jugendlichen, die du äußerst abwertend als diejenigen beschreibst, die den ganzen Tag nur "Asi-TV" gucken. Mann kann hier niemanden klassifizieren, alle machen es, keiner tut etwas dagegen. Alkohol ist eine Modedroge, und es herrschen Gruppenzwangverhältnisse. Wer nicht mittrinkt, wird schief angeguckt. Zumindest habe ich das so erlebt. "Wie, du hast noch nie gekotzt? Alter!" Wundert mich, dass du so was noch nicht erlebt hast. Alkohol gehört zu jeder Party dazu, ohne Alkohol geht keine Party. Außerdem habe ich doch gar nicht gesagt, dass es reicht zu sagen, "Alkohol ist scheiße". Eltern müsse ihre Kinder eben mehr kontrollieren und besser erziehen, diese ganze liberale Scheiße von wegen "Ich lass mein Kind machen was es will, damit es sich optimal entfaltet" geht mir sowieso auf die Nerven. 15 Jährchen würdest du also abwarten, bis du unsere Generation Generation Alkohol nennst? Wieso 15? Einfach son Bauchgefühl? "Man begreift erst im Nachhinein, was wirklich passiert ist." Super! Wenn wir schon so an die Situation rangehen, können wir ja eigentlich entspannt an die Sache rangehen, erkennen werden wir ja eh nichts, wa, um dann nach 15 Jahren sagen zu können: Shit, die Kids von damals hatten echt ein Alkoholproblem.

Ich muss gestehen, dass mich dein Kommentar richtig wütend gemacht hat. Du scheinst andere Erfahrungen als ich gemacht zu haben, was mich wundert, denn die Alkoholliebe der Jugend muss einem doch heutzutage auffallen, wenn man nicht blind ist.

Bild von Nachwuchsmisanthrop

Mit hier meine ich bei mir in

Mit hier meine ich bei mir in der Gegend, mit den Leuten mit denen ich zu tun habe, mit den Leuten ich auf eine Schule gegangen bin etc. Sprich mein ganzes soziales Umfeld.
Ich habe nie deshalb Alkohol getrunken, damit ich irgendetwas verdränge, vergesse oder sonstetwas. Anfangs war es mal ein "ausprobieren", eine neue Erfahrung und inzwischen weiß man, was Alkohol ist und man trinkt das Bier oder mal den Cocktail, weil es lecker schmeckt.
Ich kenne auch keinen, der sagt "Hey ich komme garnicht klar, besaufe ich mich einfach mal".
Wenn man Streß abbauen will, soll man Sport machen, sich ein Hobby zulegen oder sonstwas. Ist bei weitem hilfreicher als 5h saufen+10h garnichts machen können, weil man seinen Kater loswerden muss. Einen Krankenhausaufenthalt nicht mitgezählt.

Wo ist das Problem, wenn man nichts trinkt? Hier gibts genug Leute, die auch mal auf der Party nichts trinken, weil sie mit dem Auto sind, am nächsten Tag früh raus müssen, Kreatin nehmen oder einfach keine Lust haben. Habs noch nicht bemerkt, dass es solche beschriebenen Ausmaße genommen hat.
Es läuft eher so ab: "Du trinkst heut nix?" "Nee, bin mit dem Auto/muss früh raus/weiß der Teufel was" "Ah okay"
Klar, man trifft immer Leute, die sich ein wenig Anders benehmen und kotzend in der Ecke liegen. Aber laut meinen Eltern gabs das auch schon zu ihrer Zeit.
Also sind solche Dinge kein Phänomen der Neuzeit.
Ob sich zahlenmäßig was geändert hat an solchen Fällen, weiß ich nicht. Hab bisher nur in Sendungen auf Akte11 und Zeitungen mit Bildniveau davon gelesen.
Wäre dir aber dankbar, wenn du mir deine Quellen mitteilst, da ich vielleicht nicht ganz im Bilde bin.

Aber ich denke einfach mal, dass soetwas sich je nach dem mit welchen Leuten man verkehrt sich scheinbar extrem unterscheiden kann, wie man sieht.
Das ist echt nicht provozierend gemeint, nur ich hab von dem ganzen "Problem" ehrlich gesagt noch nichts mitbekommen. Bzw. eine schlechte Entwicklung bemerkt in der Zeit, in der ich mit soetwas konfrontiert werde, was immerhin schon 7 Jahre sind.

Bild von Kontrabass

Informationen

Wenn der Nachwuchsmisanthrop zu wenig Informationen besitzt, um das Ausmass des heutigen und des früheren Jugendalkoholismus erfassen zu können, kann ich ihn auf meine Webseite hinweisen, wo viele solcher Informationen gesammelt sind. (www.alkohlpolitik.ch)

Generell kann man sagen, dass der Gesamtkonsum gegenwärtig leicht abnimmt, aber der Konsum der Vieltrinkenden zunimmt. Die ESPAD-Studie 2007 meldete, dass 43% der europäischen Studenten von 15/16 Jahren über ihr Binge Drinking in den letzten 30 Tagen berichteten. Und Alkohol ist die wichtigste einzelne Todesursache unter jungen Männern von 16 - 24 Jahren.

Die Politik versucht, mit Jugendschutzmassnahmen dieser Seuche Herr zu werden. Und verdrängt dabei, dass die ganze Gesellschaft am Alkoholproblem leidet und mitverantwortlich ist. Verniedlichung und Verharmlosung des Problems sind alltäglich. Die Folgen tragen wir alle.