Jubel, Trubel, Discokugel!
Das SonneMondSterne-Festival lud dieses Jahr das 15. Mal zum Abheben ein. Dem Regen haben die Festivalbesucher getrotzt und ihn einfach mal weggetanzt. SPIESSER-Autorin Annette hat auch ne heiße Sohle aufs Parkett gelegt…Pardon, im Matsch.
Freitag, 4:00 Uhr morgens. Mit zerknittertem Gesicht geht’s auf die Autobahn Richtung Thüringen. Warum mein Bruder Matze und ich in aller Herrgottsfrüh starten, obwohl das Festival erst abends los geht? Den perfekten Zeltplatz zu finden ist kein Zuckerschlecken! Je früher man da ist, desto kürzer der Weg zur Mainstage, den Duschen und den sauberen Klos!
Festivaled for the very first time
endlich sein allererstes Festival!
Für Matze ist das alles übrigens Neuland – in wenigen Stunden wird er sein allererstes Festival erleben und darauf ist er bestens vorbereitet. Mit Knicklichtern, Ohropax und Gummistiefeln im Gepäck steht dem dreitägigen Dauerraven auf dem „Festival der elektronischen Musik“ nichts mehr im Weg. „Ich kann gar nicht sagen auf welchen Act ich mich am Meisten freuen soll!“, meint er. Das ist auch kein Wunder bei Lineups wie The Chemical Brothers, Clueso and Disco-stress, Moby, Swedish House Mafia und Deichkind.
Kaum angekommen wird man zwar von bewölktem Himmel aber von einer umso schöneren Aussicht im Grünen erwartet. Die Atmosphäre auf dem Campingplatz ist entspannt, erste Kontakte mit den Zeltnachbarn sind im Nu geknüpft.
Rave und Raver
Zum Beispiel zu Uwe (25) aus Leipzig, der trotz Rollstuhl schon das dritte Mal auf dem SMS ist.
„Bisher gefällts mir gut, bis auf den Dreck und den Schlamm - da komme ich nicht so gut überall hin.”
Auch sein Pfleger Sven genießt das Festival der elektronischen Musik.
Oder die Freundinnen Steffi (19) und Magda (17), die im Hippiedress aus Mittelfranken angereist und das erste mal bei SonneMondSterne sind. „Wir sind hier wegen dem Rave! Is doch klar”, sagt Steffi.
„Und natürlich auch wegen den Ravern”, ergänzt Magda. „Am Meisten freuen wir uns auf Fritz Kalkbrenner – der hats einfach drauf!” , sagen die Mädels im Chor.
Ganzkörperanzug und Gartenzwerge
Auf dem Weg zum Festivalgelände bieten sich dem Auge vielfältigste Kostümierungen und Zeltdekos. Auffallen um jeden Preis lautet die Devise. Ob im neonfarbigen Ganzkörperanzug oder dem eigenen Vorgarten mit Gartenzwergen am Wunschbrunnen – dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.
Aus allen Himmelsrichtungen dröhnen Beats, und prompt ist auch Matze angesteckt vom Kopfnicken, dem rhythmischen Fußstampfen und die dazu in die Luft stoßende Faust. Gesellige Festivalbesucher laden uns ein eine Runde mitzuraven.
Bevor es weiter zur Mainstage geht, auf der Bonaparte die rund 25 000 Besucher (gefühlte 100 000) einheizen. Die Menge tobt als die Band mal maskiert, mal Splitterfaser - und mal halbnackt ihre Elektro-Punk Hymnen anstimmen.
Leider steht SMS in Punkto Wetter wortwörtlich unter keinem guten Stern – das Gelände verwandelt sich schlagartig in schlammiges Matschpfützen-Terrain mit Tanzwütigen in knallgelben Regenponchos, welche kostenlos verteilt wurden.
Festivalbesucher in vollen Zügen.
Da die meisten DJs und Bands erst Samstagabend in die nächste Runde läuten, sind optimale Bedingungen geschaffen, tagsüber den Saalburg Beach unsicher zu machen. Dabei kann es passieren, dass man auf so manche Anwesende stößt, die sich wohl seit dem vorigen Abend immer noch in den Drum ’n‘ Bass Klängen der Strandbar wiegen.
Der Himmel reißt auf, die Sonne ist endlich wieder sichtbar.
Blasentraining und Tanzmuskelkater
Die Jungs von Frittenbude, Egotronic und Saalschutz bringen die Meute zum Pogen und Jubeln – Matze mit dabei in der ersten Reihe singend „Ich will Saalschutz den ganzen Tag, nichts als Saalschutz, weil ich Saalschutz mag!“. Inzwischen verkneife ich mir den Gang aufs Klo so lange es geht, denn dort ist man einem dermaßen barbarischen Gestank ausgeliefert, dass es ohne Atemschutzmaske und Ganzkörperschutzanzug nicht mehr aushaltbar ist.
Den Höhepunkt des wilden Treibens bieten zweifellos The Chemical Brothers. Mit einer spektakulären, dreidimensionalen Show bringt das englische Duo sogar Egotronic Keyboarder Endi zum Staunen: „Einfach phänomenal!“
Der letzte Tag bricht an und mein Bruder kämpft mit seinem Tanzmuskelkater, als er morgens aus seinem Zelt klettert. Nach und nach leert sich der Campingplatz und ein schlachtfeldähnlicher Anblick kommt zum Vorschein – aber das gehört wohl dazu.
Und wie fand Matze nun sein erstes Mal Festival? „Manchmal wars `n bisschen zu viel Bum Bum, aber alles in allem war’s geil!“
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Kommentare
Das erste Mal
Ach, ich erinner mich auch noch an mein erstes Mal SMS-Festival. Irgendwie schön wie das die letzten Jahre bekannter geworden ist, aber andererseits zerstört das Wachstum oft die Atmostphäre von Festivals. Größer heißt ja nicht besser!
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Mehr aus dieser Serie
Anzeige
Anzeige
Socialvernetzwerkungsdings
Anzeige
Anzeige





