Mönche berühren geht gar nicht!
Bisher kannte Tabea die Armut nur aus dem Fernsehen. Nun geht sie für ein Jahr nach Kambodscha und steckt mittendrin.
Ein kleines Land in Südostasien hat's mir angetan: Kambodscha. Bekannt für seine reiche Kultur, ist es dennoch ein sehr armes Land. Gerade in den ländlichen Regionen leben viele Menschen in Armut. Nicht ganz so schlimm ist es in der Hauptstadt Phnom Penh. Wenn ein Mensch weniger als 1,25 US Dollar am Tag zur Verfügung hat, gilt er laut Weltbank als absolut arm. In der Hauptstadt geht es den meisten Familien etwas besser. Sie haben ein Haus, ein Motorrad, genug zu Essen. Dennoch sind sie oft auf die Aufstockung der Einnahmen durch ihre älteren Kinder angewiesenen. Es ist also keine Seltenheit, dass eine 12-Jährige in einem Straßenlokal bedient. Auch Kinder, die Müll und Pfandflaschen einsammeln, alte Menschen die betteln und Frauen, die sich für Sex verkaufen, gehören zum Straßenbild.

Nur ein paar Kilometer von der Stadt entfernt, wird die Armut immer bitterer. Vor allem die heruntergekommenen Hütten bedrücken mich. Solche Bilder kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen. In Deutschland zählt man als arm, wenn man unter dem Harz-IV-Satz leben muss, doch jeder Hartz-IV-Empfänger wäre in Kambodscha stinkreich. Mit dem Geld könnten sich die Einheimischen Bildung, eine ausreichend große Wohnung, eine Krankenversicherung und so viel Essen leisten, dass sie am Abend nicht hungrig ins Bett gehen müsste – so wie jetzt.
Finger weg von Mönchen
Dass Kambodscha ein Entwicklungsland ist, habe ich natürlich nicht erst vor Ort gemerkt. Ein Jahr in so einem Land zu verbringen, ist ein lang gehegter Wunsch. Über die Jahre habe ich mich immer wieder gefragt, wie die Welt gerechter werden kann, was wir Menschen in Deutschland dazu beitragen können und was man mit Entwicklungshilfe ausrichten kann. Das weltwärts-Programm ist genau das Richtige für mich. Einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu machen, gibt mir die Gelegenheit, eine andere Kultur kennenzulernen und mir im Anschluss vielleicht ein besseres Urteil über Entwicklungshilfe bilden zu können.
Ich arbeite hier in einer NGO (Non-Government Organization), die sich für wirklich sehr arme Menschen einsetzt. Zu meinen Aufgaben gehört es vor allem Berichte zu verfassen, aber auch benachteiligte Kinder in Englisch zu unterrichten und Veranstaltungen zum Thema Armut durchzuführen.

Aber einfach loslegen ist nicht: In den ersten zehn Tagen musste ich die Schulbank drücken. Ich musste lernen, mich in dieser anderen Welt zurecht zu finden. Wie gehe ich auf dem Markt einkaufen, wie handle ich mit dem Preis und wie suche ich mir eine Wohnung? Außerdem hatte ich erste Unterrichtsstunden in Khmer – der Landessprache.
Ganz wichtig sind auch Verhaltensregeln. Ein absolutes No-Go für mich als Frau ist es, einen Mönch zu berühren. Vor alten Menschen zeige ich Respekt, indem ich mit gesenkten Schultern an ihnen vorbei gehe und zur Begrüßung führt man die Handflächen vor dem Gesicht zusammen – je mehr Respekt ich ausdrücken möchte, umso höher muss ich die Hände dabei halten.
Grashüpfer zum Mittag
Nachdem ich nun schon eine Weile hier bin, ist mir Phnom Penh keine fremde Stadt mehr. In den ersten Tagen hatte es sich eher noch so angefühlt, als würde ein Film neben mir ablaufen , denn alles ist so komplett anders. Der Verkehr ist absolut chaotisch. Jeder scheint ein Motorrad zu besitzen mit dem die Einheimischen durch die Stadt düsen, wenn sie nicht gerade im Verkehrsknoten feststecken.

Viele Kambodschaner sitzen vor ihren Häusern, unterhalten sich mit Nachbarn, verkaufen Waren, reparieren Motorräder oder essen. Verrückt nur, was sie essen: Grashüpfer, Froschschenkel und Enteneier stehen hier auf dem Speiseplan. An den Anblick musste ich mich erst mal gewöhnen. Genauso wie an den der Mönche, die in ihren auffällig orangen Roben durch die Stadt ziehen. Die ganze Stadt ist sehr lebendig im Gegensatz zu dem, was ich aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern kenne.
Vieles spielt sich draußen ab. Bei tropischen Temperaturen von 32 Grad kommt man ganz schön ins Schwitzen. Und auch die Nacht bietet bei 28 Grad keine wirkliche Abkühlung. Aber so wie es den Kambodschaner nicht in seine vier Wände zieht, zieht es auch mich vorerst nicht in meine Heimat zurück. Denn hier gibt es noch viel zu erleben! Zum Beispiel den buddhistischen Feiertag, der hier bald ansteht und zu dem ich von einem Kollegen eingeladen worden bin.
Fotos: privat
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