Kernobst beim Chiemsee Reggae Summer

SPIESSER.de hat Tilman zu einem der CRS-Ticket-Gewinner gekürt. Hier schreibt er nun, wie er das Festival mit dem DJ-Team Kernobst erlebte.

Es regnet schon wieder. Genauso wie an den beiden Tagen zuvor. Nur an diesem letzten Festivaltag hat die Sonne wenigstens für ein paar Stunden den Festivalbesuch in der südöstlichsten Ecke Bayerns versüßt.

CRS 2010Sunshine Reggae

Der 16. Chiemsee Reggae Summer neigt sich seinem Ende zu. Das Festivalgelände ist kaum wieder zu erkennen. Der braune dicke Schlamm türmt sich überall und man versinkt so tief, dass ein schnelles und bequemes Vorankommen unmöglich ist. Wie Yetis stapfen die Reggaefans mühevoll durch den Matsch. Viele Zelte waren schon nach dem ersten Tag von Wasser völlig durchnässt und unbewohnbar. Jedoch wurde trotz der unangenehmen Umstände drei Tage lang kräftig gefeiert. Bis zum letzten Tag, an dem nämlich Busy Signal, der letzte Artist auf der Hauptbühne, spielte.

 Er ließ schon seine letzten Lieder anklingen, als von den Open-Decks ganz andere Töne zu hören sind. Die Open Decks sind eine kleine Bühne auf dem Grillplatz des Festivalgeländes. Hier können unbekannte, junge Musiker auftreten, nachdem sie sich im Vorfeld dafür beworben haben.

Das Kernobst-Duo Lucas Àaron.

Von den Open-Decks dringen durch die Stille der Nacht die tiefen, wobbelnden Bässe der DJ-Gruppe „Kernobst“ bis zum Campingplatz vor.

Es war fast vier Monate her, als Lucas (18) mir verkündete, dass er zusammen mit Àaron (19) auf dem Chiemsee Reggae Summer auflegen würde. Schon 2009 war er auf dem CRS gewesen und hatte an den Open-Decks großen Gefallen gefunden. Als er sich über das diesjährige Line Up informieren wollte, fand er überraschend das Anmeldeformular für DJs.

Vor drei Jahren befasste sich Lucas zum ersten Mal mit Dubstep. Schon bald darauf wurde auch Àaron mit dem Dubstep-Fieber infiziert – ein Musikgenre , das die beiden als „Minimalistik" und „sehr basslastige Musik mit ungefähr 140 BPM“ beschreiben. Im Jahr 2009 beschlossen sie schließlich zusammen Musik zu machen.

Fakten zum CRS 2010

Mit 29.000 Gästen hat der Chiemsee Reggae Summer wieder einen neuen Besucherrekord aufgestellt. Mittelpunkt des riesigen Festivalgeländes waren die Hauptbühne – wo die Künstler unter freiem Himmel auftraten – und die Zeltbühne. Daneben konnte auch zu zahlreichen DJs und Kleinkünstlern von Roots Reggae bis zur elektronischen Musik getanzt werden. Neben bekannten Reggae-Größen wie Alpha Blondy & The Solar System, Anthony B, Culcha Candela, Fettes Brot, Gentleman, Jahcoustix sowie Ziggi & The Renaissance Band hatten insgesamt mehr als 75 Bands, Künstler und Sounds ihr Kommen angekündigt.

Auf den Namen „Kernobst“ kamen die beiden, weil es ein einprägsames, abstraktes Wort ist und zum anderen den Begriff Obst für den wobbelnden Bass steht und Kern für die harten Drums im Dubstep. Nun ist Kernobst im Lande unterwegs, um das Genre in seinen vielen Facetten aufzuzeigen.

So sind sie auch den langen Weg von Dresden nach Übersee gefahren, um beim 16. Chiemsee Reggae Summer für gute Stimmung zu sorgen. Und das hat funktioniert. Die knapp 200 Zuhörer fordern nach ihrem Auftritt noch lange nach Zugaben. Doch die Veranstalter lassen keine Kompromisse zu. Nach etwa anderthalb Stunden müssen sie sich von den feiernden Massen verabschieden.

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Die Party People feiren zum Kernobst-DJ-Duo.
Auf der Rückfahrt im Zug fassen die beiden ihr Festivalerlebnis zusammen: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Nicht nur wegen des Auftrittes, sondern auch wegen den wirklich guten Reggaeacts, wie zum Beispiel Fantan Mojah und Alborosie. Leider fehlte es der Veranstaltung an echter Reggae-Kultur, was man unter anderem an den vielen Schnapsleichen sowie an den überfüllten Konzerten von Mainstream Artists, die weniger mit Reggae zu tun haben, merkte“ bedauerten Lucas und Àaron.

Das Kernobst-Duo möchte sich in den nächsten Jahren musikalisch weiterentwickeln, zum Beispiel durch das Produzieren eigener Lieder. Vielleicht sind sie damit ja beim Chiemsee Reggae Summer 2011 zu hören – den Termin könnt Ihr euch schon mal vormerken: Es ist das Wochenende vom 26. bis 28. August 2011. Und: Gummistiefel nicht vergessen!

Text und Fotos: Tilman Schmitt

Noch mehr Chiemsee Reggae Summer

Auch Niklas und Laura waren auf dem CRS: Lest hier von Lauras Blick auf die Jugendkultur Reggae und von Niklas inmitten der jährlichen Schlammschlacht. SPIESSER.de war auf anderen Festivals unterwegs: Alle Beiträge findet ihr auf der Festival-Übersichtsseite.

Beigetreten: 18.07.2010
Punkte: 184000

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