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Nix verpassen
Knigge ist überholt, Manieren nicht
Roland Meyer de Voltaire spricht mit SPIESSER über Benimmregeln und die Schwierigkeit des Songschreibens.

Euer neues Album heißt „Das letzte bisschen Etikette“. Ist Knigge überholt oder sollte man ihn wieder aufleben lassen?
Grundsätzlich sind Manieren schon etwas Tolles. Aber meine Mutter kommt aus einer adligen Familie und ist ziemlich konservativ aufgewachsen. Das ist also nichts, was ich propagieren wöllte. Knigge ist nichts, was das Leben schöner machen würde. Kurz: Knigge ist überholt, Manieren nicht.
Es scheint so als wäre euer zweites Album eine schwere Geburt gewesen. Zwischenzeitlich hat man gehört das ihr kurz vor dem Aus steht. Was war da in der Zeit los?
Ich lebe sehr für das, was ich mache. Ich kann mir nicht vorstellen keine Musik mehr zu machen. Es stand also keine Sekunde für mich zur Debatte mit der Musik aufzuhören. Die Frage war vielmehr: Kann man die Sache „Voltaire“ weiter führen? Geht das weiter auch wenn Leute weggefallen sind, die „Voltaire“ mit begründet haben?
Was hat dich darin bekräftigt das Projekt „Voltaire“ weiter zu führen und nicht andere Wege zu gehen?
Es waren dann doch auf einmal einige Songs da. Das klingt jetzt vielleicht so als wäre das irgendwie aus der Fremde gekommen, aber manchmal ist es so. Man macht irgendwas und auf einmal ist es da.
Jedenfalls waren dann viele schöne Lieder da, die eine Perspektive eröffnet haben wie das neue Album aussehen könnte. Dann haben wir angefangen zu produzieren und es hat sich gut angefühlt.
Was ist dein Lieblingslied auf dem aktuellen Album?
Ich schwanke zwischen dem ersten und dem letzten Stück. Bei mir gewinnt glaube ich sogar eher das letzte Stück, also „Das Haus das ich dir versprach“.
Warum?
Ich weiß nicht recht. Das ist ein Stück, da habe ich so einen persönlichen Bezug zu. Das habe ich aus einen Moment heraus geschrieben, der so pur und ehrlich war. Einfach die Tatsache, dass ich das Stück geschrieben habe, hat mich aufgebaut.
Voltaire gibt es auch bei den Musikdownloads aus dem Heft #124.
Noch mehr Infos zur Band gibt es hier.
Du meintest mal „Ich begann zu begreifen, dass ich Songs und kein Buch schreibe.“ Was ist die Besonderheit beim Songschreiben?
Jedes Medium hat seine bestimmte Art Inhalte zu vermitteln. Ich bin gut mit einigen bildenden Künstlern befreundet und die beneiden mich sehr um diese Unmittelbarkeit, die Lieder haben. Wenn ich spiele, bekomme ich gleich Feedback.
Auf der anderen Seite ist Musik etwas sehr Flüchtiges. Ein Bild kann noch in hundert Jahren da hängen oder meinetwegen ein Film, ein Film hat auch eine relativ lange Haltbarkeit. Es geht auch nur um eine Geschichte, genauso wie im Buch. Da kann man viele Nebenschauplätze aufmachen und verschiedene Hintergedanken gehen. Beim Song geht es einfach um Emotionalität und um Direktheit, darum das man berührt und sich öffnet.
Ich gehe mal ein kleines Stück in die Vergangenheit: Wie habt ihr euch als Band eigentlich zusammen gefunden?
Anfangs habe ich alleine Demos aufgenommen und irgendwann merkte ich, dass ich versuche einen Bandsound aus dem Computer zu holen. Das ging einfach nicht. Also habe ich nach Leuten gesucht, die Esprit in die Sache rein bringen und gleichzeitig gute Musiker sind. Das darf man sich jetzt auch nicht Casting-Mäßig vorstellen. Es war eher so, dass ich jemanden kannte, der wiederum jemand anders kannte. Ich bin dann da mal auf ein Konzert oder dort auf eine Jamsession gegangen und habe mich mit den Künstlern unterhalten.
Gibt es dann so einen Moment, in dem es „Klick“ macht und dir bewusst wird „Der ist es, der muss in die Band!“?
Das ist sehr unterschiedlich. Hedda kenne ich am längsten von allen. Das war eine besondere Sache. Ihn habe ich kennen gelernt als ich Klassikgesangsunterricht genommen habe. Hedda hat mich damals immer auf dem Klavier begleitet. Das er irgendwann mal Rockmusik machen würde, das wusste er damals, glaube ich, selber noch nicht. Wir haben uns über Jahre hinweg aneinander ran getastet und irgendwann ist daraus etwas richtig Schönes entstanden.
Anders war es bei unserem alten Drummer, der den Sound unserer Platten sehr geprägt hat. Er kam in unseren Proberaum, setzte sich an das Schlagzeug und spielte den Song zum ersten Mal mit. Das war dann direkt so wie es sein sollte, das hat einfach gepasst.
Jeder Musiker bringt seinen eigenen Background mit. Manchmal gibt es eine größere und manchmal eben eine etwas kleinere Schnittmenge und da bewegt man sich aufeinander zu. Das ist ein Entwicklungsprozess, der auch ein bisschen Zeit braucht.
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Kommentare
Hört hört.
Aus einer adeligen Familie.
"Aber meine Mutter kommt aus einer adligen Familie und ist ziemlich konservativ aufgewachsen. Das ist also nichts, was ich propagieren wöllte"
Aber eine Erwähnung war es ihm Wert.
Wichtigtuer?!
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@ Robert genau das selbe habe
@ Robert
genau das selbe habe ich eben auch gedacht!
eine unpassendere Aussage hätte er nicht machen können.
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