Kompetenzen, WG-Abwasch und die große Liebe
Der SPIESSER hat zehn Slam Poeten und Musiker auf die Bühne der Jugendmedientage 2011 gebracht – das Publikum war begeistert.
Normalerweise schwitzen in dem grün-rot-weiß beleuchteten Hörsaal der Stuttgarter Hochschule der Medien Studenten. Heute Abend, es ist Freitag, der 4. November, drängt sich ein Haufen gespannter junger Medienmacher in die Sitzreihen. Manche stehen auch hinter der letzten Reihe an der Wand. Sie alle warten auf zehn spannende, romantische, Lachtränen in die Augen treibende Poetry-Slam- und Kleinkunst-Vorführungen. Präsentiert wird die Show vom JMT-Medienpartner SPIESSER.
Das ist es: eine Show. Kein „Slam“, kein Wettkampf, wie Moderator Thomas Geyer gleich am Anfang klarstellt. Hilfsmittel erlaubt! Es dürfen auch Gitarren zum Einsatz kommen, ein Akkordeon und im finalen Act gleich ein ganzer Synthesizer. „Heute müssen wir einfach nur toll finden“, bemerkt unser Moderator und bittet trotzdem um anständige Slam-Atmosphäre. Und los gehts.
Drin ist alles: Es wird gerappt über das Leben, gesungen über die Liebe und den WG-Abwasch, in A-Capella-Art Trompete gespielt und die Demokratie kritisiert. Harry Kienzler, bekannt für seine Performance-Poesie, hat eine gedichtete Ballade über die Räuber im Walde in petto. Die allerdings nimmt keinen gewöhnlichen Verlauf: Bei ihm fordert die Lady in der Kutsche die Räuber fröhlich dazu auf, sie zu schänden. Doch die wissen nicht wie.

Im Gedächtnis bleibt auch der Schlusssatz von Fabian Neidhardt, dem Gewinner des Twitter-Lyrik-Wettbewerbs 2011. Sein Gedicht „Dazwischen“ beendet er so: „Rechts sind Worte ... links sind Worte. Und dazwischen: ...“ Das Publikum denkt einen Moment, lacht dann und applaudiert.
Seinen Platz auf der Bühne nimmt sogleich Chantal Fatale ein, heute zum ersten Mal vorsätzlich ohne ihre Band „The Teatimepuppets“ unterwegs, dafür aber immerhin mit zwei Mikros, Akkordeon und Gitarre. Sie singt ihre Lieder, über ihre Sehnsucht nach der Nordsee bei Sturm, über ihre Gedanken in einer drückend heißen Sommernacht in der Dachgeschosswohnung. Die Themen sind ganz alltäglich. Die Atmosphäre hat dafür etwas Besonderes an sich, Romantik ohne Aufdringlichkeit, dafür aber mit einem Schuss Exotik.
Als Vorletzter bringt Stefan Unser alias WortArtiG schön sarkastisch ein brandaktuelles Thema zur Sprache: „Ich habe keinen Text“, sagt er, "weil so ein Text ist ein Projekt.“ Und vor lauter „Projektmanagement“ und „Kompetenzkompetenzen“ kann dabei gar kein Text herauskommen. Zustimmendes Gelächter.
Und schon nähert sich der Abend dem Ende. Bevor aber alle die Bänke wieder verlassen, gibt es mit Nikita Gorbanov noch ein würdiges Sahnehäubchen. Der kommt nach vorne und fängt gleich an zu quatschen, während er seinen Kabelsalat sortiert und den Synthesizer in Gang bringt. „Na, erkennt ihr einen großen Hit aus der Vergangenheit?“, fragt er, drückt einen Knopf und die ersten Töne von „Baby One More Time“ dröhnen aus dem Lautsprecher. Es dauert noch ein bisschen, dann holt er eine Gitarre hervor und singt den letzten Song für heute Abend.
Riesenapplaus, ein Präsent für die Künstler und schon schlüpfen die ersten Teilnehmer schon wieder in ihre Jacken. Dabei hätte es ruhig noch ein bisschen so weitergehen können.
Vorschaubild: jugendfotos.de/bego
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Kommentare
Ich schwelge in Erinnerungen...
Tolle Atmosphäre auf der Bühne UND im Text! :)
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