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Nix verpassen
Kultur braucht kein Desinfektionsmittel
Lydia, 19, wusste schon als Kind genau, was sie machen wollte: pflegen, helfen, heilen. Als Krankenschwester was sie glücklich - bis ihre Hände anfingen zu jucken.
Auf die Plätze
Im Ostseeurlaub ist meine vierjährige Schwester die Steintreppen hinuntergestürzt und hat sich die Knie aufgeschlagen. Ich war damals 14, hatte keine Ahnung, wie ich ihr helfen konnte. So hilfl os wie in diesem Moment wollte ich kein zweites Mal sein: Also sprach ich mit Leuten, die irgendwas mit Medizin machten und fasste den Entschluss, dass Kinderkrankenschwester genau das Richtige für mich wäre.
Fertig
Eine Ausbildungsstelle habe ich mit meinem sehr guten Realschulabschluss ganz fix gefunden. Im blauen Gewand und dem Anstecker „Schülerin Lydia“ huschte ich über die Flure der Universitätsklinik Leipzig. Die Kinder wecken und füttern, kleine Patienten betreuen, das war genau mein Ding. Ich lernte tatsächlich meinen Traumberuf! Nur eines war komisch: Meine Hände juckten ständig, wurden rot und bekamen Risse. Erst dachte ich, das würde wieder weg gehen und versuchte, es zu verstecken. Bis mich eine Kollegin ansprach, weil ich kaum noch ohne brennende Schmerzen meine Hände desinfi zieren konnte. Bei mir wurde eine Allergie gegen Desinfektionsmittel festgestellt – dabei ist Hygiene eine Grundlage fürs Arbeiten im Krankenhaus. Das wars dann mit dem Traumberuf.
Los
Nur wenn ich an meinem Krankenhaus vorbeikomme, verkrampft sich mein Herz immer noch. Aber nur kurz: Inzwischen hole ich mein Abitur nach, um in drei Jahren ein Koreanistik-Studium beginnen zu können. Darauf freue ich mich, denn das Land und die Kultur interessieren mich extrem – und Desinfektionsmittel wird dabei wohl keine Rolle spielen.
Text: Robert Weinhold
Illustration: Juliane Dorn
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