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Nix verpassen
Langos, Lederhosen und Gartenzwerge
Heimat ist ein seltsamer Begriff. Er klingt immer ein bisschen nach Heidi, Volkstanzfesten und Sehnsucht nach den guten, alten Zeiten.
Im coolen Berlin findet der Begriff „Heimat" kaum noch Verwendung. Heute spricht man – will man sich nicht blamieren – lieber von seinem Ghetto, seiner Hood oder allerhöchstens noch von seinem Kiez. Im Grunde sind das alles nur neue Begriffe, um seinen Lokalpatriotismus und seine emotionale Verbindung zu einem Ort zu beschreiben.
Doch was macht unsere Heimat überhaupt aus?
Wir reisen herum, lernen Sprachen und essen Sushi, Langos und Falafel, wie es uns gerade gefällt. Deutsche Klischees wie Lederhosen und Gartenzwerge treffen nur noch auf Wenige zu und auf die Vorurteile, die vielleicht noch stimmen wie Sonntagsbrötchen und Pünktlichkeit, wollen wir uns nicht reduzieren lassen. Auf unsere jüngste Geschichte sind wir nicht stolz, sondern tun alles, damit sie sich nicht wiederholt. Wenn wir im Ausland gefragt werden, was so typisch Deutsch ist, ringen wir um Worte, denn wir wollen mehr sein als Kartoffelsalat und Mauerfall.
Die Problematik des Begriffes Heimat ist in Deutschland eigentlich schon älter.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten Viele aus ihrer Heimat fliehen. Durch die Mauer wurden aus einem Land plötzlich zwei und dann 1989 wieder eins. Aus Bürgern der DDR wurden innerhalb weniger Jahre Bürger der EU und das eben noch so eng begrenzte Land war auf einmal riesig und voller Möglichkeiten. Wie soll man da noch eine Definition für Heimat finden, wenn nicht einmal die Landesgrenzen gleich bleiben?
Überall zuhause sein
Heute sind zwar unsere Landesgrenzen feststehend, doch alle Länder um uns herum stehen uns offen. Vielleicht gibt es im Zeitalter der Globalisierung bald keine Heimat mehr, weil wir überall zuhause sein können. Vielleicht geben wir das Daheimsein, die Sesshaftigkeit ganz auf. Vielleicht ziehen wir alle nur noch wie George Clooney in „Up In The Air“ von Hotel zu Hotel, ohne zu merken, dass wir soeben New York verlassen und Kapstadt betreten haben, weil Hotelzimmer eben überall gleich sind. Und vielleicht werden wir irgendwann dann nach zigtausenden gleichen Frühstückbuffets merken, dass wir doch wieder Sehnsucht bekommen – nach Sonntagsbrötchen, Volkstanzfesten oder unserem Kiez.
Foto: Lukas Habura
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Kommentare
Heimat ist da, wo man sich zu
Heimat ist da, wo man sich zu Hause fühlt.
Ich denke es kommt nichts dagegen an, wieder da zu sein, wo man aufgewachsen ist, wenn man einmal langeweit weg war.
„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin …“
Heinrich Heine.
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Heimat wichtig?
Ich finde es schön, dass viele Orte in Bezug auf ihre Kultur, das Essen usw. vielfältig sind. Als weltoffener Mensch kommt mir das sehr gelegen. Natürlich sollte man sich nicht schämen für seine Herkunft, da man dafür überhaupt nichts kann. Jedoch verstehe ich die Leute überhaupt nicht, die ihre Herkunft viel zu ernst nehmen (wovon es eine Menge gibt).
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hervorragender Text
ich bin sehr begeistert von deinem Text, Heimat ist sicherlich ein Thema, dass sehr viel in einem auslösen kann, und das sehr viel Diskussionsstoff bietet!
Aber auch wenn man unter Heimat wohl immer das Zuhause seiner Kindheit verbindet, kann man auch in der Ferne immer wieder eine neue Heimat finden
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