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Genug der Kohle im Ruhrgebiet?
Metropole "Ruhr" im Aufschwung. Kulturhauptstadt Europas 2010.
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Mein Block, deine Haltestelle

 
12.03.2010 - 15:14

Die Kulturhauptstadt Essen schreibt sich „Kultur durch Wandel, Wandel durch Kultur“ auf ihr Programm. Im Problem-Stadtteil Altendorf hinterfragen Jugendliche ihre Heimat in einem Theaterprojekt.

Ruhrpott-Impressionen

Tina war für SPIESSER.de im Ruhrgebiet unterwegs und hat sich angeschaut, was dort im Kulturhauptstadt-Jahr so los ist. Hier sind die Bilder dazu.

Die Haltestelle passt hier einfach nicht rein. Das ist David gleich aufgefallen. „Die ist so modern und edel“, sagt der 19-Jährige, der in Essen-Altendorf zur Schule geht. Es sei nicht so ein „Reichenviertel“, eher „schön hässlich“. Vor allem Jugendliche und Ausländer würden hier wohnen, meint David. Er selbst kommt aus einer „Tramperfamilie“, wie er sagt. Aufgewachsen ist er im ukrainischen Odessa, in London, in Holland und schließlich in Essen geblieben. Langsam läuft er durch die Straßen und erzählt von den Gefahren des Viertels. Hier sehe man auf offener Straße eiskalt, wie Leute Drogen und Mädchen sich verkaufen.

tina__2.jpg
David Saprykine findet Altendorf "schön hässlich". - Foto: Jan Blachura
Eine Reihe Dönerläden weiter, bleibt er vor einem Internetcafé stehen. Jeder wisse, dass hier krumme Dinger laufen. Es habe sogar mal eine „Callshop-Mafia“ gegeben. David weiß Bescheid. Er habe auch schon mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mädchen umgefahren wurde und gestorben ist. Bei diesem Satz blickt er zunächst ernst, dann lächelt er verschmitzt, wirkt etwas stolz. Er habe keine Angst. Frauen aber sollten sich nachts nicht allein auf die Straße trauen. Die Motorradgang, Drogenumschlagplätze, der Autofriedhof – klar, die gehören zum Viertel, aber warum nun diese komische Haltestelle?

Die Geschichte des Viertels

Neben einigen alten Zechen siedelte sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auch das Schwerindustrie-Unternehmen Krupp in Essen-Altendorf an. Die Fabriken wuchsen, tausende Arbeiter zogen in das Viertel, das noch heute zu den am dichtesten besiedelten der Stadt gehört. Während des zweiten Weltkriegs wurde das Viertel mitsamt der Industriegebiete jedoch weitgehend durch alliierte Luftangriffe zerstört. Heute bringt vor allem der Strukturwandel im Ruhrgebiet Probleme mit sich. Die Nachfrage nach deutscher Steinkohle verringerte sich durch billige Importe und die Nutzung anderer Energieressourcen, wie Kernkraft, drastisch. Seit Ende der 50er Jahre wurden daher zahlreiche Berg- und Stahlwerke geschlossen. In Altendorf kostete das vielen Menschen ihren Arbeitsplatz, insgesamt waren im Jahr 2009 laut der Stadt 13,6 Prozent der Essener arbeitslos. Viele beziehen Sozialhilfe oder ziehen dahin, wo sie Arbeit finden.

ThyssenKrupp kommt zurück

Die Haltestelle ist ein Zeichen der neuesten Veränderung in dem Stadtteil, "der im Moment wohl am meisten brummt", wie Brigitte Liesner aus dem Büro für Stadtentwicklung Essen meint. Ein Grund dafür ist wohl, dass ThyssenKrupp 2006 entschied seinen Konzernsitz von Düsseldorf zurück in das jahrzehntelang größtenteils brachliegende Industriegebiet zu verlagern. „Das hat sicherlich auch etwas damit zutun, dass Essen nun Kulturhauptstadt ist“, vermutet Liesner. Sie selbst ist der festen Überzeugung, dass sich der Konzern dafür einsetzen wird sich in den Stadtteil einzugliedern.

Daran zweifeln jedoch viele, denn der Neubau von ThyssenKrupp steht in krassem Kontrast zu Altendorf. Es scheint ein eigener Stadtteil zu entstehen, der komplett in der Hand eines Konzerns liegt. Viele können vielleicht nichts mit dieser „schicken Glitzerwelt“, die mit Altendorf wenig zutun habe, anfangen, meint Sascha Kölzow. „Was ändert sich damit für Bevölkerung?“, fragt er und möchte dem mithilfe Jugendlicher auf den Grund gehen.

Der 27-Jährige ist Produktionsleiter von Next Generation, einem Projekt des Schauspiels Essen, des Schauspielhauses Bochum, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kulturhauptstadt. In zehn Zukunftshäusern im Ruhrgebiet untersuchen Jugendliche ein Jahr lang ihren Heimatort, am Ende bringen sie ihre Erfahrungen auf eine Bühne, als Theaterstück, Film oder auch als Mädchenband. Eines dieser Zukunftshäuser ist in Altendorf.

Mehr zum Zukunftshaus auf Seite 2

Kommentare

Bild von little sunshine

wow

meiner Meinung nach richtig gut Geschrieben.

Ich weiß ja net ob es in dem Vierzel sooooo schlimm ist.
Und ich bin ja der festen Meinung, das jede Stadt auch mindestens ein nicht so schönes Viertel hat.

Aber gut geschrieben.
;D

Bild von marie

toll

ich kann sunshine zustimmen, schön geschrieben!

Bild von Paula I.

"Problem- Stadtteil"

... wenn es ein Spiesser.de Unwort des Jahres gäbe wäre das mein Vorschlag.