Schwimmnudeln für Schweinswale
Schweinswale würden keine Windkraftanlagen bauen. Ihnen sind die Rammschläge der Baumaschinen unter Wasser ein Graus. Ingenieure testen deshalb in der Ostsee neue Ideen - um den Krach in Grenzen zu halten.
Dieser Beitrag entstand
in Zusammenarbeit mit RWE.
Ba-Bumm. Die Journalisten auf dem Beobachtungsschiff gucken interessiert. Ba-Bumm. Der Ingenieur bemüht sich, die unterschiedliche Dichte von Wasser und Luft zu erklären. Ba-Bumm. Der Mann vom Radio lässt sein Mikrofon über der Wasseroberfläche baumeln. Ba-Bumm. Aus.
Schiffe waren mir ja noch nie so geheuer - aber im Dienste der Wissenschaft habe ich mich dann auf den schwankenden Schlepper namens "Hans" gewagt, der jetzt einige Kilometer vor der Küste um ein Ponton mitten in der Lübecker Bucht kreist. RWE-Ingenieur Fabian Winkler fährt mit Kollegen und Journalisten zum "Brodtener Pfahl", einem alten Stahlpfeiler. Er ist ein Überbleibsel einer Baufirma, die daran ihre Presslufthämmer ausprobiert hat.
Blasenschleier und Feuerwehrschläuche
Für Wale ist es ein Graus, wenn so eine Windkraftanlage im Meer gebaut wird: Viel zu laut für ihre zarten Ohren sind die Rammschläge der Baumaschinen. Deshalb erforschen Ingenieure jetzt in der Ostsee, was sie dagegen unternehmen könnten. Vor Lübeck probieren sie aus, mit welcher Technik der wenigste Krach unter Wasser entsteht. Energie-Blogger Theo ist mit an Bord gegangen!
Fotos: Theo Müller
An sich ist die Idee ja gut, einfach vor der Küste die Energieversorgung von uns Landbewohnern sicherzustellen. Windkraftanlagen erzeugen umweltfreundlichen Strom. Wenn sie das auch noch auf dem Meer tun und dabei weder Anwohner stören noch die Landschaft verunstalten - umso besser. Die nötigen Bauarbeiten veranstalten einiges an Lärm, allerdings unter Wasser. Die Gründungspfähle der Anlagen müssen tief in den Meeresboden getrieben werden, um der rauen See dauerhaft trotzen zu können. Dabei rammen riesige Hämmer mit ihren Schlägen den Stahl in den Schlick.
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Warum das ein Problem ist, wenn ihn doch kein Mensch hört? Speziell für Meeressäuger wie den ohnehin bedrohten Schweinswal ist der Baulärm eine Qual. Seine empfindlichen Ohren, die der Orientierung dienen, lauschen genau auf der Frequenz, in der die Geräusche von sich gehen. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, als würde man neben dem menschlichen Ohr ein paar Hundert Pistolenschüsse abfeuern. Dazu kommt: Unter Wasser breitet sich Schall noch schneller aus als in der Luft, weil die Dichte höher ist.
Um die Tiere besser zu schützen, gibt es in Deutschland inzwischen die Vorgabe, maximal einen Schalldruck von 160 Dezibel (dB) zu erzeugen. Immer noch mehr als ein startender Düsenjet, aber gerade noch erträglich für die Tiere. Dumm nur: Aktuelle Technik macht noch zehnmal mehr Krach.
An dieser Stelle setzen Ingenieur Winkler und sein Team an. Fast vier Millionen Euro haben sie ausgegeben, um in diesen Tagen fünf Prototypen zum Schallschutz unter realen Bedingungen in der Lübecker Bucht auszuprobieren. Fünf Konstruktionen werden nacheinander über den Brodtener Pfahl gestülpt. Dann hämmert ein Stickstoff-Presslufthammer auf den Pfahl, unter Wasser nehmen viele Mikrofone den Krach auf.
Jeden Abend holen die Techniker die Mikrofone aus dem Wasser. Die gesammelten Daten werden an die Universität Oldenburg geschickt, wo sie von einem Team von Wissenschaftlern bis Anfang nächsten Jahres ausgewertet werden. Am Ende, so die Hoffnung, wissen Sie, mit welchem Ansatz die Geräusche am besten gedämpft werden.
Vom Hafen in Travemünde ist das Schiff etwa eine Viertelstunde Richtung Brodten unterwegs. Dort steht vor der Küste ein alter Eisenpfahl im Meer, an dem die Tests durchgeführt werden.
Text und Fotos: Theo Müller









