Multikulti und Baguette

 
28.09.2011 - 16:07
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Kein Geld, keine Kängurus. Jelena wollte eigentlich nach Australien. Jetzt ist sie Au-Pair in Frankreich und nicht nur mit Baguette, sondern multikulti unterwegs.

„You miss your boyfriend a lot...you will have homesick...“, teilte mir meine Au-Pair-Vorgängerin Tatha in einer E-Mail in gebrochenem Englisch mit. Schon im nächsten Satz versuchte die Brasilianerin mich aufzumuntern „It's all normal!!! But learning a new culture, a new language...new places...teach something for kids...it's all amazing!!!“.

Soweit der Geldbeutel trägt
Jelena braucht 'ne Auszeit und fährt für ein Jahr ins franzöische Douvaine als Au-Pair.

Warum geht man wohl ins Ausland? Meistgestellte Frage, immer die gleiche Antwort: Ich will was erleben! In fremde Kulturen eintauchen! Und zwar bevor der Ernst des Lebens losgeht und bevor ich im Flugzeug Thrombosestrümpfe tragen muss. Und sofort öffnete sich ein Pop-up Fenster in meinem Kopf mit Kängurus, Surfern und der Oper von Sydney. Klar: Australien, das wär schon was, da trifft sich ja mittlerweile auch die halbe Welt. Leider ist das Loch in meinem Geldbeutel zu groß,  wie ich nach kurzer Recherche feststellen musste. Aber wohin dann? Mein Gehirn blockierte das Pop-up Fenster und verhängte eine sofortige Sperre für alle anderen, die traumhafte Bilder zu albtraumhaften Flugpreisen anboten. Ich musste mir mein Gastland wohl im alten Europa suchen.

Viele Wege führen nach Rom … äh Frankreich!

Ein rotes Fähnchen mitten in Frankreich
markiert J
elenas neues zu Hause.
Foto: privat

Trotz der zig Möglichkeiten - auch Europa hat einiges zu bieten- blieb für mich nicht viel übrig. Schließlich wollte ich die Sprache nicht erst komplett neu lernen. Also standen England, Irland, Spanien und Frankreich zur Auswahl. Und schon wieder öffnete sich das Pop-Up Fenster: diesmal mit Bildern vom Eifelturm, lila Lavendel und Patisserien. Frankreich hat mich schon immer fasziniert und Französisch gehörte zu meinen Lieblingsfächern in der Schule. Da sich das Land allerdings nicht sonderlich zum Work & Travel eignet und ich auch nicht so scharf drauf war, bei einem Freiwilligendienst die Gräber von im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten zu pflegen, fand ich schnell DIE Alternative: Au Pair! Denn wie kann man tiefer in die Kultur des Landes eintauchen, realer den Alltag erleben und seine Sprachkenntnisse verbessern, wenn nicht als Au Pair? Und da ich Kinder sowieso liebe, schien dies der ideale Job für mich zu sein.

Grâce à l'Internet braucht man heutzutage keine teuren Vermittlungsagenturen, um eine passende Familie zu finden. Es kostete mich nur wenige Google-Klicks, bis ich die Seite www.aupairworld.net fand, die eine Art Börse für Gastfamilien und zukünftige Au Pairs ist. Einige Monate dauerte es hingegen, bis eine Familie auch Interesse an mir hatte. Mit einem bisschen Glück fand ich – soweit ich das nach einigen Skype-Gesprächen und intensivem E-Mail-Austausch beurteilen kann – die coolste Familie, die es gibt!

Croissants, Baguettes et Savoir-Vivre

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Croissant und Milchkaffee zum Frühstück. Typisch französisch oder nur Klischee? Foto: Martina Taylor/ pixelio.de

Ob ich bei den Henrique van Weerens das wahre französische Leben, das savoir-vivre kennen lernen werde? Wohl kaum. Internationaler als die vier Douvainer kann man gar nicht sein. Meine Gastmutter kommt aus Brasilien, der Gastvater aus den Niederlanden. Mit ihren zwei Kindern (vier und sechs Jahre alt) leben sie in Frankreich und arbeiten in der Schweiz. Das Ehepaar unterhält sich auf Englisch. Die Kinder sprechen Französisch und verstehen ein bisschen Portugiesisch. Bei so viel kultureller Vielfalt kann ich mich nun wirklich nicht beklagen! Wo kriegt man schon sechs Länder in einem geboten? Und ganz nebenbei liegt das kleine Städtchen Douvaine an einem der schönsten Flecken Frankreichs. Andere machen dort Urlaub!

Das letze Hindernis

Das ganze klingt schon beinahe zu perfekt. Woher soll ich wissen, dass die Leute, die ich bei der kostenlosen Au-Pair-Börse gefunden habe, keine Betrüger sind? Schließlich kann sich dort jeder anmelden. Doch das Internetportal AuPairWorld ist durchaus eine seriöse Seite und gibt angehenden filles au pair eine ganze Reihe Tipps, um Betrüger zu entlarven.

Brecht auch ihr zu neuen Ufern auf? Dann schreibt doch für SPIESSER.de. Infos gibt's bei Redakteurin Alexandra.

Das einzige Hindernis das bleibt … bin ich. Mit jedem Tag, der mich Frankreich näher bringt, wird mir immer mehr bewusst, wie lange doch so ein halbes Jahr ist, wie sehr ich meine Familie und besonders meinen Freund vermissen werde. Sobald ich anfange, an meiner Entscheidung zu zweifeln, denke ich wieder an Tatha: „It's all normal!!!“ Dann bin ich mir sicher, das Richtige zu tun! Wenn ich nicht gehe, werde ich das irgendwann bereuen.

Kommentare

Bild von Robatt

Schick

Mit Frankreich kann ich persönlich nichts anfangen, aber schön, dass es dich dorthin zieht.

Schöner erster Blogeintrag, ich bin gespannt, ob das so weitergeht. Persönlich und "nah am Leben".

Und in Australien trifft sich nicht die halbe Welt, sondern ganz Deutschland und paar Franzosen. Von daher hast du in deiner Familie wohl wirklich mehr Internationalität als in Australien. :D

Viel Erfolg, einer, der mal in Australien war.

Bild von the.resel11

Frankreich ist schon geil.

Frankreich ist ein schönes Land, ohne Frage.
Ich bin gespannt wie es dir dort gefallen wird!!! Ich bin selbst gerade für einen Schüleraustausch in der Bretagne (seit einem Monat).
Ich wünsch dir mal das deine Familie auch das hält; was sie verspricht.!!! ;D

Bon courage.
eine; die gerade in Frankreich ist.

Bild von WendySt

Ich will auch nach USA!!

Ich will auch unbedingt nach USA!! Ich habe mich schon auf der seite http://www.aupairnet24.de/ Und jetzt warte auf eine amerikanische Gastfamilie!

Bild von The.Dom

bist du schon da?

Wann fährst du denn los? Oder bist du noch in der Planungsphase?
Ich für meinen Teil bin auch schon in Frankreich :D 2 Monate Schüleraustausch... Und ich kann dir sagen, die Zeit vergeht schneller, als du denkst, ich hab schon die Hälfte hinter mir und schon so viel erlebt und neue Leute kennen gelernt. Frankreich ist echt toll!
Hier treffen sich anscheinend alle Deutschen in Frankreich :D Salut et bon courage!

Bild von web-aupair.net

Familie mit eigenem Au-pair-Portal

Hallo, wir sind eine Au-pair-Gastfamilie aus Deustchland. Wir haben mittlerweile schon unser 3. Au-pair und sehr gute Erfahrungen mit dem Au-pair-Programm sammeln können. Gemeinsam mit unserem ersten Au-pair Katja haben wir ein eigenes Portal gegründet, wo sich Au-pairs und solche, die es werden sollen sowie Gastfamilien aus aller Welt suchen und finden können. Mittlerweile sind dort schon über 12.000 Mitglieder registriert - ein Erfolg, den wir uns hätten so nicht vorstellen können. Falls ihr Interesse habt, so schaut doch mal vorbei: http://www.web-aupair.net

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Beigetreten: 15.08.2011
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