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Socialvernetzwerkungsdings
Nix verpassen
Nehmt endlich den Fuß vom Gas.
Und wieder ist jemand gestorben. Wieder ist ein Fahranfänger, ein Teenager, bei einem Autounfall ums Leben gekommen, hier in der Gegend. Letzte Woche waren es vier.
Es häufen sich die Artikel in Zeitungen; inzwischen beginnen sie mit Sätzen wie „Die Serie der Autounfälle, bei denen Jugendliche ums Leben kommen, reißt nicht ab.“. Und mittlerweile ist das keine Übertreibung mehr, keine reißerische Methode, den Artikel interessant zu machen; es ist grausame Realität. Jugendliche, die erst seit kurzer Zeit fahren, nehmen Freunde mit, trinken vielleicht, werden übermütig und zack – das war’s. Fahrer, Beifahrer, Unbeteiligte – tot. Nur weil irgendwer es nicht schafft, sich selbst richtig einzuschätzen.
Und obwohl wirklich jeder es weiß, obwohl in einer Gegend wie dieser jeder jemanden kennt, der Bekannte hatte, die bei Autounfällen ums Leben kamen, ist ein Gedanke offenbar in den Köpfen festgesetzt: Mir wird’s schon nicht passieren. Doch dieser Gedanke, das sollte jedem klar sein, ist einzig ein Mittel, sich selbst die Angst zu nehmen, sich nicht zu sehr mit dem Thema auseinandersetzen zu müssen. Doch ab einem gewissen Punkt reicht es. Irgendwann muss man sich Gedanken machen, muss es persönlich sehen. Dieser Punkt ist bei mir inzwischen erreicht.
Vor knapp drei Jahren verstarb ein Freund einer Freundin meiner Schwester bei einem Autounfall. Auf dem Land macht ein solcher Vorfall schnell die Runde und entsetzt ganze Dörfer. Überall wurde darüber geredet, außer natürlich als „richtiges“ Thema in der Schule – außerschulische Themen kann oder will sich offenbar kein Lehrer mehr erlauben.
Seit diesem einen Vorfall reißt es nicht mehr ab. Im Gegenteil, es wird sogar mehr. Wo vor einem Jahr noch alle entsetzt waren, hört man heute nur noch ein „nicht schon wieder.“
Meine Schwester wird bald achtzehn. Alle ihre Freunde fangen jetzt oder in nächster Zeit mit dem Fahren an. Noch vor einer Woche, als wieder drei Menschen starben, darunter zwei Jugendliche, meinte sie: „Ich frage mich nur noch, wann es einer von meinen Bekannten ist.“
Dieses Wochenende war es soweit.
Und erneut stellt sich mir die Frage, warum es offenbar nicht verstanden wird, warum es scheinbar immer noch als cool gilt, betrunken zu fahren und sämtliche Verkehrsregeln zu missachten. Vermutlich gilt es nicht mal tatsächlich als cool. Es gilt lediglich als uncool, es nicht zu tun. Wie viele Jugendliche, die gerade feiern waren, sagen ihren Freunden im Auto schon, dass sie mal still sein und die Musik abstellen sollen? Wer hat schon Lust, Unmengen Geld für ein Taxi auszugeben oder gar Mami anzurufen, weil der eigentliche Fahrer eben doch ein paar gekippt hat? Zwei, drei Bier sind doch egal, kann man doch noch fahren.
Nein, es ist NICHT egal, nicht für routinierte Führerscheinbesitzer und erst recht nicht für Fahranfänger. Und auch, wenn das einige nicht gern hören: Seit zwei Wochen einen Führerschein zu besitzen, auch wenn man dank 17+ vorher schon Erfahrungen gesammelt hat, heißt nicht, dass man kein Anfänger mehr ist und sich alles erlauben kann. Und auch wer schon seit dreißig Jahren fahren darf, das scheinen einige gern zu vergessen, hat sich an Verkehrsregeln zu halten. Ob man Geschwindigkeitsbegrenzungen missachten darf, ist keine Frage von Fahrerfahrung oder Fähigkeiten! Es ist ÜBERHAUPT KEINE Frage. Warum scheinen das so viele zu glauben?
Nein, ich bin keine achtzigjährige Dame, die keine Ahnung von – was weiß ich was – Freiheit und Jugend und all dem Mist hat, ich will keine Killerspiele verbieten und ich schimpfe auch nicht über Menschen mit gefärbten Haaren. Ich mache mir lediglich meine Gedanken. Und ich bin entsetzt davon, dass jede Woche Jugendliche sterben, weil sie zu schnell fahren. Warum muss ich plötzlich Angst um meine Schwester haben?
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