Wohnzimmer im Retrolook

Vergangenheitsliebhaber

 
08.01.2012 - 13:43
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Studenten mit Retro-Brille, Besucher von Oldtimer-Treffen und Deep-Purple-Konzerten - alles nur rückwärts gewandte Realitätsverweigerer, die der „guten alten Zeit" hinterher trauern? Fabian verteidigt die Nostalgie.

Pro: Nostalgie


Schekker.de ist das Jugendmagazin der Bundesregierung. Jeden Monat gibt es ein neues Top-Thema und interessante Berichte aus Weitblick, Pro&Contra und Besserwissen.

Als Nostalgiker zählten über Jahrhunderte die von Heimweh und Schmerz geplagten Menschen. Das sind Nostalgiker heute nicht mehr, dennoch gelten sie weiterhin als wehmütig und hinterhertrauernd.

Oft spricht man von Gegenwartsflucht. Nostalgiker würden nicht nach vorne schauen, sondern seien rückwärtsgewandt und empfänden die Vergangenheit immer als die schönere und bessere Zeit, kritisieren viele.

Aber seien wir mal ehrlich. Liebhaber von VW-Bullis etwa leben genauso in der Gegenwart und sind noch lange keine Fortschrittsverweigerer nur wegen ihres Oldtimer-Faibles. Es geht ihnen genauso wie Freunden von Retro-Brillen oder alten Kleidern nicht um eine Flucht aus der Realität. Sie erfreuen sich ganz einfach daran in der modernen, digitalen, teils futuristischen Welt des Kapitalismus einen Hauch von Erinnerung, Tradition und Stabilität beizubehalten.

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Partys und Konzerte mit Musik der 1960er und 70er Jahre erfreuen sich einer großen Beliebtheit unter Studenten. Oldtimer-Treffen gibt es trotz Abwrackprämien, Traditionsrennen im Rad- und Motorsport finden in ganz Europa statt. Für Eisenbahnromantiker fahren zahlreiche Nostalgiebahnen durch die Länder. Und jedes Jahr werden neue Wanderstrecken ins Leben gerufen, so etwa eine Route auf den Spuren der geflüchteten Hugenotten und Waldenser um 1700.

Überhaupt ist der Blick in die Geschichte interessant, spannend und lehrreich. Wer nach vorne schauen möchte, sollte sich mit der Historie auseinandersetzen. Das gilt nicht nur politisch, sondern vor allem auch kulturell und künstlerisch.

Italienische Gemälde aus der Renaissance oder spanische Maler aus dem 19. und 20. Jahrhundert prägen bis heute nicht nur die Kunstszene. Im Prinzip sind wir alle Nostalgiker. Ob als regelmäßiger Museumsbesucher oder als Tourist auf Städtereisen. Wir staunen über Kirchen, Klöster und andere architektonische Wunderbauten aus Antike, Gotik, Renaissance oder des Barock.

Dass uns Menschen, Orte und Stile vergangener Epochen beeindrucken, heißt allerdings nicht gleich, dass wir auch gerne zu dieser Zeit gelebt hätten oder gar aus der Gegenwart und vor der Zukunft flüchten.

Warum früher nicht alles besser war? Lest die Contra-Seite von Christoph auf www.schekker.de!


Text: Fabian Vögtle

Foto: Christine Pauls / jugendfotos.de

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