Ohne uns läuft nichts

 
06.07.2010 - 20:50
Facebook:

Catrin ist Schiedsrichterin. Im Interview plaudert sie aus dem Nähkästchen, wie ihr Alltag aussieht. Außerdem weiß sie schon, wer die WM gewinnt.

Er hat vielleicht den schwersten Job auf dem ganzen Fußballplatz: Der Schiedsrichter. Wer foult wen? Wann zählt ein Tor und wann nicht? Der Schiedsrichter muss die volle Kontrolle übernehmen. Das ist gar nicht so einfach, weiß Catrin. Die siebzehnjährige Fußballverrückte besucht die 11. Klasse eines Gymnasiums und verreist gern. Außerdem geht sie regelmäßig ins Fußballstadion, denn als Schiedsrichterin kennt sie beide Seiten: die einer Spielerin, und die einer Schiedsrichterin.

Catrin, wieso bist du Schiedsrichterin geworden?

Ich war selbst mal aktive Fußballspielerin und mit ist mehrmals aufgefallen, dass es mehr männliche als weibliche Schiedsrichter gibt. Bei uns auf dem Platz haben selten Frauen gepfiffen, eigentlich immer nur Männer. Während eines Spiels kam mir dann der Gedanke, wie es wohl wäre, selbst Schiedsrichterin zu sein, und aus einer anderen Perspektive die Schiedsrichter und Spieler zu sehen. Ich habe mich bei einem Lehrgang in Lüdenscheid angemeldet und meine Schiedsrichter-Prüfung mit Erfolg bestanden. Damals war ich die einzige Schiedsrichterin in meinem Kreis.

Catrin zeigt Flagge

Olé olé oje: Wird die deutsche Nationalelf tatsächlich Weltmeister? Catrin ist sehr zuversichtlich: Sie kennt sich da nämlich aus. (Foto: privat)

Wie wird man denn Schiedsrichterin?

Zuerst muss man sich wirklich sicher sein, dass man SchiedsrichterIn werden möchte. Logisch. Dann folgt ein Lehrgang von 20 Stunden mit anschließender Prüfung. Der erste Teil ist der schriftliche Teil, in dem man Fragen beantworten muss. Im zweiten Teil muss man 50 m, 100 m und 1000 m laufen. Hat man das geschafft, darf man sich offiziell Schiedsrichterin nennen. Wenn ich bei lokalen Spielen gebraucht werde und Zeit habe, werde ich dann innerhalb meines Kreises eingeteilt.

Gab es bei dir schon mal eine Situation, in der du dir bei einer Entscheidung unsicher warst?

Natürlich. Es war eins meiner ersten Spiele, das ich gepfiffen habe. Ein Stürmer ist aufs gegnerische Tor zugelaufen und hat versucht, den Ball reinzuschießen. An sich nichts ungewöhnliches. Der Torwart haut den Ball, für mich nicht erkennbar, mit der Faust aus dem Tor, und die gegnerische Mannschaft beginnt daraufhin zu jubeln. Sie dachte eben, dass es ein eindeutiges Tor gewesen wäre. Ich aber habe anders entschieden!

Das gab ganz schön Stress mit den Kollegen. Wichtig ist einfach als Schiedsrichter, dass man an seinen Entscheidungen festhält und sich nicht von Spielern, Trainern und Eltern in die Irre führen lässt. Man muss einfach einen kühlen Kopf bewahren und darf keine Diskussionen mit Spielern eingehen. Sonst verliert man seinen Respekt als Schiedsrichterin.

 Catrin d. M.)
Kurze Teambesprechung, dann wird losgepfiffen: Der harte Alltag einer Schiedsrichterin beginnt! (Foto: Catrin d. M.)

Wann gibt's die größten Glücksgefühle?

Am meisten Spaß macht das Schiedsrichtern, wenn man ein positives Feedback von den Spielern bekommt. Ich bekomme mit jedem Spiel, das ich pfeife, mehr Selbstbewusstsein. Ich werde mutiger, gewisse Fouls mehrmals zu pfeifen und härter durchzugreifen. Mir macht das Schiedsrichtern überhaupt keinen Spaß, wenn es Mannschaften gibt, die nicht verlieren können und die es der gegnerischen Mannschaft mit Fouls gezeigt haben. Da bin ich manchmal echt froh, wenn so ein Spiel vorbei ist.

Kann man bei einem Spiel überhaupt unparteiisch sein? Ist es nicht menschlich, dass man manche Mannschaften sympathischer findet als andere?

Ja, das ist sehr schwer. Vor allem, wenn man vorher selbst aktive Fußballspielerin gewesen ist. Während der Schiedsrichterausbildung wurde mir schon beigebracht, wie ich am besten während eines Spiels unparteiisch bleibe. Ich darf zum Beispiel nie Körperkontakt zu den Spielern herstellen. Ich weiß schon vor dem Spiel, dass es keine Mannschaft geben darf, die ich mehr mag als die andere.

 Catrin d. M.)
Trööööt! Hat da jemand ein Foulspiel entdeckt? Eine Sauerei, sowas, da muss Catrin für Ordnung sorgen. (Foto: Catrin d. M.)

Kann heutzutage jeder Schiedsrichter werden?

Alle, die ein gutes Stück Selbstbewusstsein haben und unparteiisch denken können, denen würde ich empfehlen, das Schiedsrichtern mal auszuprobieren. Allerdings machen viele die Schiedsrichter-Ausbildung nur, weil man durch seinen Ausweis freien Eintritt in alle Bundesligaspiele hat! Der eigentliche Ruf des Schiedsrichters wird damit leider missbraucht. Wer sich überlegt, Schiedsrichter zu werden, sollte sich im Vorfeld ausführlich über Chancen und Aufgaben als Schiedsrichter informieren.

Was macht mehr Spaß: Selbst spielen oder Schiedsrichterin sein?

Beides kommt aus dem Bereich Fußball. Da ich Fußball liebe, bereitet mir beides riesigen Spaß, weil ich bei beiden Aktivitäten auf dem Platz stehe.

Die letzte und wichtigste Frage: Gewinnt Deutschland die WM?

Deutschland hat sehr gute Chancen auf den WM Titel, denn dass unsere Nationalmannschaft gut spielen kann hat sie ja gegen Argentinien bewiesen. Ich freue mich schon, wenn die Jungs den Pokal nach Hause bringen.
 
Teaserfoto: Torsten Bogdenand / pixelio.de

Kommentare

Bild von richie1401

Intelligent,

dass sie nicht unbedingt gesagt hat, dass die deutschen in dieser wm den pokal gewinnen. also ganz gut gelöst.

schade, dass deutschland nur den dritten platz hat... ;)

Offline
Beigetreten: 17.08.2009
Punkte: 6452020

Anzeige

Anzeige

Socialvernetzwerkungsdings

Anzeige

Anzeige