Physik lernt man doch nicht in der Schule!

 
06.08.2010 - 16:27
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SPIESSER-Autorin Tine war beim „MäTa“, dem Techniktag für Mädchen in Rostock. Dort traf sie auf fußballspielende Roboter und Jean Pütz.

Ich wünsche mir ein Navigationsgerät, als ich auf dem Campus der Uni Rostock ankomme und verzweifelt nach Haus 5 suche. Dort soll der 8. Tag der Technik eröffnet werden. Zum ersten Mal findet parallel dazu auch der Mädchen-Technik-Kongress statt. Frauen sind schließlich in den Naturwissenschaften immer noch in der Unterzahl.

Die Eröffnungsrede ist das klassische Bla-Bla von Rektoren und Sponsoren, das Publikum wirkt mäßig interessiert. Die Schüler und Schülerinnen sind im Schnitt 15 Jahre alt und brennen sichtlich darauf, endlich loslegen zu dürfen. Es wird getuschelt und unruhig auf den Stühlen umhergewackelt, denn alle haben doch schon gesehen, was auf sie wartet. In den Gängen, auf dem Gelände, überall machen Roboter, Technik und interessante Apparaturen Lust auf mehr.

Viereckige Seifenblasen
Origami-Bastelstunde

Die erste Station direkt nebenan ist das naturwissenschaftliche Spielzimmer. Viereckige Seifenblasen, Origami und Pendel fesseln die Schüler.

Auf dem Weg zum nächsten Hauptgebäude treffe ich auf die drei Sechstklässlerinnen Hannah, Carla und Stephanie, die den Tag genießen. Sie freuen sich, endlich mal etwas anfassen und selbstmachen zu können, statt immer nur zuschauen oder theoretisch arbeiten zu müssen.

Anfassen kann man beim Tag der Technik viel. Zum Beispiel die Roboter von Schülern des Gymnasiums Grimmen. Die treffe ich im nächsten Gebäude. Sie haben in der Schul-AG  Hindernisroboter gebaut, die durch Sensoren Hindernisse erkennen und diese dann umfahren. Etwa zehn bis zwölf Stunden brauche man, um einen Roboter zu bauen, erklärt mir einer der Schüler, dafür gebe es aber nicht einmal eine extra gute Note in Physik oder Informatik. Die Jungs und Mädchen basteln einfach aus Spaß.

Robo vor, noch ein Tor!

Roboter sind ohnehin DER Renner beim Tag der Technik. Es gibt sie in allen Formen und Farben. Nur ein paar Meter weiter gibt es fußballspielende Roboter zu bewundern. Die bewegen sich schon sehr präzise und können auch den ein oder anderen Ball im Tor versenken, das von Plüscheisbär Knut bewacht wird. Fertig programmiert sind die Robokicker aber noch lange nicht. Seit über einem Jahr tüfteln und bauen um die zehn Leute jede Woche und verfeinern die Technik immer weiter. Eine Neuerung sind die abgeklebten Hände, denn die Roboter verfangen sich mit den Fingern in den Maschen des Tornetzes und brechen sich dann die Finger. Zum Fußball spielen braucht man ja ohnehin keine Hände.

Hier gehts zur Bildergalerie

SPIESSER-Autorin Tine war beim Tag der Technik in Rostock unterwegs. Was es dort alles zu sehen gab, hat sie mit ihrer Kamera für euch festgehalten.

Wasser schneiden mit Jean Pütz

Der Star des Tages ist trotz all der künstlichen Intelligenz ein echter Mensch – Jean Pütz. Der Mann mit dem weißen Bart erinnert vom Aussehen ein bisschen an Albert Einstein. Nur die Brille ist fehl am Platz. Jean Pütz ist Wissenschaftsjournalist, er hat Mathe, Physik und Chemie studiert und erklärt nun die Welt der Wissenschaft mit lustigen und aufregenden Experimenten.

Man merkt kaum, dass er eigentlich Schulstoff behandelt. Es werden Löffel verbogen wie bei Uri Geller, Metronome in Gleichtakt gebracht und Wasser schnittfest gemacht. Besonders aufregend wird es, als Pütz ein junges Mädchen aus dem Publikum nach vorn bittet und ihr ohne Vorwarnung Tinte auf ihre weiße Jacke tropft. Den Tränen nahe sitzt sie wie ein Häufchen Elend neben mir. Aber der Maestro kann sie trösten. Er erklärt, dass dies Zaubertinte sei, die gleich wieder verschwinde. Und tatsächlich ist nach einer halben Minute nichts mehr zu sehen, Jacke und Mädchen sind gerettet. Wer jetzt vor lauter Spannung fast vom Stuhl rutscht und sich fragt, wie das möglich ist, dem empfehle ich einen Besuch auf Jean Pütz' Website. Dort könnt ihr die Erklärung und noch viele weitere Experimente finden.

Der Tag der Technik findet in ganz Deutschland in vielen Städten statt und gibt nicht nur Firmen und Institutionen die Möglichkeit, sich den Schülern vorzustellen, sondern auch die Chance zum Ausprobieren und Kennenlernen der Naturwissenschaften. Eine gelungene Abwechslung zum Schulalltag!

Weitere Informationen findet ihr hier:

Artikel und Bilder: Tine Heynatz
Teaserbild: Tine Heynatz

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der Initative „MINT-Zukunft schaffen“ erstellt.

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