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"Schönes geht oft zu schnell vorbei"

 
04.07.2011 - 17:19
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Herzschmerz ohne Schmalz – Clueso weiß genau, wie er uns berührt. Im Interview erzählt er von Songwriting, musikalischen Experimenten und seinem Debütroman.

 

Das Jugendmagazin reif erscheint zweimal im Jahr. Unter www.reif-magazin.de erscheinen zusätzlich regelmäßig Beiträge und Gewinnspiele.

reif: Deine Single heißt „Zu schnell vorbei“ – welches Gefühl hat dich zu diesem Song gebracht?

Clueso: Bei mir ist es generell so, dass ich zuerst eine Melodie im Kopf habe und dazu einzelne Wörter ausspucke. Erst später entstehen die kompletten Texte. Darum stecken in jedem Text viele tausend Emotionen. In „Zu schnell vorbei“ geht es um die Vergänglichkeit. Nur schöne Dinge können zu schnell vorbei sein. Nach einer Wurzelbehandlung sagt man nicht: Das war zu schnell vorbei.

reif: Der Song „Herz“ sticht wegen seiner elektronischen Untermalung heraus. Wie kam es zu diesem musikalischen Experiment?

Clueso: In den letzten Jahren haben wir bei Konzerten immer wieder auch elektronische Versionen der Songs gespielt. Außerdem sind sowohl unser Keyboarder als auch unser DJ regelmäßig mit elektronischen Projekten unterwegs. Ich fand es reizvoll, diese Ideen auch auf das Album zu bringen, dabei aber so spielerisch zu bleiben, dass es noch zu meinem Sound passt. In den ersten zehn Sekunden fragt man sich, wie sich der Beat wohl entwickeln wird, der bleibt aber ganz cool und reißt nicht aus. In dem Song geht es ja darum, dass unser Herz überall liegt: mal auf dem Balkon und mal auf dem Bett. Außerdem fällt der Begriff Herz selbst erst recht spät im Song. Durch den Beat spürt man aber, wie das Herz pocht. So kommen Songwriting und Elektro zusammen. Es geht also nicht darum, meine Musik clubtauglich zu machen, sondern wirklich um die Verstärkung des Songwriting.

reif: Du wagst dich auch an ganz neue Projekte. Letztes Jahr wurde dein Buch „Von und Über – Clueso“ veröffentlicht. Jetzt also Literatur?

Clueso: Die Buchidee stand schon lange im Raum, aber ich habe die Umsetzung ein bisschen vor mir hergeschoben. Wir hatten immer viele Fotografen mit auf Tour, wie etwa Tino Sieland, der unauffällig viele Momente festgehalten hat. Er ist total lustig und war der Band deshalb sehr nah. Gleichzeitig haben die Leute mitbekommen, dass ich im Hotel gerne Geschichten aufgeschrieben habe, und mich motiviert, das Schreiben auszubauen. Nach der letzten Tour war dann einfach der richtige Zeitpunkt für das Buch gekommen. Das schien eigentlich alles perfekt zu passen, bis ich angefangen habe, mein Album aufzunehmen. Da war es dann fast zu viel gleichzeitig, aber irgendwie auch geil. Ohne diesen Druck hätte ich wahrscheinlich nie so lange Geschichten schreiben können. Ich musste mich am Ende nur entscheiden, welche ich hineinnehmen kann und welche zu privat sind. Schließlich geht es nicht um eine fiktive Figur, sondern um mich.

Text: Birk Grüling, Foto: Christoph Köstlin

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