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Socialvernetzwerkungsdings
Nix verpassen
Hello und Selam, Hanse und Orient
Als meine Mutter zum Elternsprechtag erschien, fragte mein Lehrer sie nach einem kurzen Hallo: „Woher kommen Sie?“ Sie hebte ihre Tüte und Augenbrauen hoch und antwortete: „Vom Supermarkt.“ „Nee,nee. Ich meine ursprünglich“, fuhr er fort.
“Aus einem Bauch.“ Die verzweifelte Suche nach einem Ansatzpunkt meiner ethnischen Herkunft war damit beendet- zum Bedauern meines Lehrers, welcher mir nun keine interkulturellen Kompetenzen und multilinguale Erziehung positiv vermerken konnte.
Neulich wurde ich gefragt, als was ich mich genau ansehe, worauf ich erwiderte: „Ich bin eine lokalpatriotische, antifaschistische, sozialökologische, feministische, opportunistische Kosmopolitin.“ Ein Fragezeichen machte sich auf den Gesichtern bemerkbar, welches ich als Anreiz für eine Erklärung interpretierte. “Überall auf der Welt fühle ich mich zu Hause, aber meine Heimat ist und bleibt Hamburg. In der Hansestadt erblickte ich das Licht der Welt, besuchte eine Institution namens Schule und atme, lebe, fühle, bewege, rieche, tanze und lache ich. Sie ist mein lebenslanger Freund, der mir zwar nie Rosen zum Valentinstag, Komplimente zu meiner neuen Frisur oder einen unschuldigen Luftkuss geschenkt hat. Dafür hat mir Hamburg etwas anderes geschenkt: viele, verschiedene Gesichter, deren Namen Altona, Schnelsen, Harvestehude, Mümmelmannsberg oder Blankenese lauten.“
Wenn ich in der Schanze bin, begegne ich auf Macbooks einhämmernde, Cappuccino schlürfende Yuppies, exotische Feinkostladenbesitzer, wandelnde politische Parolen gen Rote Flora und junge, hipp gekleidete Familien in Dreier-Konstellation.
Wenn ich in Niendorf bin, sehe ich eine homogene Mischung aus Rentnern, Kleinfamilien, wenig Krawall, Jugend und Dreck. Wahrscheinlich befindet sich hier die Mysteria Lane der Desperate Housewives.
Wenn ich in Wilhelmsburg bin, breiten sich auf meiner Stirn Sorgenfalten aus. Denn es liegt innenstadtnah, besitzt industriellen Charme und einen Einwohnermix von kreativen, linken Freiberuflern bis hin zu sozialdemokratischen Arbeitern. Alarmglocken für die Gentrifizierung!
Die Fahrt von einem zum nächsten Stadtteil ist eine kleine Weltreise: Auf diesem urbanen Fleck tümmeln sich Menschen aus mehr als 180 Nationen! Auf dem Altonaer Spielplatz lernte ich als Fünfjährige immer neue Freunde, später deren Zuhause und Küche kennen. Meine Eltern bemerkten auf einem Kinderfoto: „Wenn Klein-Mina sich nicht in Altona herumgetrieben hätte, wäre sie damals nicht so verfressen gewesen!“ Wahrhaftig: Die kulinarischen Genüsse, tolerante Weltoffenheit, herzliche Gastfreundschaft. Damit rühmt sich Hamburg,meine Perle, im Gegensatz zum Schickimicki-München oder der Berliner Schnauze.
Wenn New York ein Melting Pot ist, dann ist Hamburg ein kunterbuntes Mosaik: Jedes Mosaiksteinchen ist einzigartig und bildet zusammengefügt ein großes Ganzes.
Man nehme meinen Freundeskreis als Beispiel: Taira, welcher die Japanische Schule in Halstenbek besucht, Vivi vom Lycée Français de Hambourg, Helena aus Burma, die auf dem katholische St. Ansgar ist und ich, die das hamburgweit einzige Gymnasium mit Ziegen, Hühnern und demnächst Eseln besucht.
Unterschiedlicher könnten wir nicht sein, aber alle gemeinsam teilen wir die Vorliebe für Fatih Akin-Filme, Samy Deluxe, Kampnagel und das Molotow. Grausam erscheint uns die Vorstellung in eine ostdeutsche Provinz zu ziehen, die jegliches Lebensgefühl und jugendliche Aufbegehren erstickt. Ständig tragen wir Hamburgs Jungen und Mädchen eine gewisse Arroganz zur Schau und müssen bei einer Frage nach unserem Wohnort nur „Hamburg“ nennen, sodass jeder Bescheid weiß und nicht die geografische Lage erforschen muss wie„Hab´noch nie davon gehört. An welcher nächst großen Stadt liegt das?“.
Neulich war ich bei einer Veranstaltung, in welcher von sechzehn Jugendlichen insgesamt vier einen Migrationshintergrund hatten, wenn man dies nach dem Namen beurteilt. Die Reaktion einer Niedersächsin sah wie folgt aus: „Oha, so viele Ausländer! Das gab es noch nie bei mir.“ -“Schätzele“, entgegnete ich ihr, „das ist Hamburg. Verdammt heterogen, hast dich nicht versehen.“
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