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Nix verpassen
Spannungsfeld Bundeswehr
Bundeswehrsoldaten treffen auf junge Journalisten. So geschehen beim 118. Jugendpresskongress in Strausberg. Ruth war dabei und berichtet von ihrem Treffen mit der Soldatin Danielle.

Der Stabsgefreite muss den Jung-
journalisten Rede und Anwort stehen.
Danielle Tabor lächelt. Draußen ist es recht kalt, doch sie bleibt tapfer neben dem Sanitätswagen stehen. Ich bin nicht die Erste, der die 23-jährige von ihrem Alltag als Soldatin berichtet. Wie viele andere Jugendliche bin ich zum 118. Jugendpressekongress der young leaders GmbH in Strausberg Nord bei Berlin gekommen, um das Handwerk des Journalismus zu erlernen. Thema unseres Treffens: „Neue Bundeswehr – neue Chancen für junge Leute“.
Langweilig? Ganz im Gegenteil. Viele Deutsche haben zur Bundeswehr ein angespanntes Verhältnis. Steht sie für unverzichtbare Verteidigung und gute Ausbildung oder für Krieg und Geldverschwendung? Für Jugendliche bedeutet das konkret: Will ich eine Ausbildung bei der Bundeswehr? Danielle Tabor ist Pro und Kontra in Person, in ihren Ansichten spiegelt sich das wider, was die Bundeswehr für mich zu einem umstrittenen Thema macht.
Hauptgefreite, Obergefreite, Auslandseinsatz?

Danielle und ihre Kollegen im Einsatz
Als Hauptgefreite befindet sich die 23-jährige in der untersten Laufbahn. In dieser sogenannten Mannschaftslaufbahn kann sie noch bis zum Oberstabsgefreiten aufsteigen. Bevor sie ihre Karriere bei der Bundeswehr begann, schloss Danielle eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ab. Nach genau zwei Jahren und vier Monaten war jedoch Schluss mit ihrer Arbeit als Verkäuferin, der Berufsalltag war ihr zu langweilig geworden. Sie entschied sich, zur Bundeswehr zu gehen.
Nun steht die Soldatin, an die Tür des Sanitätswagens gelehnt da, und erzählt über sich, nie aufdringlich, eher formell als begeistert. Der Sanitätswagen dient uns nur als Kulisse, ihr Arbeitsalltag ist eher „ein Bürojob“. Danielle ist zum Beispiel für Akten und Versetzungsanträge zuständig. Wenn Abwechslung in ihren Arbeitsalltag kommt, dann ist es „so wie das hier“. Sie spricht dabei vom Jugendpressekongress, der in der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation stattfindet. Die Brandenburgerin freut sich auf jeden Arbeitstag, auch wenn sie dessen Ende am meisten schätzt. „Man kommt viel rum, lernt viele Leute aus ganz Deutschland kennen.“ Danielle Tabor lebt einen einseitigen, zuweilen aber durchaus abwechslungsreichen Alltag.
Für immer Bundeswehr?

Welche Karriere kann Danielle noch
bei der Bundeswehr verfolgen?
Danielle ist sich nicht sicher, wohin ihr Weg führen soll. „Einen Auslandseinsatz würde ich schon gern machen, vielleicht nicht gerade in Afghanistan.“ Dieses Kriegsgebiet scheint ihr durchaus gefährlich. Danielle Tabor hat sich für vier Jahre verpflichtet, vier Jahre, in denen sie bundesweit mobil sein muss. Auf einen Einsatz im Ausland kann sie sich bewerben. Der Kosovo reizt sie. Aber nach den vier Jahren Pflichtzeit, was dann? „Tja,“ sagt sie nachdenklich, „Das weiß ich noch nicht“. Als Frau hat sich Danielle Tabor nie anders behandelt gefühlt, im Sanitätsdienst arbeiten ohnehin viele Frauen und mit der Gleichbehandlung stehe es in der Bundeswehr sehr gut.
Ideal hält sie die Arbeitsbedingungen noch nicht. Danielle erzählt mir, sie könne sich momentan keine Partnerschaft vorstellen. „Das wäre zu stressig, zeitlich gesehen.“ Die blauen Augen schauen mich nachdenklich an. Wie geht die Öffentlichkeit mit Soldaten um? „Nicht nur positiv“, sagt sie schließlich, „manche Soldaten werden beleidigt. Wir müssen auch einstecken können.“ Das Motto der Bundeswehr, „Wir. Dienen. Deutschland.“, kann sie nur bestätigen: „Tja, ist ja so.“ Sie lächelt und blickt in das Innere des „Krankenkraftwagens“, dessen Hecktüren immer noch weit offen stehen, und lässt mich mit gespaltener Meinung zurück.
Text: Ruth Appel
Fotos: Jan Pasewald
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