Unfreiwillig beim Southside
Sophie ist die unpassendste Person, die jemals auf einem Rockfestival war. Sie war trotzdem da. Lest von ihrem Selbstversuch.
Sophie mag eigentlich keine Festivals...Es regnet in Strömen, der schlammige Boden ist mit Müll bedeckt, die Temperatur gefühlt im zweistelligen Minusbereich. Aber all das kann einen Rockstar wie Danko Jones – der Mann, der bald „den Musikolymp erklimmen und dort auf all die Motherfuckers runterschauen“ wird (Danko Jones über Danko Jones) – nicht von seiner Mission abhalten. Zu ohrenbetäubend lauter Musik hüpft der Sänger – Typ: korpulenter Lederjackenträger – über eine riesige Bühne. Zehntausende Menschen davor hüpfen mit. So begeistert, dass der Matsch meterweit spritzt – meist auf mich.
Denn ich bin auch da. Da, wo Danko Jones ist, nämlich auf dem Southside-Festival im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck. Allerdings weder hüpfend noch freiwillig. Mein Freund Moritz ist Festival-Fan. Ich bin Fan von ihm, daher musste ich mitkommen. Leider bin ich die ungeeignetste Person, die jemals auf einem Rockfestival inklusive Campen, Dixi-Klos und Dosenravioli war: Mit 24 Jahren habe ich immer noch ein Poster von Robbie Williams am Schrank hängen. Außerdem mag ich kein Bier und besitze nur rosafarbene Gummistiefel, auf denen der Stadtplan von Hamburg abgebildet ist.
Die Gummistiefel fand ich drei Minuten lang witzig
„Die gehen nicht“, teilt Moritz mir mit, als wir fürs Southside packen. Was dagegen gut geht: Zwei Gläser Nutella, drei Paletten Bier, vier Packungen Würstchen, fünf Rollen Toilettenpapier – unsere Ausrüstung für vier Tage Festival. Die spontan auf drei schrumpfen, als wir am Abend den Wetterbericht schauen: Dort warnt ein liebenswürdig lächelnder Herr eindringlich davor, in den Schwarzwald zu fahren. Da seien in der nächsten Nacht 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zu erwarten. Neuhausen ob Eck ist tiefster Schwarzwald. Ich quengele so lange, bis Moritz zustimmt, erst Freitag zu fahren. Meine Vorfreude bewegt sich im nicht mehr messbaren Minusbereich.
Schlamm ohne Ende.Was sich kaum ändert, als wir schließlich beim Festival eintreffen. Denn schon der Parkplatz versinkt im Schlamm. Das Festival findet auf einem mitten im Wald gelegenen Militär-Flugplatz statt. Am Ende der Landebahn befindet sich das eigentliche Festivalgelände, mit Fress- und Bierbuden, Sanitäterzelt und vier Bühnen.
Aus der Ferne hören wir Jack Johnson singen, während wir den letzten freien Fleck Erde auf dem Zeltplatz finden. Leider direkt neben den Dixi-Klos. „Wenigstens haben wirs dann nicht weit zur Toilette“ – ich beschließe, mich zu freuen. Klappt nicht. Klappt noch weniger, als ich unsere Nachbarn sehe: Drei Jungs, die vor ihrem Zelt auf Klappstühlen hocken. Zwei von ihnen trinken entspannt ein Fass Bier leer, der dritte ist bereits dermaßen entspannt, dass sein Oberkörper in einem ungesund aussehenden Winkel seitlich weggekippt ist. Ich würde auch gern seitlich wegkippen. Ins Auto, um ohne Umwege wieder nach Hause zu fahren.
Dieses „Ding“ von einem Festival hat auch was Gutes
Allerdings spielen gleich The Strokes. Eine von zwölf Bands, die auf dem Southside auftreten und deren Musik ich kenne. Insgesamt spielen an den drei Tagen 80 Bands. Anders gesagt: 68 davon haben bisher in meinem Leben keine Rolle gespielt. The Strokes aber schon, daher muss die Heimfahrt doch noch bis nach dem Konzert warten. Wir machen uns auf den Weg zur Bühne und kämpfen uns auf einen Platz vor, von dem aus man Sänger Casablancas in der Ferne schemenhaft erkennen kann. Der erscheint gemäß dem Rockstar-Klischee und zu Beginn auch etwas verwirrt: Er wünscht allen viel Spaß, hier „at this ... thing“.
Das gibts auch noch:
Vanessa war für uns bei Rocken am Brocken
Hurricane Festival: Nachbericht von SPIESSER-Nutzerin Verena
Birks Festival-Highlights 2010;
Bildergalerie und Artikel zum Wave Gotik Treffen in Leipzig;
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Kommentare
Sehr cooler Bericht. Bin
Sehr cooler Bericht. Bin begeistert. Schaue jetzt bei wikipedia nach wer Danko Jones ist.
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*-*
Ja, der Bericht ist super!
Ich würd' zu gerne mal hingehen, aber naja...
Ich schätze da machen meine Eltern nicht mit :D
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YEAH!
Was für ein geiler Text! :)
"Es regnet in Strömen, der schlammige Boden ist mit Müll bedeckt",
klingt für mich nach Paradies, denn SO MUSS DAS SEIN, harhar!
Du hast jetzt, neben deinem Freund, einen neuen Fan: Mich!
Fantastisch.
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Weltklasse!
Was'n geiler Text.
Etliche Stellen, an denen ich schmunzeln musste.
Sehr schön locker geschrieben. Ein Text, der einen bis zum Ende mitzieht - und das online!
Vollsten Respekt dafür.
Mal gucken ob ich in den nächsten Tagen meinen Festivalbericht für die "Haltestelle Woodstock" fertig bekomme.
Vielleicht sieht man sich ja auf dem nächsten Festival. :)
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