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SPIESSER.de Autorin Resi hat eine Gesprächsrunde mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und verschiedenen Berufsanfängern besucht. Das Thema: „Ist jeder seines Glückes Schmied?“.
Danach hat sich Herr Lammert exklusiv der Fragerunde mit SPIESSER.de, Das Parlament, der Berliner Morgenpost und der Berliner Zeitung gestellt. Das Thema: Wehrpflicht.
Hier könnt ihr euch die Debatte mit Herrn Lammert noch einmal anschauen.
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Und hier das Interview:
Berliner Morgenpost Wie stehen Sie zur Wehrpflicht? Reicht in Deutschland nicht auch eine freiwillige Armee?
Norbert Lammert Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, weil zwischen dem was ich mir wünsche und dem, was ich für durchsetzbar halte eine Diskrepanz besteht.
Momentan ist die statistische Lücke zwischen denen, die pro Jahrgang prinzipiell wehrpflichtig sind und denen, die tatsächlich ihren Dienst leisten immer größer wird. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das mit unserer Verfassungslage vereinbar ist. Die Wehrpflicht wird nach der Verfassungslage mit der Verteidigung des eigenen Landes begründet. Die Mehrzahl der Einsätze der Armee hat aber mit internationaler Konfliktlösung zu tun. Insofern ist das Thema komplex. Aber wenn die Frage ist: „Sind Sie für Wehrpflicht oder dagegen?“, lautet meine Antwort: Ich bin dafür, da mir eine Wehrpflichtarmee lieber ist als eine reine Berufsarmee.
SPIESSER.de Denken Sie, dass eine Berufsarmee zustande kommen würde, wenn es keine Wehrpflicht gäbe?
Norbert Lammert Die Sorge, dass wenn es keine Wehrpflicht gäbe, die Soll-Stärke der Armee nicht erreicht werden könnte, habe ich nicht. Umgekehrt: Die Erfahrungen der Länder, die die Wehrpflicht abgeschafft haben zeigen, dass sie kein quantitatives Problem haben, ihre Positionen zu decken.
Das Parlament Es gibt aber auch genügend Leute in Deutschland, die sich von einem befreundeten Arzt eine Erdnussallergie bescheinigen lassen, um nicht antreten zu müssen
Norbert Lammert Ob und wie viele junge Leute chronische Krankheiten vortäuschen, darüber will ich gar keine Spekulationen anstellen. Mir reicht für die Verdeutlichung meines Problems der statistische Unterschied, den ich vorher schon erwähnt habe.
Berliner Zeitung Ist denn die Bundeswehr für junge Leute attraktiv?
Norbert Lammert Ich fand meine Wehrpflichtzeit überhaupt nicht attraktiv. Ich glaube auch meine Kompaniechefs und Spießer hatten mit mir nicht viel Freude. Trotz meiner eigenen Erfahrung möchte ich lieber eine Wehrpflichtarmee als eine reine Berufsarmee in Deutschland haben. Irgendwann muss man sich auch die Frage beantworten: Wer soll eigentlich das, was wir von diesem Gemeinwesen erwarten, leisten? Wenn jeder gute Argumente hat, warum gerade er selber auf gar keinen Fall kann, dann ist die Antwort schwierig.
Das Parlament Es gab damals schon die Möglichkeit, Zivildienst abzuleisten. Warum haben Sie sich für den Wehrdienst entschieden?
Norbert Lammert weil ich vom Naturell her für die allermeisten der Zivilen Dienste noch weniger gebaut bin. Dafür brauch man auch ein gewisses Maß an Veranlagung. Ich glaube, ich war dann immer noch ein besserer Soldat als Altenpfleger oder Behindertenbetreuer.
SPIESSER.de Was hat denn ein Altenpfleger oder Behindertenbetreuer, was Sie nicht hatten?
Norbert Lammert Man muss ja zwischen den hunderten, tausenden von Tätigkeiten, die es in unserer Gesellschaft gibt unterscheiden. Es gibt Menschen die haben ganz unmittelbar mit anderen Menschen zu tun, und andere eher mit Technik oder mit Maschinen oder mit Papieren. Und dass die Neigungen und auch die Begabungen oder die natürlichen Veranlagungen von Menschen für das ein oder andere unterschiedlich sind, das zeigt jeder flüchtige Blick durch den eigenen Bekanntenkreis.
Berliner Zeitung Letzte Frage: Wie überzeugt Politik junge Wähler?
Norbert Lammert Die Frage kann ein 20-Jähriger besser beantworten, als ein 60-Jähriger. Wie soll ich die Frage beantworten: Überzeugt den durchschnittlichen 20-Jährigen das was die Politik macht? Ich glaube, so allgemein gefragt ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die Mehrheit sagen würde: Nö, überzeugt uns natürlich nicht.
SPIESSER.de Aber ist das nicht ein bisschen traurig?
Norbert Lammert Traurig, aber wirklichkeitsnah. Das meine ich weder ironisch noch zynisch. Wir leben nicht in einer perfekten Welt.
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