Vietnam – das Reich der Motorroller
Auslands-Blogger Markus legte sich in Vietnam unfreiwillig mit acht Millionen Mopeds an. Sein Fazit? Augen zu und durch!
Stellt euch vor: Ihr steht an einer achtspurigen Hauptverkehrsstraße an der Ampel. Es ist rot. Kurze Zeit später wird grün und ihr geht los. Nach einigen Minuten kommt der Notarzt und schaut, ob die Reifenspuren auf eurem Körper größere Schäden hinterlassen haben. Ja, was ist denn da los?
Das Moped – Quelle des Lebens
Familienkutsche Motorroller.
Ampeln haben in Vietnam etwa dieselbe Bedeutung wie der Buddhismus in Mecklenburg- Vorpommern. Ob rot, ob grün, ob blinkend oder ausgeschaltet, der vietnamesische Verkehr folgt nur einer einzigen Regel: hauptsache durch. Anhalten bedeutet Stillstand und das passt so gar nicht zu den umherwuselnden Menschen zwischen Hanoi und Saigon. Milliarden Yamahas und Hondas brummen 24 Stunden über Autobahnen, in Hinterhöfen oder sogar in der Hotellobby. Wie Ameisen umschlängeln sie jedes Hindernis, sei es den weißen BMW der neureichen Nachbarn oder den altersschwachen Handkarren des Ananasverkäufers. Der Motorroller passt sich den vietnamesischen Straßenverhältnissen bestens an, kommt er doch in jede noch so kleine Gasse. Und außerdem stellen bis zu sechs Personen auf dem Roller keine Hürde dar. Damit steht auch dem entspannten Familienurlaub nichts im Weg.
Dem Tod in die Hupe gehört

In Saigon, schätzt man, summen bei etwa sieben Millionen Einwohnern acht Millionen Mopeds durch die Adern der Stadt. Es gilt: Hupe, wer kann. Denn das verschafft Respekt oder so etwas Ähnliches. Taxis hupen Roller von der Überholspur, Roller hupen Fußgänger vom Bordstein und alle hupen sich gegenseitig außer Todesgefahr. Wer nicht hupt, hat den Kampf um die Vorherrschaft auf Kreuzungen verloren. In letzter Zeit ist allerdings eine gewisse Gleichgültigkeit gegen das effiziente Volltröten der Verkehrsteilnehmer zu beobachten, die in kinoreifen Horrorszenarien mündet: Der überfüllte Bus drängelt auch dann das Moped noch nach links, wenn der mit Kratzern übersäte Mercedes den Roller Richtung Bus schiebt. Was bleibt: Initiative ergreifen und Lebenswillen zeigen!

Augen zu und durch
Ein besonders heiteres Kapitel ist der vietnamesische Überlandverkehr. Auf einer illustren Fahrt Richtung Hauptstadt durfte ich live dabei sein, als es hieß: Ich sehe etwas, was du auch siehst und es nennt sich Lebensgefahr. Auf der Landstraße gehört es neben dem Hupen beim Drängeln oder Überholen zum guten Ton, den Gegenverkehr zu ignorieren. Unser Minibusfahrer fuhr also mit maximaler Geschwindigkeit so nah an den zu überholenden Laster heran, dass nicht mal mehr ein Blatt Papier dazwischen passte . Nach kurzem Hupen und einem flüchtigen Blick in den Rückspiegel, riß er das Lenkrad nach links und scherte großzügig in den Gegenverkehr. Innerlich verabschiedeten wir uns schon von unserem kurzen Leben.
Doch es kam anders: Kein Krachen, kein Blut. Warum nur? Die Vietnamesen sind erfinderisch – es gilt die Devise „aus 2 mach 3“. Der entgegenkommende Reisebus nutzte einfach Grasstreifen und Feld, um eine dritte Spur zu eröffnen. Das System funktioniert! Ab und an zogen wir die Vorhänge allerdings noch einmal zu, wenn uns wieder ein 18-Tonner frontal entgegenkam.
Also: Reisende mit niedrigem Blutdruck oder sonnigem Gemüt dürfen sich auf ein wenig Action in den Adern freuen!
Fotos: privat
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Kommentare
Ich glaube ich würde vor Angst sterben.
:D
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Klingt ganz schön spannend :D
Was machst du eigentlich in Vietnam?
Ich überlege seit längerem mal hinzufahren, irgendwelche Tipps? :)
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Einfach treiben lassen :)
Hi erdhummel,
aaaaalso ganz wichtig: Alle Vorstellungen von Europa fallenlassen. Und wenig Geld mitnehmen :P. Nein, also das würde hier den Rahmen sprengen - wenn du immer noch nach Vietnam fahren willst, dann schreib einfach mal ne Nachricht :). Schalom.
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xD
Der Tip des Reiseleiters war: "Gleichmäßig gerade aus gehen, nicht schneller werden, nicht stehen bleiben und um Gottes willen nicht zurück laufen!" Die einzige Sorge bleibt dann nur, dass sich ein europäischer Fahrer dazwischen befindet der auch dann über den Haufen fährt, weil er das System "vorbeifahren" nicht versteht. ^^
Das geilste Urlaubsbild: Mutter mit Highheels, Opa hinten drauf, Kind zwischen den Beinen, Kind auf dem Schoß, Kind auf dem Rücken und irgendwie passte da noch die Schwester oder die Freundin mit rauf. o-o
Fanden sie es bei dir auch so toll, dass Deutsche dort Urlaub machen und wollten von dir, dass du Werbung machst? :D
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