Vertretungsstunde mit Thomas Hitzlsperger: Vorurteile fällen
Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger hat fünf Jahre in England gespielt und muss es also wissen: Sind Engländer randalierende Säufer? Manche schon, sagt er in der SPIESSER-Vertretungsstunde zu Klischees über die Briten und Britannien.
You are missing some Flash content that should appear here! Perhaps your browser cannot display it, or maybe it did not initialize correctly.
„Ich hatte nie Zeit, mit Mädels Zeit zu verbringen“
Am Rande der Vertretungsstunde im Stuttgarter Schickhardt-Gymnasium gab uns Thomas Hitzelsperger ein Interview. Darin erzählt er von seiner eigenen Schulzeit.
12:25 Uhr Die haben doch einen an der Waffel! In der ersten und zweiten Pause gibt es heute am Schickhardt-Gymnasium in Stuttgart einen außerplanmäßigen Waffelverkauf als Teil des VfB-Mottotag: "Kommt alle in rot-weiß!". Eine Extrawurst bekommt Thomas Hitzlsperger. In Jeans und Hemd betritt er perlweißlächelnd die Schule. Erster Eindruck: Vollsympath, dieser "berühmte Sportler", wie ihn Rektor Frietjof Stephan der 10. Klasse ankündigt. Schüler Simon erhöht in hervorragendem Schwäbisch.
Thomas Hitzlsperger, 25, ist das jüngste von sechs Geschwistern. Aufgewachsen im bayerischen Forstinning beim ortsansässigen Verein für Ballspiele geht es erst zu den Bayern (1989) und dann auf die Insel (2000). Dort steigt er in den Fußballadel auf und verdient sich strammen Schusses den Beinamen "The Hammer". Inzwischen ist er Nationalspieler und hämmert auch im Ligabetrieb wieder auf heimischem Rasen, beim VfB Stuttgart. Fürs Panini-Album zum Nachtragen: 75 kg, 1,83 m, Rückennummern 11 (Stuttgart) und 15 (Nationalelf).
Bushido, Jan Delay und alle anderen Vertretungsstunden findet ihr in der Übersicht!
Simon Der Bäschte!
Mehr Vorschuss gibts nicht, ran an die Gruppenarbeit. Das Thema: Vorurteile über England und Engländer finden und aufschreiben – in englischer Sprache. Die Stifte quietschen, Folien werden mit schludriger Schreibschrift betextet. Nicht ganz ohne Hürden.
Kay Was heißt noch mal Leben auf Englisch?
Fünf Minuten haben die Teams Zeit. Rektor Stephan verpasst die Gunst der Gelegenheit und verschweigt Hitzlsperger, was er dem SPIESSER vor der Stunde gef lüstert hat: Er ist eigentlich KSC-Fan und mag den VfB deswegen so gar nicht. Au Backe! Und noch einer schweigt: Simon soll mit Malika das Ergebnis seiner Gruppe vorstellen, lässt sie aber die ganze Arbeit machen.
Malika English people drink a lot of alcohol and tea, they have a black sense of humor, love cricket and football and they don t like Germans. The food and the weather in Great Britain are really bad and most of the British football fans are aggressive, especially when they are in groups.
Simon hüllt sich weiter in schweigendes Grinsen.
Herr Hitzlsperger
In der Bildergalerie könnt ihr den Unterricht von Thomas Hitzlsperger nochmal verfolgen. Hier geht´s zur Galerie.
Malika Willst du eigentlich auch mal was sagen?
Simon Ähm, the referee isn't as strict as in Germany... right?
Hitzlsperger Yeah, that's right.
Hitzlsperger hat fünf Jahre in der englischen Premier League bei Aston Villa gespielt und weiß also, was very british ist und was nicht. Die Vorurteile in der Einzelkritik:
Hitzlsperger Also das mit dem Tee stimmt, Engländer trinken sehr sehr viel Tee, auch ich hab irgendwann fünf Tassen am Tag getrunken. Dass sie die Deutschen nicht mögen, liegt wohl daran, dass sie ein seltsames Geschichtsbewusstsein haben. Sie denken immer noch, alle Deutschen wären Nazis. Ich musste lange gegen dieses Vorurteil ankämpfen.
Julian Wurdest du bei Spielen auch beschimpft?
Hitzlsperger Ab und zu wurde ich von Anhängern der gegnerischen Mannschaft mit dem Hitlergruß empfangen. Das kam aber eher selten vor und wenn, dann habe ich es ignoriert. Was sollte ich auch anderes tun? Ich hätte ja nicht einfach in den Fanblock rennen können und die Leute zurechtweisen.
12:55 Uhr Weiter geht es mit Wetter und Cricket. Mehr als das scheinen Ben und Frederick ihre neuen SPIESSER-Kulis zu interessieren, die wir vor der Stunde verteilt haben. Lieber schnell zur nächsten Gruppe: fünf Jungs, von denen sich keiner nach vorne traut. Kay rappelt sich schließlich auf, Für die eigene Hallenfußballtruppe reichts, stapft nach vorn und sagt die unbequeme Wahrheit:
![]() Malika, 15: "Ich hatte ihn mir viel verbissener vorgestellt, aber er war total offen und, ganz nebenbei, unfassbar gut angezogen. Sofort einstellen!" - Note: 1 |
Kay Ihr seid alle Feiglinge! Ähm, und unsere Folie ist leider verschollen.
Auch das noch! Wenn da dem Vertretungslehrer mal nicht der Trikotkragen platzt...
Hitzlsperger Das macht nichts.
Kay aber macht es doch etwas, zumindest seinem Sprachzentrum.
Kay Also wir haben im Grunde genommen genau dasselbe wie die andere Gruppe. Also aggressive Fans...
Ähm, Englisch?
Kay Oh yeah well, we have wrote that äh the tactics of the football äh soccer people äh player is most kick and rush.
Von Stottern und Schwächen im Satzbau besonders erheitert, pressen Julian und Daniel ihre Köpfe in die Armbeugen, ihr Feixen hört man trotzdem. Erst den Schwanz einziehen und dann den Mund aufmachen, schöne Freunde sind das!
Kay Ja, das ist gar nicht so einfach hier vorn.
Kay beendet den verkorksten Vortrag und spricht einen besonders herzlichen Dank an seine Gruppe.
Kay Danke, ihr dreckigen Feiglinge!
Profi Hitzlsperger kehrt schnell zum Thema zurück. Kay hatte den hohen Ausländeranteil in der Premier League angesprochen.
Hitzlsperger Der Anteil ist wirklich hoch und weil sich England nicht für die EM qualifizieren konnte, wird jetzt den Ausländern die Schuld in die Schuhe geschoben, weil sie angeblich die Engländer aus den Vereinen verdrängen.
Braucht es also eine Quotenregelung, die den Ausländeranteil deckelt?
Hitzlsperger Ich bin absolut gegen eine Quote. Wenn die englischen Spieler zu schwach sind, sollten sie lieber von neuen Einflüssen profitieren und von fremden Spielern lernen, statt über eine Quote nachzudenken. Aber sie glauben eben auch, dass sie den Fußball erfunden haben.
Etwas undifferenzierter kommt Raphael im letzten Vortrag auf den Punkt.
Raphael Footballfans are hooligans, they are often drunk and fat.
Die Klasse johlt, auch Hitzlsperger kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Hitzlsperger Naja, ich glaube davon sind eher die Amerikaner betroffen. Die Engländer unterscheiden sich optisch nicht so arg von den Deutschen. Aber was wirklich stimmt, ist dass die Engländer sehr schnell, viel und oft trinken.
Und Hitze selbst – hat er sich englischen den Trinksitten angepasst? Das steht auf Seite 2.
Mehr aus dieser Serie
Anzeige
Anzeige
Socialvernetzwerkungsdings
Anzeige
Anzeige












