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Nix verpassen
Warum man Sonntage abschaffen sollte
Hach, ist es manchmal nicht schön, in Selbstmitleid zu zerfließen?
Ok, vornweg: Wenn du glücklich liiert bist, dann schließ deine Augen oder leg dir Gurkenscheiben darauf, um diesen Text nun nicht lesen zu müssen. Bist du aber Single, dann wirst du dich als einer unter circa elf Millionen Leidensgenossen im Lande wohl sehr wahrscheinlich wiedererkennen.

My name is Single
Meine Katze liegt neben mir und gähnt genüsslich vor sich hin. Draußen ist das schönste Maiwetter im April, doch vor lauter Panik, sämtlichen liebumschlungenen Pärchen zu begegnen, bleibe ich bei meiner Katze. Pretty Woman ist zu Ende und ich zappe mich durchs Nachmittagsprogramm. Dokumentationen über Tüpfelsumpfhühner bis hin zu Englisch-Crashkursen via TV. „Please repeat: My name is ...“ My name is Single und ich bin dafür Sonntage abschaffen zu lassen! So! Basta!
Ich schalte den Fernseher aus und beobachte meine Katze. Alt, dick, faul. Eigentlich ein schönes Leben, so als Katze. Schlafen, fressen, spielen. Man muss sich weder mit bipolaren Bindungsärschen rumärgern, noch muss man sich Gedanken darüber machen, ob die Haare gut sitzen. Ich beschließe also Katze zu werden. Schnippe kurz mit den Fingern. Doch es geschieht nix. Ich bin immer noch ich. So wie ich hier sitze. Mit verwaschener Snoopy-Jogginghose und einem Zopf zur Palme gemacht. Ein peinlicher Anblick. Doch es sieht ja sowieso keiner.
Decke über den Kopf
Mein Telefon klingelt und im ersten Moment komme ich mir wichtig vor. Vielleicht hat sich ja ein anderer Single verwählt und das Schicksal meint es nun gut mit mir. „Hallöööööchen, hier ist Susi. Ich wollte mich nur mal kurz melden und sagen, dass ich jetzt mit Tom 'ne Bootsfahrt mache. Das Wetter ist sooooo supi und Tom ist sooooo süß. Er redet sogar schon vom Heiraten, ist das nicht toll?!“ Pause. „Hallo? Bist du noch dran?“ – „Nein!“ Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und möchte mit einer Hand am liebsten durch den Hörer zu meiner Freundin Susi greifen und ihr hundertmal Tesafilm um den Mund wickeln.
„Du bist ja heute wieder lustig, hehe. Natürlich bist du noch dran!“, lacht sie. Ja, leider, denke ich. „Ach so, was machst du denn heute noch so Schönes?“, fragt sie allen Ernstes und ich suche krampfhaft nach einer Ausrede, obwohl ein kurzes „nix“ schneller gehen würde, aber so verzweifelt möchte ich dann auch wieder nicht klingen. „Ach, naja, ich hab enorm viel zu tun. Komme gerade vom Kaffeeklatsch mit Marion. Habe da mit so ‘nem Typen geflirtet, haben Nummern ausgetauscht und wollen uns gleich nochmal treffen. Du, ich muss auch schon wieder los. Ich wünsch dir ‘ne schöne Bootsfahrt mit Tom. Tschüss!“, sage ich energisch, lege auf und verschwinde unter meiner Decke.
Und dann auch noch Marvin Gaye
Nach einer geschlagenen halben Stunde voller Selbstmitleid, in dem ich fast ertrunken wäre, blicke ich wieder unter der Decke auf. Alles beim Alten. Meine Katze liegt noch immer da. Auch das Telefon liegt noch da, wo ich es abgelegt hatte. Und auch ich liege immer noch da.
Und draußen scheint die Sonne ... Foto: Hombre! / http://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.deMan sagt, nach einem schönen Bad würde es der Seele besser gehen. Nun gut, denke ich und lasse mir Wasser ein. Draußen sind es 22 Grad und purer Sonnenschein. Und ich bin im Begriff ein heißes Bad zu nehmen. Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, wenn man sich dann auch noch die Musik von Marvin Gaye „Let’s get it on“ einlegt? Wahrscheinlich sehr.
Ich liege in der Wanne und genieße sogar mal die Ruhe. Ich denke nach. Und komme zu dem Entschluss, dass es auch ganz nett sein kann, wenn da keiner ist, der gegen die Badezimmertür klopft, man solle das Wasser nicht so laufen lassen, kostet schließlich alles Geld.
Trotzdem gehören Sonntage abgeschafft! Ich beschließe an Frau Merkel zu schreiben, sie möge einen Gesetzesentwurf für die Abschaffung der Sonntage erlassen. Aber Moment. Selbst die ist ja kein Single mehr. Und ich mach mir ernsthaft Gedanken darüber, ob meine Haare gut sitzen ...
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Kommentare
Da ist nicht der Sonntag
Da ist nicht der Sonntag schuld. Der Sonntag ist doch dafür da, um rauszugehen und die netten einsamen Typen im Park zu treffen!
Ürbigens sind Sonntage auch in Beziehungen schon mal ganz schön öde.
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Der Text ist bewusst
Der Text ist bewusst überspitzt geschrieben! ;-)
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Sonntage sind generell nie sonderlich spannend
Ich kann Lillientiger nur zustimmten, dass Sonntage öde sind, liegt nicht daran, dass man Single ist. An Sonntagen ist nun mal nichts los: es kommt nix tolles im TV, es kommt keine Post, die Läden haben alle geschlossen, es finden in der Regel keine Parties statt, alles denkt schon an Montag...da kommt auch bei mir des öfteren die Langeweile auf und ich lebe seit drei Jahren in einer Beziehung. Man kann sich aber nicht hinstellen und vom Partner verlangen, dass er einen unterhält und den Tag interessant gestaltet. Dafür ist jeder selbst verantwortlich. Mein Geheimrezept: unter der Woche hab ich meist soviel zu tun, dass ich nie dazu komme gute Bücher zu lesen - am Sonntag hat man die Zeit ;-)
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Klar, weiß ich doch ;) Aber
Klar, weiß ich doch ;) Aber jammern hilft auch nicht ;)
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Wir alle versinken irgendwann
Wir alle versinken irgendwann in diesem Sog des Selbstmitleides. Darum geht es ja auch. Und wir alle wissen, dass es nichts hilft ;) Ein Teufelskreis also! ;)
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Och...
Ab und zu ist Selbstmitleid auch mal was ganz Schönes ;)
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...
So ist das, wenn man auf Krampf eine Beziehung führen will, weil es überall suggeriert wird, dass man eine Beziehung braucht, um sich vollkommen zu fühlen.
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Gefällt mir.
Ich mag den Artikel.
Schön übertrieben, nicht zu schnulzig, Alltagsgeschichte -> cool.
Vielleicht ein bisschen zu lang, aber trotzdem hab ich interessiert bis zum Ende gelesen.
Nicht allzu sehr verzweifeln! ;)
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Sonntags...
...kommt doch (fast immer) Tatort. Also: Ein Tag der Freude!
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Sonntags kann man einfach mal
Sonntags kann man einfach mal den ganzen Tag allein sein. Hat auch Vorteile :)
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