Von Schwester zu Schwester: Was bleibt von Norwegen?

 
19.12.2010 - 17:56
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Kurz vor ihrer Abreise bekam Kristin Besuch von ihrer Schwester und SPIESSER-Autorin Stefanie. In ihrem letzten Blogeintrag könnt ihr ein Gespräch beider lesen – über ungesehene Sehenswürdigkeiten und mentale Mitbringsel.

Kristin und Stefanie mit Trollwesen auf dem Fløyen.

Na, Kristin, wie hast du dich denn auf meinen Besuch in Bergen vorbereitet?

Um ehrlich zu sein, hab ich mir gar keine Gedanken gemacht. Nicht einmal darüber, wie ich dich vom Flughafen abhole. Und so kam es, dass du dich an einen wildfremden Mann hängen und ihm auch noch Geld für den Bus geben musstest. Die verschneite Witterung machte es mir unmöglich, zum Flughafen zu kommen. Nun ja, so wildfremd war der Mensch namens Felix dann doch nicht. Ich und die Freundin von Felix gabelten euch dann später auf der verschneiten Straße in der Nähe des Studentenwohnheims auf.

Kristin ist ihre letzte Woche in Bergen, Norwegen. Dort machte sie ein Auslandssemester. Regelmäßig schrieb sie, was sie erlebte.

Und wie war es dann mit mir?

Es hat sich herausgestellt, dass ich mir vielleicht doch besser ein paar Gedanken über unser Tagesprogramm hätte machen sollen (irgendwo hätte ich schon eine Fjordtour außerhalb der Touristensaison herbekommen). Aber zum Glück wolltest du immer lange ausschlafen ... Ich hoffe, du hattest auch ohne die typischen „Das muss man in Norwegen gemacht und gesehen haben“-Attraktionen einen schönen Urlaub?

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Muss man gesehen haben: Pepperkakebyen – Die weltweit größte Lebkuchen-Stadt in Bergen.

Du hattest vier Monate Norwegen kennenzulernen. Wofür war deine Zeit hier aber dennoch zu kurz?

Zu kurz war die Zeit nicht, nur irgendwie falsch verteilt. Im Sommer, als ich hier ankam und noch Tourismus-Hochsaison war, hatte ich damit zu tun, mich hier in Bergen einzuleben. Daher bin ich nicht viel herumgekommen. Jetzt sind die Prüfungen vorbei und ich habe noch eine Woche, aber es ist Dezember: Fjordtouren werden nur noch angeboten, wenn sich mindestens 15 Leute anmelden. Zu vielen sehenswerten Orten gibt es leider keine gute oder ganz und gar keine Busverbindung mehr. Also mein Tipp an zukünftige Erasmus-Studenten: Nehmt mit, was geht, so lange das Wetter noch gut ist! Das gilt natürlich nur für das Wintersemester. – Im Sommersemester ist es ja genau umgekehrt mit dem Wetter und der Touristensaison.

Wenn du künftig einen Norweger in Leipzig triffst, was wirst du ihm erzählen?

Ersteinmal würde ich mich wundern, was ein Norweger in Leipzig macht. Ich habe die Norweger als ein Volk kennengelernt, das lieber im eigenen Land Urlaub macht. Würde ich auch machen, wenn ich so wunderschöne Fjorde und Fjelle vor der Haustür hätte. Ja, und dann würde ich vermutlich meine paar Brocken Norwegisch zusammensuchen, um ihm zu zeigen, dass ich immerhin mal den Versuch unternommen habe, seine Sprache zu lernen. Vermutlich wird das in einer Unterhaltung über das Wetter enden, denn darüber reden Norweger am liebsten, wenn sie Small Talk betreiben, und dazu sind auch die meisten Vokabeln in meinem Kopf hängen geblieben, nach so vielen Wetter-Gesprächen im Norwegischkurs. Selbst in der mündlichen Prüfung blieb ich davon nicht verschont. Und ich würde ihn vielleicht zu einer Wandertour einladen!

Was ist das beste Mitbringsel aus Norwegen?

Mitbringsel? Oh! Alle, die sich da etwas erhoffen: Nein, ich bringe nichts mit. Für niemanden. Ok, Mutti bekommt einen Eierbecher, weil sie diese sammelt und sie praktischer sind als Hundefiguren, die sie auch sammelt. Aber ansonsten habe ich in meinem Gepäck keinen einzigen freien Kubikzentimeter mehr. Und Weihnachtsgeschenke? Ich finde, hier in Norwegen gibts eigentlich nichts besonderes, dass es nicht auch bei uns geben würde ... und vor allem nicht auch billiger bei uns geben würde.

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Weihnachten auf dem Hausberg Fløyen: Mit jedem Adventstag leuchtet eine Kerze mehr.

Und was nimmst du für dich mit?

Mmh, das ist schwer zu sagen. Nach so einem Auslandsaufenthalt hat man immer eine andere Sicht auf die Dinge zu Hause. Ich hab das Gefühl, bevor ich hergekommen bin, war mein Leben in Leipzig zu routiniert und alltäglich geworden. Und ich habe mich gefreut, da herauszukommen. Jetzt freue ich mich darauf, wieder daheim zu sein, und bin voller Energie. Ich hab mir viele Dinge vorgenommen. So ging es mir auch, als ich nach einem Jahr Freiwilligendienst aus Tschechien wiedergekommen bin.

Weltenbummelei auf SPIESSER.de
Vorherige Artikel von Kristin und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Katharina in Mexiko, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.
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Ich will, wie hier in Norwegen, regelmäßig schwimmen gehen. Ich möchte schauen, was an meiner Uni in Leipzig für internationale Studenten getan wird und mich vielleicht daran beteiligen, weil mir das hier in Norwegen sehr gut gefallen hat. Ich möchte im Sommer eine Tour durch Deutschland machen und all die deutschen Freunde besuchen, die ich hier gefunden habe. (Und nebenbei den Westen und Süden meines Heimatlandes kennenlernen, wo ich, wie ich zugeben muss, noch nie war – ich reise eben mehr in andere Länder, als in meinem eigenen). Das Problem ist nur, wie lange diese Euphorie anhält. Als ich aus Tschechien wiedergekommen bin, war ich mit dem Verwirklichen meiner Pläne nicht allzu erfolgreich und ich hoffe, meine Motivation dieses Mal länger aufrechterhalten und besser nutzen zu können.

Text und Fotos: Kristin Hirte

Beigetreten: 17.07.2010
Punkte: 396002

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