Was kann Biomasse?
Biomasse, der erneuerbare Alleskönner. Auch wenn alle von Sonne und Wind reden: Einen Großteil der genutzten erneuerbaren Energie macht heute die Biomasse aus. Deshalb geht es im zweiten Teil unserer Serie um eben jene Energie, die in Holz, Mais und Biomüll steckt.
Claudia Casilli von RWE Innogy Cogen. Das Unternehmen entwickelt, baut und betreibt Biomasse-Kraftwerke.Frau Casilli, Bioenergie gehört zu den wichtigsten erneuerbaren Energiequellen in Deutschland. Kaum einer weiß das.
Ja, wir schätzen, dass die Biomasse bis 2020 allein mindestens zehn Prozent, bis 2030 mindestens 15 Prozent unseres Energiebedarfs decken kann.
Welche Vorteile hat die Bioenergie?
Biomasse wächst nach, gehört also zu den erneuerbaren Energiequellen, sie ist lagerfähig und nahezu immer verfügbar. Wir sagen dazu grundlastfähig. Im Gegensatz zu Wind und Sonne, die nicht immer wehen und scheinen. Die Nutzung von Biomasse macht uns weniger abhängig von Energie-Importen zum Beispiel von Erdöl und Erdgas.
Wie steht es mit der CO2-Bilanz?
Biomasse verbrennt CO2-neutral. Bei ihrer energetischen Nutzung entsteht nicht mehr Kohlendioxid als die Pflanzen während ihres Wachstumsprozesses aufgenommen haben.
Auf Energieholzplantagen werden Bäume angebaut. Spätestens nach fünf Jahren werden sie geerntet, sie müssen daher schnell wachsen. Pappeln sind gut geeignet. Darüber hinaus wird sogenanntes Waldrestholz und Forstbiomasse eingesetzt. Also Holz, das bei Waldarbeiten anfälltund bisher nicht genutzt wird. Foto: © Henrik G. Vogel/Pixelio.de
Biomasse wird unter anderem zu Biokohle-Pellets gepresst. Die bestehen dann aus Holz von Plantagen oder Waldresten, aber auch aus vergleichsweise schwierigen Stoffen, wie Wurzeln und Hirsegräsern. Biokohle-Pellets verfügen über eine sehr hohe Energiedichte und haben bessere Verbrennungseigenschaften als reine Holz-Pellets. Außerdem lässt sich die Biokohle leicht transportieren. Foto: © Thorben Wengert / Pixelio.deWie funktionieren Biomasse-Kraftwerke?
Die Rohstoffe werden sortiert, von Fremdstoffen befreit und geschreddert. So portioniert werden sie in großen Kesselöfen verbrannt. Die Wärme heizt Wasser derart auf, dass Wasserdampf mit bis zu 450 Grad Celsius und sehr hohem Druck entsteht. Dieser Hochdruckdampf treibt eine Turbine an, die mit einem Generator Wärmeenergie in elektrische Energie und somit in Strom umwandelt.
Es gibt auch Biomasse-Heizkraftwerke. Was ist der Unterschied?
Ein Biomasse-Heizkraftwerk liefert nicht nur Strom, sondern zusätzlich Wärme. Die wird als Dampf in ein Fernwärmesystem eingespeist.
Noch einmal zum Anfang der Kette: Mit welcher Biomasse arbeiten Sie konkret?
Wir erhalten Waldrestholz aus Windwurfflächen, zum Beispiel als der Sturm Kyrill über Deutschland fegte. Waldrestholz ist eine weitgehend ungenutzte Energiequelle. Abgeknickte Baumkronen und Äste nutzen wir zur Energiegewinnung. Wir nutzen auch Landschaftspflegeholz von kommunalen Entsorgungsunternehmen und Garten- und Landschaftsbau- Firmen und Gebrauchtholz aus unbehandeltem und unbelastetem Holz wie Tischen und Stühlen.
Sie bauen aber auch Holz an.
Das Frischholz kommt von Energieholzplantagen. In den kommenden Jahren wollen wir etwa 10.000 Hektar mit 75 Millionen schnell wachsenden Bäumen bepflanzen. Unter ökologischen Gesichtspunkten bieten Energieholzplantagen im Vergleich zur intensiven Landwirtschaft deutliche Vorteile: weniger Energieaufwand bei Bepflanzung und Ernte, weniger Pestizide und Dünger, Vielfalt statt Monokulturen und Erosionsschutz des Bodens.
Nimmt der Anbau von Biomasse nicht Flächen für Lebensmittel weg?
Es gibt viele brachliegende Ackerflächen. Die wollen wir nutzen. Energieholzplantagen bieten so Verdienstmöglichkeiten im ländlichen Raum, ohne mit der Lebensmittelproduktion in Konkurrenz zu treten.
Die Unscheinbare unter den Erneuerbaren: Alle reden von Sonne und Wind. Dabei macht die Energie aus Biomasse in ihren verschiedenen Formen (Strom, Wärme, Kraftstoff) knapp 70 Prozent der in Deutschland genutzten erneuerbaren Energie aus.Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit RWE.
Teasergrafik: Ronny Pietsch






