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Weil ich ein Mädchen bin?

 
11.05.2011 - 11:26
Facebook:

Technik ist längst nicht mehr nur Männerspielzeug. Ein nahezu bissiger Beweis dafür sind rosafarbene Geräte, die genau das Gleiche können, wie ihre grauen Kollegen. Frauen sind also klar Abnehmer von Technik — trotzdem hört man nur selten von Programmiererinnen und Informatikerinnen.

Alles beim Alten

Das Statistische Bundesamt gibt an, dass sich die Berufswahl von Frauen und Männern in den vergangenen zehn Jahren nicht merklich verändert hat. Allen Girls-Days und Boys-Days zum Trotz bleiben junge Menschen der altmodischen Rollentrennung treu. Beide Geschlechter wollen erfolgreich sein, dabei aber auch weiblich, beziehungsweise männlich wirken. Sonst wird häufig befürchtet, dass man nicht genügend Anerkennung bekommt. Schnell tauchen Vorurteile auf, die behaupten, dass man als Maschinenbauerin eine unrasierte Bilderbuch-Emanze und als männlicher Frisör homosexuell sein muss.


Foto: www.boys-day.de

Solche Klischees sind Quatsch – aber leider immer noch vorhanden. Den Anspruch, sich als Frau neben Männern zu behaupten, haben viele. Dennoch trauen sich die wenigsten. Besonders junge Frauen mit Hochschulabschlüssen tasten sich an die "fremde Branche" heran. Als beispielhafte Vorreiter gelten hierbei junge Juristinnen und Wirtschaftswissenschaftlerinnen.

Wunsch nach gutem Honorar dominiert

Viele junge Menschen legen bei der Berufsfindung größten Wert auf Jobchancen und Bezahlung. Diese Kriterien reichen oft aus, um über eigene Ziele, Stärken und Interessen hinweg zu sehen. Wenn Bezahlung und Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz genügen, ist die Entscheidung gefallen. Das Festhalten an diesen imaginären Sicherheiten trägt eine Mitschuld daran, dass die Trennung von Frauen- und Männerberufen annähernd konstant bleibt. Diese Trennung kann man auch keinem zum Vorwurf machen, solange die Gleichstellung von Frauen und Männern schon durch Ungleichbezahlung behindert wird. Dazu kommt, dass es für die meisten einfacher ist, an einen Geringverdienerjob zu gelangen, als zum Beispiel an einen Posten in der Führungsebene. Somit bleiben die Rollenbilder in den Domäne des jeweiligen Geschlechts unverändert.

Schnupperstudium wagen

Die 25-jährige Anne wusste nach dem Abitur nicht, in welche Richtung es geht. Irgendwas mit Technik sollte es sein. Ein Schnupperstudium half ihr bei Entscheidung. Mittlerweile studiert Anne „Interface“ Design und entwickelt bereits Prototypen mit Hilfe von Mikro-Controllern. 24 Studenten zählt ihr Studiengang, davon waren gerade mal fünf weiblich. Es ist also gut möglich, dass sich klassische Frauen- und Männerberufe auf manchen Gebieten überschneiden und somit neue Reize liefern, um von dem doch überholten Geschlechterklischee wegzukommen.


Foto: www.girls-day.de
Zur Anerkennung ein Kniff in die Wange

Anne arbeitet neben dem Studium für einen namenhaften Telekomunikationskonzern. In ihrer überwiegend männlichen Abteilung fühlt sie sich auch sehr wohl. Anders war das, als sie eines ihrer Modelle auf einer firmeninternen Messe ausstellte und unter schätzungsweise 100 Mitarbeitern die einzige weibliche Person war. Das wurde ihr spätestens bewusst, als einer der Mitarbeiter einen Kaffee von ihr verlangte, weil er Anne für den Catering-Service hielt. Ein anderer Kollege fand ihre Arbeit so gut, dass er ihr in die Wange kniff, um auf seine ganz eigene (und unangebrachteste) Weise Anerkennung zu demonstrieren. Anne sagt ganz klar, dass sie in einer Männerbranche angekommen ist und diese zwei Negativbeispiele nicht ihr Alltag, aber dennoch Teil ihrer Arbeitswelt sind.

Nur Mut!

„Mädchen sollten keine Angst vor Maschinen, der Technik oder der Programmierung haben und eine Schlosserin ist nicht weniger weiblich, als eine Friseurin.“, meint Anne abschließend. Es gibt spezielle Förderprogramme für Einsteiger und wem die pure Technik nicht genügt kann auch versuchen den MINT-Bereich mit Kreativität zu verknüpfen.

Mehr zum Thema Rollenbilder von Jungen und Mädchen findet ihr diesen Monat auf SCHEKKER.de