WikiLeaks: Enthüllungen über Norwegen?
Mickrige 0,3 Prozent der geheimen US-Dokumente betreffen Norwegen. Kristin hat sich in ihrem Gastland auf die Suche nach Sensationen gemacht – mit unerwartetem Ausgang.
Angela „Teflon“ Merkels Unkreativität und Guido Westerwelles Nachhilfebedarf in Außen- und Sicherheitspolitik sind im Moment heiß-diskutierte Enthüllungen, nachdem auf WikiLeaks zahlreiche vertrauliche Dokumente von US-Botschaftern veröffentlicht wurden. Enthüllungen? Wohl eher nicht, denn viele Menschen waren schon immer dieser Meinung.
Auch hier in Norwegen ist man über den Inhalt der Dokumente wenig überrascht. In einem Interview des „Dagbladet“ (Das Tagesblatt) mit einer Osloer Politikwissenschaftlerin äußert diese „Det er ikke noe nytt [...] at Merkel anses som kjedelig.“ — Es ist nichts Neues […] dass Merkel als langweilig angesehen wird.
Kein Tratsch über Norwegens Politiker
Scheinbar stimmt die internationale Meinung gut damit überein, was der Großteil des deutschen Volkes denkt. Daher war ich gespannt darauf, was die Amerikaner über norwegische Politiker gelästert haben. Immerhin sollen laut SPIEGEL ONLINE 763 Dokumente Norwegen betreffen, einige davon mit hoher Geheimhaltungsstufe.
Aber: Entweder bieten Norweger weit aus weniger Lästerpotential oder die hiesigen Medien sind zu höflich ihre Politiker durch den Schlamm zu ziehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Zeitungen, die sich der Aufarbeitung dieser Dokumente verschrieben haben (Spiegel, New York Times, Guardian u.a.), auf die einflussreicheren Länder, bzw. Politiker stürzen. Da gehört Norwegen scheinbar nicht dazu. Stattdessen...
US-Amerikaner: Norwegen sei die Hauptstadt von Schweden
Eine kleine Meldung im „Dagbladet“ hat dann doch meine Aufmerksamkeit erregt: „Nannte Frankreich korrupt und USAs Regierung dumm“. Die Rede ist dabei vom britischen Prinz Andrew. Seine „Frechheit und schlechte Sprache schockten den amerikanischen Botschafter“ soll es in einer Geheimmeldung von 2008 heißen. Es ist nicht weiter überraschend, dass in Norwegen darüber berichtet wird, wie das englische Königshaus von den Enthüllungen betroffen ist, wo man doch selbst ein Königshaus vor der Tür hat.
Vorherige Artikel von Kristin und anderen Weltenbummlern, wie zum Beispiel Claudia in Südafrika oder Katharina in Mexiko, findet ihr unter der Serie Auslandsblogs.
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Viel witziger sind aber die Kommentare, die Norweger zu diesem Artikel im Internet abgegeben haben. Es herrscht allgemeine Übereinstimmung mit Prinz Andrew, dass Amerikaner ziemlich dumme Menschen seien. Sie hätten zum Beispiel keine Ahnung, wo Norwegen liegt. Oder sie denken, Norwegen wäre die Hauptstadt von Schweden. Was immerhin näher an der Wahrheit liegt als die Behauptung, es liege gleich neben Neuseeland. Auch von dieser Antwort berichtet ein Norweger, der mal in Amerika war. Jemand verteidigt die Amerikaner mit dem Kommentar, dass Norwegen doch nie im Krieg mit den USA gewesen sei: Woher sollten sie da wissen, wo es liegt.
Und so könnte ich noch ewig weiter lustige Kommentare übersetzen. Es zeigt sich also: Es ist viel lesenswerter, wie sich Norweger über die Intelligenz von Amerikanern auslassen, als was amerikanische Diplomaten über norwegische Politiker geschrieben (oder eben nicht geschrieben) haben.
Text und Teaserfoto: Kristin Hirte
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Kommentare
*Daumen hoch*
Gelungener Artikel der definitiv zum schmunzeln anregt!
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