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Wir sprechen Zirkus
Lisa, 18, hat bereits zweimal eine Reise von 24 Stunden auf sich genommen, um in das sehr arme Ocotal zu fliegen. Was sie dort macht? Zirkus!
Definition: „Der Zirkus ist ein Unternehmen, das Unterhaltung anbietet.“ In Nicaragua, einem Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, ist so etwas nicht gerade an der Tagesordnung. Wie sollte man das auch finanzieren, bei einem Einkommen von weniger als zwei Dollar pro Tag? Ein Wiesbadener Jugendzirkus will helfen und stellt das Projekt „Circo Ocolmena“ auf die Beine. Nur weil die Bevölkerung arm ist, heißt es ja nicht, dass sie keine Unterhaltung gebrauchen können. Das fand auch die Jury des Wettbewerbs „JUGEND HILFT!“ und hat den Zirkus Ocotal aus 240 Mitbewerbern zum Siegerprojekt gekürt.
Lisa, 18, war schon bei der ersten Fahrt nach Ocotal dabei. Mit damals 14 Jahren kam es ihr vor wie eine Weltreise und sie fand alles total aufregend. „Als jüngste Teilnehmerin des Jugendzirkus habe ich mir gar keine Vorstellungen davon gemacht, wie weit weg Ocotal ist und wie anders die jungen Menschen dort leben. Zudem flogen wir genau an meinem Geburtstag. Es war also doppelt spannend für mich.“ Nach der 24-stündigen Reise von Frankfurt über Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, hat Lisa nur noch gestaunt. „Wie in einer anderen Welt! Die Bedingungen dort sind nicht zu vergleichen mit den deutschen Hygiene- und Versorgungsstandards.“
Viele der Kinder in Ocotal haben nicht die Chance, eine Schule zu besuchen. Oft gehen sie arbeiten, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Ein Freizeitprogramm gibt es in Ocotal nicht, beziehungsweise gab es nicht.
Das Projekt „Circo Ocolmena“ hat mit der Arbeit von Freiwilligendienstlern begonnen, die ihr Jahr in Ocotal verbracht haben, um für die jungen Menschen eine Alternative zur Straße zu schaffen. Was damals klein gestartet ist, gestaltet sich heute als großes Austauschprojekt. 2007 hat sich das erste Mal eine Gruppe junger Menschen wie Lisa auf den Weg nach Ocotal gemacht, um mit den Gleichaltrigen Zirkusnummern und akrobatische Einlagen einzustudieren. Die Sprache ist dabei kein Hindernis gewesen. Vor der Reise haben beide Gruppen Unterricht in der jeweiligen Landessprache bekommen. Dabei wurden extra Zirkusvokabeln geübt. Letztendlich lief aber doch alles über Hände, Füße und „Zirkusisch“ ab. „Ich hatte das Gefühl, dass die Zirkussprache in jedem Land funktioniert. Durch das gemeinsame Hobby fühlt man sich gleich viel näher und die Verständigung klappt fast ohne Probleme.“
Die zehntägigen Workshops sind für alle Teilnehmer eine tolle Erfahrung. „Die Kultur dort ist sehr beeindruckend. Alle sind sehr freundlich zu uns gewesen und es hat Spaß gemacht mit dem Ausüben seines Hobbys anderen Menschen zu helfen.“ Durch den Austausch sind auch Freundschaften entstanden. Dank vieler Spenden konnten 2008 sogar Artisten aus Ocotal nach Deutschland fliegen und gemeinsam mit den Wiesbadenern trainieren.
Der Zirkus in Ocotal ist heute ein Zufluchtsort für viele Menschen. Sieben Tage in der Woche haben die jungen Menschen im Alter von zwölf bis zwanzig die Möglichkeit, für die regelmäßigen Auftritte zu trainieren. Inzwischen ist der „Circo Ocolmena" genauso gut ausgestattet wie der Wiesbadener Jugendzirkus, der schon 25 Jahre lang besteht. Zwar ist in Ocotal viel improvisiert, aber es ist funktionstüchtig. Von Diabolos über Einräder bis hin zu einer Hochseilanlage steht alles zur Verfügung. Der Wiesbadener Jugendzirkus schickt regelmäßig Requisiten einmal um die Welt, um das Projekt weiterhin zu sichern. „Bei der zweiten Reise nach Ocotal haben uns unsere Gastgeber mit einem Willkommensprogramm überrascht. Sie haben hart trainiert und sind inzwischen fast besser als wir!“
2010 haben Lisa und ihre Freunde vom Zirkus dann den Wettbewerb „JUGEND HILFT!“ gewonnen. Als eines von neun Siegerprojekten wurde der Wiesbadener Jugendzirkus zu einem viertägigen Camp eingeladen, in dem die Artisten gelernt haben, wie sie den Zirkus in Ocotal noch besser unterstützen können.
Inzwischen gibt es eine feste Zirkusleitung. „Einer der ehemaligen Freiwilligendienstler kümmert sich hauptberuflich um Organisation und Papierkram. Außerdem stehen zwei Trainer bereit, die wir als Paten finanzieren.“ Der Kontakt vom Wiesbadener Jugendzirkus und dem Circo Ocolmena besteht immer noch und wird durch regelmäßige Besuche gesichert. Die nächste Reise ist für den Sommer geplant. Und Lisa ist wieder dabei.
JUGEND HILFT!
Was macht euch zum Helden? Ihr engagiert euch auch sozial? Dann bewerbt euch bei „JUGEND HILFT!“ – einer Initiative von Children for a better World e.V.. Hier könnt ihr euch noch bis zum 15. März 2012 bewerben. Es warten Fördergelder in Höhe von bis zu 2500 Euro pro Projekt auf euch. Die besten acht Projekte werden zu einem viertägigen Camp nach Berlin eingeladen, in dem ihr lernt, wie ihr euer soziales Projekt noch besser macht.
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Kommentare
Wow
Ich finde es toll, auf welche kreativen Weisen Leute helfen können! Es ist schön zu sehen, dass eine kleine Idee so gewachsen ist und die Helfer motiviert sind. Ich wünsche dem Circo Ocolmena und dem Jugendzirkus Wiesbaden viel Glück für die Zukunft :)
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